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Taifun Tisoy / Kamuri über Mindoro

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#679
0412
2019
Mi
6:52
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Die PKA floh zurecht frühzeitig vor dem nächsten Taifun. Obwohl Taifun Tisoy/Kamuri zunächst deutlich geringere Windgeschwindigkeiten aufwies als unser letzter Taifun auf Palawan Anfang November wird er deutlich mehr Schäden hinterlassen. Sein Auge überquert gerade Nord-Mindoro mit Urgewalten.

Der Taifun Tisoy / Kamuri gewann noch einiges an Energie bevor er in den Ost-Philippinen bei Bicol mit Windspitzen um knapp 200 km/h Sonntag Nacht das Land erreichte. 70.000 Menschen wurden vor Ankunft des Taifuns evakuiert. Der Flughafen Manila sowie zahlreiche weitere werden für mehrere Tage komplett geschlossen und jeglich Schiffsverkehr eingestellt.

Auf Facebook stellen Leute, die beser niemals ihr Heimatklo hätten verlassen sollen reichlich dämliche Fragen Marke „Wie komme ich jetzt noch an welchen schönen Strand?“. Vor zwei Tagen begab ich mich extra noch auf die windabgewandte Westseite Mindoros. Aber selbst hier geht die Welt gerade unter.

Strom, Internet und Mobilfunk fallen komplett aus. Bäume brechen in Platzregen und Böen über 130 km/h zusammen. Leere Straßen stehen unter Wasser. Stromleitungen blitzen darüber. Wellblechplatten fliegen umher.

Schon gestern war klar, daß das einzige Boot in meiner Reiserichtung noch vor dem Taifun Tisoy auf Coron gestrandet ist. Die früheste Abfahrt von San Jose wäre in einer Woche. Ungefähr. Vielleicht. Ein Holländer witzelt „you always need a plan B here“. Aber mir gehen langsam die Buchstaben aus. Ich höre auf zu zählen, wie oft ich auf dieser Reise gestrandet und in Wolkenbrüchen abgesoffen bin.

San Jose generiert im Taifun einen feuchten „Mad Max“-Charme. Es ist eine arme große Stadt. Das einzig liebenswerte ist ein gigantischer Weihnachtsbaum aus einigen Tausend grünen „Mountain Dew“ Plastikflaschen. Aber selbst der macht mich ob des dafür erforderlichen überregionalen Zuckerschocks irgendwie traurig.

Deutlich weniger Philippinos als im Rest des Landes sprechen Englisch. Deutlich mehr betteln vor den Banken. Keiner hat von nichts eine Ahnung. Im besten Restaurant San Joses bekomme ich eine Karte. Dann warte ich eine halbe Stunde vergeblich darauf, dass sich eine der fünf Handy-tippenden Bedienungen ihrem Job widmet.

Der einzige Gast schleicht sich zum zweitbesten Restaurant. Es heisst McDonalds. Für zwei Tage bleibt es der einzige geöffnete Fressnapf. Vor den leckenden Fenster bersten Bäume im Taifun. Die Lautsprecher kredenzen hierzu „Wonderful Christmas Holiday“. Nur Mel Gibson im Dirndl könnte die Skurilität steigern – würde er am Tresen „Osterhasi“ rezitierend eine Runde kalte Apfeltaschen schmeissen.

Das Mindoro Plaza Hotel ist auch ohne Taifun das reinste Shining an Erbärmlichkeit. Der kleine Rasse-Welpe der Besitzerin bellt sich vollkommen verängstigt in einem zu kleinen Käfig vor dem Eingang die Seele aus dem Leib. Ich bin seit Tagen der einzige Gast in einem gruseligen dunklen – aber wegen Beton eben scheinbar sicheren – Bunker.

Seine falls jemals existenten besten Jahre liegen schon Äonen zurück. Meine verstopfte Dusche setzt das ganze Zimmer voll brüchiger Elektrokabel unter Wasser. Ich fliehe nackt auf den Gang. Ein Spaßvogel schreibt in dunkelroten Lettern „redrum“ an die Tür des Nachbarzimmers…

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