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Samos

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0108
2021
So
14:26
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Als letzte Insel unserer Reise über die Dodekanes begeistert uns Samos vom ersten Moment an. Der Katamaran läuft durch schweren Seegang am Abend in der alten Hauptstadt Pythagorio ein. Bis zum Checkin im sehr feinen Belvedere Hotel 600m hinter dem Hafen sind wir platschnass. Durch alte enge Gassen geht es rüber auf die Burg, zu den Ruinen einer frühchristlichen Basilika und nochmal in ein gutes Griechisches Gartenrestaurant.

Früh am nächsten Morgen laufen wir zum ältesten und längsten von zwei Seiten gebohrten Tunnel der Welt. Binnen gut 10 Jahren um 540 v. Chr. schaffte es Euklides über gut einen Kilometer einzig mit Trigonometrie die beiden Tunnel mit gerade mal zwei Metern horizontaler Abweichung zusammenzuführen. In der Vertikalen gabs mehr Probleme: Euklides hatte das Gefälle für das Aquädukt falsch berechnet. Die Sklaven durften also auch noch einen am Südende bis zu acht Meter tiefen Graben in den Kalkstein schlagen.

Der Tunnel des Euklides ist gerade mal 1,60m hoch und manchmal nur 50cm breit. Ich mache über einen halben Kilometer den Quasimodo und bin nach einer dreiviertel Stunde trotz angenehmen 16 Grad an 90% Luftfeuchte heilfroh wieder draußen zu sein. Weiter geht es auf das nahe Kloster Panagia Spiliani mit seiner in eine Höhle gebauten Kapelle. Runter nach Pythagorio. Schon um neun Uhr morgens steigt die Temperatur über 35° C.

Der gute Manolis besorgt uns einen günstigen Mietwagen. Ich habe binnen 25 Jahren und vielen Reisen noch niemals derart drastische Unterschiede zwischen Mietwagen festgestellt wie in diesem Pandemie-Jahr. Im Internet war es immer deutlich günstiger als vor Ort. Auf dieser Reise bekommen wir vor Ort das zweite Mal einen Mietwagen für ein Drittel des besten online-Preises. Da Samos wirklich groß ist lohnen sich die 30 € am Tag auf jeden Fall.

Google Maps versagt auf allen Griechischen Inseln grandios. Nicht nur dass man bei jeder Hofeinfahrt einen Abbiegehinweis bekommt – das macht Maps.me genauso. Das wirklich schlimme ist, dass Google Maps dich permanent auf absolut unbefahrbare uralte Wanderwege lenkt. Hier ginge es oft noch nicht mal mit einer Enduro weiter. Maps.me schnallt wenigstens was ein Wanderweg und was eine zwar über Kilometer unbefestigte aber doch befahrbare Straße ist. Unser Auto ist schon nach dem ersten Tag ein Staubmonster.

Samos ist groß, abwechslungsreich und hat viel zu bieten. Binnen vier Tagen fahren wir fast 400 Kilometer und haben bei weitem nicht die ganze Insel gesehen. Die Sandstrände findet man generell eher in den kleinen Buchten im Süden so wie auch direkt hinter der Landebahn des Flughafens. Auf der Nordseite gibt es nur Kiesstrände gefolgt von Sand nach ein paar Metern im Wasser.

Samos hat eine über 3500 Jahre andauernde und laut Legende direkt auf Dionysos zurückzuführende Weinbau-Kultur. Im höchsten Dorf der Insel, dem auf 520m gelegenen Platanos hat man einen bombigen Ausblick auf beide Seiten der Insel während man sich durch die Serpentinen in den Weinbergen nach oben schraubt. Auf den kargen Böden wachsen vor allem kleinbeerige Rebsorten. Samos ist berühmt für seinen süssen Muskat Wein, der auch ein wichtiger Bestandteil von Metaxa ist. Es gibt nur einen einzigen trockenen Rotwein und einige gute aber nicht mehr wirklich trockene Weissweine.

Im Oktober 2020 erschütterte eine schweres Erdbeben die Region Samos und Izmir. Zwar starb dabei auf der Griechischen Seite niemand, aber das Beben der Stärke sieben zerstörte gerade von den alten Gebäuden sehr viele. In Samos Stadt werden derzeit ganze Blöcke halb eingestürzter alter Gebäude in der zweiten Reihe hinter der Hafenpromenade abgerissen. Die Kathedrale wurde schwer beschädigt. Im potthässlichen Karlovasi stürzte ein großer Teil der Kirche ein und auch Pythagorio verlor einige schöne alte Gebäude.

Nicht nur die vielen Strände wie z.B. der wirklich noble grüne Beachclub Navagos locken mit türkisem Wasser und chilliger Rundumbeschallung. Auch die über 1400m hohen Berge haben zahlreiche wenig besuchte verwinkelte Bergdörfer zu bieten. Zu einigen führen Straßen, andere kann man nur erwandern. Wir wandern mehrfach ungewollt wenn Google Maps uns mal wieder auf den falschen nicht befahrbaren Pfad schickte. Bei 40°C bringen schon 200 Höhenmeter den Kreislauf ordentlich auf Trab. Zwei Liter Wasser verpufften im sehr netten am Dorfplatz von Vorliothes gelegenen Blue Chair Restaurant in Null komma nix. Ein anderes schönes hohes Bergdorf ist das etwas westlich gelegene Kastania – hier waren wir wirklich die einzigen Menschen.

Am vorletzten Tag brechen wir schon um halb sieben zu einer langen Tour auf. In der 130m hoch in einer Felswand des Kerkis Massivs gelegenen Höhle versteckte sich Pythagoras als Kritiker des Tyrannen Polykrates um 535 v. Chr. längere Zeit. Der Aufstieg wurde gerade durch eine von der EU geförderte Treppe erleichtert, ist aber immernoch heftig. Die Anfahrt erfolgt über eine enge und spektakuläre Panorama-Straße über fünf Kilometer vom kleinen Bergdorf Mathocambos aus.

Selbst im Hochsommer ist Samos noch so feucht dass man in Potami einem kleinen Bach durch ein grünes Tal folgen und dann weiter oben in einem Canyon über mehrere kleine Wasserfälle und eine steile Treppe in der Felswand bis zu einem Restaurant im Nirgendwo aufsteigen kann. Uns sind schon die 30 lauten Besucher vor dem ersten Wasserfall zu eng zusammen. Wir suchen einen alternativen Einstieg weiter oben am Berg. Der führt jedoch zum gleichen überlaufenen Restaurant. Nach weiteren 10 km unbefestigten Gebirgsstraßen hat uns Google mal wieder in die Falle gelockt. Wer den Canyon wirklich geniessen will sollte sehr früh kommen.

Ausgangspunkt aller unserer Touren war das gut gelegene Kedros Hotel mit seinen beiden  lieben Gastgebern Opa Ioannis und seiner Türkischen Frau Ijlal.  Buchen könnt ihr am besten direkt telefonisch bei Ioannis, spricht gut Englisch: +30 6934 1327 22. Das Frühstück ist der Hammer und  die Gastfreundschaft umwerfend!

Unsere zwei Wochen auf fünf Griechischen Inseln der Dedekanes Enden in glühenden fast 50°C am Strand von Pythagorio. Nur wenige Maschinen starten direkt über unsere Köpfe hinweg. Was hängen bleibt ist mal wieder die unglaubliche Griechische Gastfreundschaft und bestimmt plus vier Kilo Gewicht von unendlich vielen zu testenden leckeren Spezialitäten der Inseln. Danke, Dodekanes!

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