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Wenn’s Oarscherl brummt…

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#491
0405
2012
Fr
10:58
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… is as Herzerl g’sund! Zweieinhalb Monate Todesangst waren einfach genug. Gestern kam die gute Nachricht: Die Chemo schlägt an. Die Metastasen in der Lunge sind nur noch in Ansätzen sichtbar, die Lymphknotenmetastasen im Bauchraum schmilzen ebenfalls im Cisplatin. Das bedeutet nicht, dass ich gesund bin. Aber meine Heilungsaussichten verbessern sich damit deutlich.

Eine Studie aus den USA weist darauf hin, dass kurzzeitiges Fasten vor und zur Chemotherapie deren Wirkung verstärkt – und die Nebenwirkungen verringert. Ich faste seit mittlerweile 72 Stunden ohne jegliche Nahrung. An Tag zwei der Chemo ringe ich dem Arzt ab, auch jegliche Glucose-Gabe via Infusion abzustellen, denn nur so werden die Blutwerte auf die in der Studie verzeichneten nötigen fallen.

Mein Herz schlägt wieder gesünder. Mein Hintern passt sich an. Da ich heute einfach mal Lust auf Lachen hab: Lest besser nicht weiter, wenn ihr Furzen nicht generell lustig findet!

Ich bin heute sehr stolz. Auch nach drei Tagen Fasten ist mein wunderbarer Körper noch befähigt, Luft aus dem Nichts zu generieren. Etwas befremdlich ist die Tatsache, dass ich jetzt aus dem Mund statt aus dem Hintern stinke. Das ist ein unerfreulicher Nebeneffekt des Fastens, durch keine Zahnbürste oder antibakterielle Mundspülung abzustellen.

Mei Oarscherl brummt. Aus dem Nichts. Ich bin eine Oase in der Wüste, während mich vermutlich ein ähnliches Glücksgefühl überkommt, wie Kolumbus bei Sichtung der ersten Möwe nach 37 Tagen auf dem Atlantik. Mein Gott, ich bin voller Sterne! Ich bin ein Perpetuum Mobile. Der Soundtrack  aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ klingt in meinen Ohren.

Sobald ich wieder esse, werden sämtliche Bayerischen Windkraftanlagen-Betreiber ein deutliches Umsatzplus verzeichnen. Sie werden lange über die Ursachen rätseln. Drehende Winde sind in Bayern völlig normal. Aber dass die Rotoren aller Windkraftanlagen Bayerns fortan nur noch auf ein gemeinsames Zentrum blicken: diese Tatsache wird sie lange verwirren. Das wäre ja so, als würden betende Muslime ihren Teppich nicht mehr gen Osten sondern gen Mekka ausrichten.

Die Lobbyisten der Windindustrie werden mich verfehlen, aber die der Biogasindustrie haben angeblich bessere Nasen. Vor denen hab ich echt Angst. Einfach da stehen und in Freiheit Energie produzieren ist fein. Aber irgendwann werden sie mich finden. Sie werden mich finden. Die Biogaslobbyisten werden mich finden. Aber mein Furz gehört zu mir! Furz! Such a tiny little air in a cold cold world … Eingesperrt In irgendeiner dunklen, feuchtwarmen, modrigen Gaskammer den Energiegehalt dreier Atomkraftwerke zu vergären – das wäre ökologisch löblich, aber würde schlichtweg allen Grundregeln des freien Furzens widersprechen.

Beim Furzen geht nur um eines, und man kann sich das gar nicht oft genug wieder ins Bewusstsein rufen: freie olfaktorische Dominanz. Viele Menschen sind sich der Ursache ihrer Aversionen gegen den Magenwind gar nicht im klaren: Dieses erbämlich stinkende Methan-Molekül, welches gerade Deine Riechzellen kitzelt, ist soeben meinem Darm entfleucht. Jap. Das ist echt eklig. Es schleudert den Mensch zurück in eine barbarische Urzeit, eine Stufe über dem Hund, der seine Schnauze in den Haufen des Köters von nebenan tunkt. Das ist bäh! Sowas machen Menschen heute nun mal nicht mehr.

Olfaktorische Dominanz ist bedingungslos lustig. Wenigstens für den Urheber. Oder habt ihr jemals in einem überfüllten Aufzug einen stillen Zischer erlebt, dessen Urheber sich nicht eines stolzerfüllten Grinsens erwehren konnte? Ich nicht. Manch einer prustet regelrecht los, wenn das Grinsen oder die Contenance nicht mehr reichen. Furzen – vor allem in  begrenzten Lufträumen und bei hoher potentieller Opferzahl – ist die Königsklasse olfaktorischer Dominanz. Es weist den Stinker als Inhaber dreier sehr angesagter postiven Charaktereigenschaften aus: Durchsetzungsvermögen, Opferbereitschaft und Humor.

Furzen ist ein großartiger Problemlöser. Als die Grünen vor vielen Dekaden in den Bundestag einzogen, hörte ihrer kleinen Minderheit kaum einer zu. Mag sein, dass ihre Stricknadeln lauter klapperten als die Tasten der Piraten-MacBook-Airs heute. Aber die Grünen hatten ein wichtiges Thema: „Zuerst die Erde, dann wir!“. Die Piraten schaffen es doch glatt mit belanglosen Grundsätzen wie „Zuerst ich, dann das Urheberrecht!“ heute deutlich mehr Wähler zu mobilisieren als die Grünen damals.

Ich sollte Pirat werden. Vor der alles-entscheidenen Grundsatzdebatte zum Thema Urheberrecht gehe ich zum Mexikaner, esse massig Bohnen. Davor hatte ich dann schon sicher ein halbes Kilo Kohlrabi. Jetzt sitze ich mitten drin, als der größte Furz aller Zeiten den Piraten-Kongress erzittern lässt. Selbst breites Grinsen oder Entblössen eines TShirts mit dem Aufdruck „Ich war’s!“ sind jetzt vollkommen hinfällig. Die Piraten im nahen Umkreis fallen ohnmächtig zu Boden. Der Rest erkennt, dass Urheberrecht kein Streitthema sein sollte – und streicht es aus den Statuten.

Furzen ändert also die Weltgeschichte. Stolz gehe ich hinaus in die Sonne, flaniere über die Promenaden, sondere hier und da eine kleine luftige Reviermarkierung ab. Fesche lächelnde Frauen und der Wind kommen mit entgegen. Die um deren Gunst konkurrierenden Anabolika-Muskelschweinchen hinter mir leiden auf zweierlei Arten: olfaktorisch direkt – und durch die Tatsache, dass sie für ihren flachen Bauch deutlich mehr pressen mussten als ich.

Dummerweise streift die Abluft auch peripher einen Grünen. Er mockiert sich höllisch über die Auswirkungen von Methan auf die Ozonschicht. Dann schiebt er sich ein paar Reischips in den Mund. Das war nicht das erste Mal, dass mich jemand des Stinkens bezichtigt. Schon im Gymnasium wurde ich für einige Zeit aus der Klasse ausgeschlossen. Mein dummer Streber-Nachbar hatte mich verpfiffen. Anstatt stolz zu behaupten, er könne sowas selber erzeugen.

Stinken ist menschlich! Aber nicht alles Stinken ist gut. Was machen diese runden Wallküren in den zu schlecht belüfteten Shopping-Centern der Welt? Sie stinken nach viel zu viel Parfum! Plenum facet venum! Ein bisschen ist fast immer gut, zuviel ein Gift. Das trifft auf pratkisch jeden biologischen Kampfstoff ausser den Furz zu. Warum? „Wenn’s Oarscherl brummt, is as Herzerl g’sund“. Gibt es denn ein „zu sehr am Leben“? Nein. Also: Leb mit! Furz on!

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2 Kommentare

  • H.Seelandt schreibt am Freitag, 4.5.2012 um 15:15 Uhr:

    Eine tolle Nachricht – und lassen Sie Ihr Oarscherl brummen brummen brummen und stinken Sie kräftig weiter, dass auch der letzte Metastasenrest das Weite sucht!

  • Claudia Zimmermann schreibt am Samstag, 12.5.2012 um 17:22 Uhr:

    Wenn furzen Dich zum Lachen bringt, dann furz am besten rund um die Uhr. Zum einen ist es gesund und lachen ist immer gut zum Heilen :-)

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