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Osterhasi! Reisetipps Philippinen

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#710
0712
2019
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Für die 150 km Luftlinie von Mindoro nach Cuyo brauche ich trotz reichlich Reiseerfahrung auf den Philippinen satte acht Tage. Nur vier davon sind dem Taifun geschuldet. Es stimmt schon, daß Cuyo schwerer zu erreichen ist als die Hotspots. Doch wenn ich auf Facebook lese, wieviele Ziele manche Reisende in welch kurzer Zeit abhaken wollen, dann kann ich nur eines raten: plant weise! [Reisetipps Philippinen]

Vier Tage sitze ich allein den Taifun Tisoy in San Jose aus. Die Fähre nach Coron hängt noch wenigstens vier weitere Tage auf der falschen Seite fest. Minivan über die gerade von einem halben Meter dicken Baumstämmen befreite Bergstraße zurück nach Bulalacao. Am nächsten Morgen knapp fünf Stunden weiter mit dem jetzt sehr langsamen FastCat nach Caticlan.

Die Minivans dort versuchen wegen Kitegepäck den doppelten Fahrpreis zu schinden. Also knapp sechs Stunden mit dem bequemen Ceres Bus nach Iloilo. Montenegro Shipping zwei mal in zwei Tagen anrufen. Jedes mal bestätigen Sie daß die Fähre nach Cuyo planmäßig Samstag früh abfährt. Die Ticketbude am Hafen ist zu. Jeder sagt was anderes. Mir schwant übles.

Nach 36 Stunden in Iloilo stehen wir wieder am Hafen. Fähre? Osterhasi! Wieder sagt jeder was anderes. Nach zwei Stunden meint endlich ein Montenegro Matrose: „übermorgen“. Glaub ich ihm? Nein. Tipp für euch: nur das lokale Montenegro Office Iloilo +63 910 2855 130 kennt die echten Abfahrtszeiten. Angeblich. Das Haupt-Office auf der Homepage hat generell von tuten und blasen keine Ahnung. Milagrosa direkt daneben ist zuverlässiger und bietet tatsächlich eine weitere eineinhalb Tage später ablegende Fähre.

Reisetipps Philippinen: Reiseroute Ein guter Start sind immer Google Maps und Rome2Rio. Google Maps nutze ich nur für Orientierung und um erste Hotels zu finden. Nicht alle sind dort verzeichnet. Mehr findet man via Facebook und nachfragen. Auf die angegebenen Reisezeiten in Google Maps kann man in der Regel locker 50% aufschlagen. Im Großraum Manila wegen chronischem Stau und im Norden Luzons wegen schlechten Straßen sowie Unwetterschäden. Auf allen anderen Inseln einfach weil die Straßen bei weitem nicht das hergeben was Google für möglich erachtet.

Für die gut ausgebaute Strecke Puerto Princesa nach El Nido veranschlagt Google gut vier Stunden. Realistisch sind im schnellen Minivan fünfeinhalb Stunden, im Bus um die sieben bis acht Stunden. Rome2Rio kennt überraschend viele auch kleinere Fährverbindungen. Aktuelle Abfahrtszeiten sollte man IMMER im lokalen Betreiber-Büro vor Ort telefonisch erfragen. Für die Navigation unterwegs selbst rate ich die HEREmaps App runterzuladen. Danach die Karte Philippinen (aktuell 500MB) und die App dann in den offline Modus zuschalten. So weiss man auch im Funkloch immer wo man ist.

Reisetipps Philippinen: Bus oder Minivan? Busse halten auf den Philippinen generell überall, wo einer die Hand hebt. Sie brauchen daher in der Regel für die gleiche Strecke zwischen 20 und 40% länger. Busse bieten aber anders als die meist bis zum letzten Platz vollgestopften und teilweise übel rasenden Minivans deutlich mehr Platz und oft kippbare Rückenlehnen. Auch verlangt man selten extra Gebühren für Gepäck. Busse  sind etwas günstiger als Minivans. Einzig Nachteil: bei Bussen wurde einige Male von bewaffneten Überfällen berichtet. Generell sind die Philippinen aber sehr sicher und die Bewohner ehrenwert. Trotzdem: für solche Fälle trägt man immer einen Geldbeutel mit maximal 2.000 Pesos am Körper und versteckt das wirklich wichtige im Handgepäck oder Hotel. Für 5h Bus zahlt man in der Regel ca. 6€, für 5h Minivan um die 7 bis 9€. Nur an wenigen und zumeist hoffnungslos überlaufenen Plätzen (El Nido > Nacpan: 25 min Minivan 9€) brechen diese Preise ordentlich nach oben aus.

Reisetipps Philippinen: Inlandsflüge auf den Philippinen findet man am besten via skyscanner.de. Da in fast allen angebotenen Tarifen immer nur Handgepäck inclusive ist kommt man meist günstiger weg, wenn man auf Skyscanner nur die besten Preise sucht und dann direkt bei den Airlines wie z.B. Cebu Pacific oder AirAisia bucht. Flüge kosten i.d.R. zwischen 40 € (ab/nach Manila) und 150 € (entferntere Ziele).

20 kg Gepäck kosten aktuell ca. 8 €. Bei vielen Ticketportalen kann man entweder Gepäck gar nicht dazubuchen – oder zahlt deutlich mehr. Achtet genau auf die maximalen Größen und Gewichte, gerade bei Cebu Pacific wird sehr genau kontrolliert! Swift Air fliegt mit kleinen Turboprop Maschinen (und i.d.R. maximal 10kg Gepäck) entferntere kleine Ziele wie Coron, El Nido oder Cuyo an. Die Preise beginnen ab ca. 90 €.

Reisetipps Philippinen: Fähren sind mit weitem Abstand mein liebstes Reisemittel auf den Philippinen. Du lernst immer nette Locals kennen. Die Preise sind bis auf wenige Ausnahmen (Montenegro El Nido > Coron 36 €) sehr niedrig. Für eine fünfstündige Schifffahrt muss man mit ungefähr 10 € rechnen. 2GO und Starlines sind die größten Schiffe und in sehr gutem Zustand. Oft bieten sie gemütliche Liegekojen und ein einfaches Restaurant. Kleinere Schiffe oder auch die schnellen neuen FastCats haben nur Sitzplätze.

Einige entferntere Inseln wie z.B. Cuyo werden nur von wirklich alten Fähren wie Milagrosa oder Montenegro angelaufen – beide mir Liegen. Sie sind in deutlich schlechterem Zustand und beim ersten Besuch durchaus etwas gruselig. Ich mache mir wegen der Sicherheit trotzdem keine Sorgen, denn auch wenn gerade die Sulu See zwischen Palawan und Panay öfter mal schweren Seegang bietet: die Philippinische Hafenbehörde schließt zuverlässig alle Häfen wenn ein Taifun oder auch nur Zyklon naht. Auf der Sulu See rate ich jedem nicht 100% seefestem ein Mittel gegen Übelkeit mitzunehmen – je stärker desto besser. Rechtzeitig einnehmen!

Reisetipps Philippinen: Taxis findet man generell nur in größeren Städten ab ca. 30.000 Einwohnern. Meistens haben sie Taxamater und damit geregelte Fahrpreise. Achtet darauf, daß der Taxameter läuft – oder handelt vorher einen Preis aus! Am Ende der Fahrt wird sonst jeder Fahrer deutlich mehr verlangen.

Reisetipps Philippinen: Trikes In kleineren Städten und auf dem Land ist das Trike oft die einzige Wahl. Die Preise in Städten sind recht gut reguliert und hängen im Trike aus (i.d.R. 15 bis 30 Cent pro Kilometer und Person). Dann gibts auch wenig Abzocke. Hängt keine Preisliste aus, dann hat der Trikero i.d.R. auch keine Lizenz. Fahren kann man trotzdem mit ihm. Aber man sollte dringend vorher einen Local gefragt haben, was der richtige Preis ist – und den vor Fahrtbeginn bestätigen lassen.

Auf dem Land gibt es generell keine festen Preise, hier muss man immer andere fragen und dann handeln. Auch sind die Preisschwankungen hier deutlich höher. Mal nimmt dich ein Trike durch schweren Regen und Schlamm über 40 km Bergstraßen für um die 8 € mit. An anderen Orten fragen Trikeros gerne mal nach fünffach überteuerten Preisen.

Reisetipps Philippinen: Jeepneys Sind das langsamste aber kultigste Fortbewegungsmittel. Die in der MItte verlängerten alten Jeeps sterben leider langsam aus. Sie fahren feste Routen, sind meist voll beladen und kosten so gut wie nichts. Sollte man unbedingt mal gemacht haben! Auf kleinen Inseln kann man auch heute noch ab und zu auf dem Dach sitzen, in Städten generell nicht.

Reisetipps Philippinen: Hotels findet am am besten via Google Maps, Booking.com und Airbnb. Fast jedes akzeptiert auch eine telefonische Reservierung. Die Preise vor Ort sind in der Regel ca. 10 bis 30% unter denen von Booking – mit sehr wenigen umgekehrten Ausnahmen. Wenn sich eine Unterkunft als „einfach“ bezeichnet, dann ist sie das auch. Einfach bedeutet oft: Ventilator an Dusche und Klospülung aus dem Eimer. Bilder von etwas besseren Hotels weichen gerne mal ein gutes Stück vom echten Zimmer ab.

Reisetipps Philippinen: Reiseziele Mein wichtigster Punkt kommt zum Schluss. Die Philippinen sind mein absolut liebstes Reiseland von sicher 100 besuchten. Mit weitem Abstand sind die Philippinos die freundlichsten und aufrichtigsten Menschen der Welt. Aber wir Reisenden drohen genau das zumindest an einigen touristischen Hotspots (Boracay, El Nido) zu ruinieren.

Zuviele Menschen kommen an zu wenige und zumeist vollkommen überhypete Orte. Die Preise steigen drastisch. Die sonst so bescheidenen Einwohner werden dann sehr gierig und teilweise unverschämt. Wir versauen sie. Auch die Umwelt leidet unter zu vielen Reisenden an einem Ort. Rund um El Nido sind fast alle Korallen totgetrampelt. Als Duterte 2018 Boracay als eine Kloake bezeichnete konnte ich ihm einfach nur zustimmen.

Reisetipps Philippinen: Sucht eure eigenen Traumspots! Die Philippinen sind ein bisschen wie Neuseeland. Egal wo du hinschaust, hinter jedem Eck findest du neue wunderbare Sachen. Mal ist ein Plastikflaschen-Weihnachtsbaum vor einer kleinen armen Hütte. Mal ein einsamer Strand von dem noch nie einer hörte. Probiert es aus! Ja, finden kostet etwas mehr Zeit als wissen oder fragen. Aber es macht auch eure Reise viel wertvoller.

Reisetipps Philippinen: Wieviele Inseln? Die „echten“ Philippinen, das sind für mich die ruhigen und oft etwas abgelegeneren Orte. Die, an denen eben nicht alle einem Online-Rattenfänger hinterherlaufen. Sucht sie! Findet sie! Ihr helft dem Land, der Natur und habt mehr davon. Auch wenn ihr vielleicht nur zwei Wochen Urlaub habt: geniesst dieses wunderbare Land in Ruhe! Reduziert eure Ziele. Denn nur dann habt ihr die Philippinen wirklich erlebt.

jeepney
philippinen
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