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Einfach nur tanzen

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2204
2012
So
1:54
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Feste soll man feiern, wie sie fallen. Angies Examen fällt gut auf Mellys Geburtstag. Freunde kommen von weit her. Das Fest im Lederer ist schön, auch wenn ich recht platt bin. Alles ist besser als einfach nur schlapp daheim rumliegen. Reden, trinken, viel zu spät essen. Heute soll mein Magen einfach zurecht sein Höllenfeuer abbrennen dürfen. „Leben“ ist der deutlich größere Teil von „überleben“.

Einfach nur leben reicht nicht. Ich will auf eine zweite Feier. Mein Wort gilt. Ziel ist eine vermutlich große Party der Gebrüder Mayr im TUS. Kurz nach Mitternacht sag ich: „Auf!“. Meine kleine Herde folgt mir durch den einsetzenden Regen einen guten Kilometer auf dem Rad. Die Feier ist noch nicht wirklich am laufen. Wir kennen niemanden.

Mir ist das egal. Ich will einfach nur wohin. Egal, was ist. Das Beste aus nichts machen. Heute bietet perfekte Vorraussetzungen. Tanzen im jetzt, das Leben genießen. Aber die Herde nörgelt. Ich schütte meine vierte Weinschorle auf ex runter, raste aus, und schwing mich auf’s Rad nach hause.

Unter der Autobahnbrücke liegt ein bewusstloser Bursche im Vollrausch mit einem tiefen Cut über dem Auge. Seine Atmung ist stabil, der Puls auch. Ich rufe trotzdem den Sanker. Die Herde schicke ich heim. Zeit runterzukommen. Der Bursche wacht auf und bleibt stressfrei. Ich quatsch eine Runde mit ihm, dann kommt der Sanker und nimmt ihn mit. Ich will nicht heim. Ich will einfach nur tanzen. Gehe allein zurück auf Party zwei.

Ich kenne immernoch kaum jemanden. Die, die ich kennen sind beschäftigt. Aber ich bin. Hier und jetzt. Die Musik ist gut, sehr gut. Ich weiss nicht, wie oft die Musik noch gut sein wird. Aber ich weiss eines: zu guter Musik sollst du tanzen. Also tanze ich. Ganz dezent. Der Atem reicht nur einen Arm weit. Die Musik ist laut. Der durch die Chemotherapie ausgelöste permanente Tinnitus möge meinen Arsch küssen! Heute bin ich Herr in meinem Haus!

Ich muss nichts sein: nicht gut, nicht stark, nicht cool, nicht attraktiv, nicht selbstsicher. Mein Käppi und ich: wir tanzen einfach wie nichts und nur für uns. Spüren das Grinsen im Gesicht. Nichts ist eine süsse Freiheit. Ja, ich habe überreagiert. Versteht ihr, warum? Ich hab riesen Angst, dass meine Zeit kurz ist. Ich wollte einfach nur tanzen.

z
dancefloor


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2 Kommentare

  • Claudia Zimmermann schreibt am Donnerstag, 26.4.2012 um 0:07 Uhr:

    Deine Zeit ist noch seeehr lang Brüderchen und ich glaube ganz fest an Dich und sende Dir ganz viele liebe und kraftvolle Gedanken!!

  • Claudia Zimmermann schreibt am Donnerstag, 26.4.2012 um 0:08 Uhr:

    …und danke für Deine Fotos und daß Du uns alle hier an Deinen Gedanken und Gefühlen teilhaben lässt!

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