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Driving on the moon @ Kalymnos

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2021
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22:25
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Früh am nächsten Morgen springen wir auf das Raumschiff zum Mond. Am Oberdeck ballert der Meltemi mit guten 40 Knoten ins Gesicht. Der Mond scheint keinen Windschatten zu kennen. Dafür aber deutlich günstigere Fortbewegungsmittel. Ein kleines altes Auto gibts auf dem Mond schon zu einem Viertel des Preisen von Kos ab 30 € pro Tag zu mieten. Gönnen wir uns.

Unsere Unterkunft liegt am Ende einer sich in die steilen Hänge von Melitsahas krallenden Straße an einem kleinen Privatstrand mit Blick auf die kaum bewohnte Nebeninsel Telendos und den Sonnenuntergang. Perfekt – nur die hohen Klippen auf beiden Seiten halten mich vom kiten ab. Wir brechen auf. Neben den steilen Gebirgsstraßen wachsen Oleanderbüsche und wilder Thymian. Sonst ist Kalymnos wirklich wie der Mond: reichlich kahl und felsig. Für Kletterer ist der Mond das reinste Paradies. In jeder halbwegs schattigen Muschelkalkwand hängen dutzende von ihnen.

Sonst gibt es wenig zu sehen. Ein paar einsame Kieselstrände mit kleinen Tavernen und davor ankernden Raumschiffen samt eigenartig gekleideten Aliens. Fast überall fällt die Insel steil und felsig ins Meer ab. Auf gut 100 km Fahrstrecke finden wir nur einen einzigen Strand ganz im Nordwesten von Kalymnos der kitebar sein könnte. Google Maps bezeichnet ihn einfach als „The Beach“. Der Anmarsch geht ab der Straße zum Palionissi Strand über ca. 120 Höhenmeter und 30 Minuten runter ans Meer. Bei gut 35°, keinerlei Schatten und extrem starken bockigen Winden spare ich mir das heute.

Das Schwammtauchen war über Jahrzehnte so ziemlich die einzige bedeutende Einnahmequelle der Bewohner. Für das Freitauchen war Kalymnos berühmt. Ob es nun der Raubbau oder tatsächlich – wie der weit gereiste alte Giorgi behauptet – die Strahlung aus Tschernobyl war, was den Schwämmen den Garaus machte kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass das Schwammtauchen auf Kalymnos heute einzig eine traditionelle Sportart ist. Woher die immernoch zum Verkauf angebotenen Schwämme kommen will dir keiner wirklich sagen.

Einzig im Tal von Metochi wird es etwas grün mit Weinstöcken und Olivenbäumen. Danach folgen große Treibstofftanks und kahle Felsen bis zur Hauptstadt Pothia. Ein paar schon lange leerstehende Gebäude aus dem 19. Jahrhundert verfallen still im Schatten enger Gassen. Die Bewohner Kalymnos kommen in den letzten Jahren wieder vermehrt in ihre Heimat zurück. Der Klettertourismus gibt der Insel wieder etwas Schwung. Trotzdem bleibt Kalymnos die bisher ärmste aller besuchten Griechischen Inseln – bei Benzinpreisen von knapp zwei Euro.

Wie in der nahen Türkei legen auch hier Piratenschiffe zu Suff-Touren ab. Darauf stapeln sich große Gruppen vornehmlich Engländer ohne Maske und jedweden Abstand. Piraten sterben einzig durch Säbel und Alkoholismus. Auf den Fähren wird hingegen strikt kontrolliert. Ohne Impfnachweis oder aktuellen Test kommst du von keiner Insel runter.

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