Der größte unabhängige deutsche Kitereisen-Blog - 270 Kitepots - 704 Reiseberichte.

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Todesangst im dritten Taifun

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#684
2912
2019
So
14:04
Tag
4587
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Ich habe viel gesehen. Ich habe viel erlebt. Heute überlebe ich einfach nur. Noch nie in meinem Leben hatte ich derartige Todesangst. Der dritte Taifun trifft Bulalacao am 25.12. mit voller Wucht und Sturmböen um 200 km/h. Das Dach unserer Notunterkunft wird teilweise weggerissen. The Day After. Ground Zero. Vollkommene Vernichtung.

Schon vor einigen Wochen witzelte mein Liverpooler Kiter Buddy King George mir würde in meinen zwei Monaten auf den Philippinen noch die Ehre eines dritten Taifuns erwiesen werden. Ungläubig studierte ich Windy bis kurz vor Fiji. Ich fand nichts. Vor ungefähr zwei Wochen formierte sich dann tatsächlich ein Zyklon. Erst war er Tropensturm, dann wurde er zum Taifun. Eingeschlagen ist er in Bulalacao mit Kategorie vier von fünf als der stärkste Taifun seit 50 Jahren. (mehr …)

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King Of Cuyo

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#681
1312
2019
Fr
15:37
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Der zweite Taifun kostet uns eine ganze Woche. Sonntag Abend läuft die Milagrosa endlich aus Iloilo aus. Jeder freut sich masslos. Zusammen mit einem Cuyo-Polizisten vom letzten Besuch leeren wir auf Deck einige Red Horse. Er bestätigt alle meine Vorurteile gegenüber Cuyo. Pro 24 Stunden Schicht haben bis zu sechs Polizisten bis zu sechs Vorkommnisse. Bis. Zu.

Die Roten Rösser sind der Treibstoff für meine Meisterprüfung in Seefestigkeit. Im Laufe der Nacht frischt der Wind auf bis zu 35 Knoten auf. Mit ihm kommt der heftigste Seegang meiner fünf Überquerungen der berüchtigten Sulu See. Die stabile Seitenlage wird reichlich instabil. Schlafen geht einzig – und wenig – auf dem Rücken. Abwärts summe ich Tom Petty, aufwärts Joe Cocker. Brecher von bis zu fünf Meter Höhe fliegen über den Bug und erschüttern den Rumpf der 40 m langen Milagrosa J5. (mehr …)

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Osterhasi! Reisetipps Philippinen

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#680
0712
2019
Sa
6:27
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Für die 150 km Luftlinie von Mindoro nach Cuyo brauche ich trotz reichlich Reiseerfahrung auf den Philippinen satte acht Tage. Nur vier davon sind dem Taifun geschuldet. Es stimmt schon, daß Cuyo schwerer zu erreichen ist als die Hotspots. Doch wenn ich auf Facebook lese, wieviele Ziele manche Reisende in welch kurzer Zeit abhaken wollen, dann kann ich nur eines raten: plant weise! [Reisetipps Philippinen]

Vier Tage sitze ich allein den Taifun Tisoy in San Jose aus. Die Fähre nach Coron hängt noch wenigstens vier weitere Tage auf der falschen Seite fest. Minivan über die gerade von einem halben Meter dicken Baumstämmen befreite Bergstraße zurück nach Bulalacao. Am nächsten Morgen knapp fünf Stunden weiter mit dem jetzt sehr langsamen FastCat nach Caticlan. (mehr …)

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Taifun Tisoy / Kamuri über Mindoro

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#679
0412
2019
Mi
6:52
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Die PKA floh zurecht frühzeitig vor dem nächsten Taifun. Obwohl Taifun Tisoy/Kamuri zunächst deutlich geringere Windgeschwindigkeiten aufwies als unser letzter Taifun auf Palawan Anfang November wird er deutlich mehr Schäden hinterlassen. Sein Auge überquert gerade Nord-Mindoro mit Urgewalten.

Der Taifun Tisoy / Kamuri gewann noch einiges an Energie bevor er in den Ost-Philippinen bei Bicol mit Windspitzen um knapp 200 km/h Sonntag Nacht das Land erreichte. 70.000 Menschen wurden vor Ankunft des Taifuns evakuiert. Der Flughafen Manila sowie zahlreiche weitere werden für mehrere Tage komplett geschlossen und jeglich Schiffsverkehr eingestellt. (mehr …)

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Odiongan, Tablas

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#677
2711
2019
Mi
8:03
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Nur vier Stunden und eine etwas verspätete 2Go Fähre weiter ist Tablas endlich wieder das was ich an den Philippinen liebe: Stille, Friede und einfaches reines Leben. Mein lokaler Kiter Buddy Cocoy holt mich direkt vom Hafen in Odiongan ab und bringt mich zum nahen Hiland Resort direkt am kitebaren Strand. Ich stromere durch Hahnenkämpfe und Nachtmarkt, schaue ein Basketballmatch an und feiere mit den Locals die Eröffnung des ersten Jollibee der Insel.

Die kleine internationale lokale Kitercommunity von Tablas schaut am nächsten Morgen vorbei. Nach 25 Tagen Reisen mit gerade einem kitebaren Tag freue ich mich unendlich über die milden 17 Knoten und 50 cm Ramps in der Bucht von Odiongan. Der Amihan kommt endlich in Gang. Bei Nordwind steht er voll onshore an. Dreht er auf Amihan-typische Richtung Nordost kommt er wegen der Berge im Hinterland bockiger an – dann weicht man besser an die Ostküste aus, z.B. ins Aglicay Beach Resort. (mehr …)

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Boracry

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#676
2211
2019
Fr
23:45
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Vor sieben Jahren machte Borawhy das Rennen als bester Insel-Spitzname zu Silvester. Heute gewinnt Boracry. Ich könnte heulen, wenn ich sehe, was wir dieser schönen kleinen Insel antun. Ich habe alle Hoffnung verloren, dass sich das noch jemals ändern lässt. Meine einzige Option nach sieben Besuchen: Bye bye Boracay! Bleibt bitte weg von dieser Insel!

Ja, Boracay ist wunderschön, der White Beach einmalig. Die Palmen tropisch, der Urwald im Norden dicht, das Wasser am Ilig-Iligan Beach ein kristallklares Aquarium voller bunter Fische. Die Auswahl an Restaurants und Bars ist gigantisch und der Wind am Bulabog in der Regel sehr gut zum Kiten. Das wars dann aber auch schon. Es gibt vieles was extrem im Argen liegt. (mehr …)

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Mindoros Stille

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#675
1811
2019
Mo
8:47
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Mangels Bus landen wir im gleich Menschenschinder-Minivan nach Bulalacao wie beim letzten Besuch, diesesmal allerdings mit „nur“ dezenten 14 Passagieren. Die Trikeros am Hafen versuchen sich erfolglos im Preisschinden. Es regnet wieder, und der Fahrer weigert sich vermutlich zurecht uns den steilen rutschigen Weg zu kitesurf-mindoro.com runterzufahren. Das schafft nur der Torwächter mit Motorrad, auf zwei Fuhren.

Der Bislig Beach war schon das letzte Mal mein liebster Kitespot der Philippinen. Kathrin hat in nur drei Jahren ein chilliges Camp mit Safarizelten, Bungalows und toller Fusion Küche aufgebaut. Da die Zelte noch nicht stehen bekommen wir ein Upgrade auf den Panorama-Bungalow in erster Strandreihe. Herzlichen Dank! (mehr …)

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Die Kinder von Cuyo

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#674
1511
2019
Fr
20:34
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Die erste post-Taifun Überfahrt von Puerto Princesa nach Cuyo ist überraschend mild. Der Captain der „Blessed Sea Journey“ ist ein echter Spatz: die Klimaanlage der Eisfach-Touristclass regelt er nach Anblick der in voller Wintermontur zitternden Freundin soweit herunter, dass bis zum nächsten Morgen vermutlich 17 Philippinos an Hitzschlag sterben. Milde Wellen schaukeln uns in den Schlaf.

Manche magischen Orte bringen dich bei der Abreisen zum heulen. Cuyo schafft das sogar bei der Anreise. Früh am nächsten Morgen grüßt mich die Wirtin von Nikis Pension  nach fast einem Jahr beim Namen. Alle Kinder winken. Jedes zweite will Steffis Locken befummeln und ein Beweisfoto von auf den Philippinen völlig unbekannter Lockenpracht schiessen. (mehr …)

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Stürmische Banka-Tour @ Port Barton

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#673
0911
2019
Sa
5:55
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Da uns der Taifun den weiteren Weg nach Coron versperrt fahren wir mit dem Minivan wieder dreineinhalb Stunden nach Süden. Kurz hinter Roxas steigen wir auf ein Trike um. Es bringt uns eine Stunde weit durch die Nebelschwaden-verhangenen Regenwald-Berge auf die Westseite Palawans in den kleinen Küstenort Port Barton. Irgendwann meint der Trikefahrer „Oh oh, the road is in bad condition.“. Ein Euphenismus par Excellence.

Die Straße ist am Ende eine einzige 15 cm tiefe Schlammpiste mit tiefen Furchen und großen Tümpeln. Unserer Fahrer rockt alle und bekommt einen dicken Tipp. Rein in die Unterkunft direkt am Strand und zu Fuss ein paar Minuten rüber ins „Zentrum“. Port Barton ist der erste Ort dieser Reise, der sich wirklich Philippinisch anfühlt. Bankas in der Bucht, nicht zuviel und nicht zu wenig Leute. Gute günstige Restaurants direkt unter den Palmen am gemütlichen Sandstrand bremsen uns gut runter. (mehr …)

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Taifun Slow Down @ Palawan

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#672
0711
2019
Do
13:09
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Die heftigsten drei Arbeitsmonate aus 20 Jahren Webdesign liegen 10.000 km hinter mir. Ebenso die allumfassende Pornobeschallung Marke Esoteriksauna Eching am Flughafen Kuwait. Nach 28 Stunden Anreise zerfliessen sogar die Gesprächsthemen des parmagackernden Terrortösen-Quartetts im fünfstündigen Speedvan von Puerto Princessa nach El Nido im Nichts.

Vor sieben Jahren steckten wir auf der mehr als eintägigen Reise in die andere Richtung mit dem Jeepney irgendwann in 40 cm tiefen Schlamm auf einer Dschungelpiste in den Bergen fest. Heute regieren Asphalt und darauf schlafende Hunde. Ich schaue aus dem Fenster durch den schweren Regen. Wasserbüffel grasen in Reisfeldern. Reiher geiern im Tag Team um sie herum nach aufgeschreckten Spekulatius. (mehr …)

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Roadtrip Slowenien

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#670
1907
2019
Fr
12:33
Tag
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Die Anreise zum Nationalpark Triglav führt über acht Stunden und kleine Landstraßen auf hohe Pässe bis zur Predil Festung aus dem ersten Weltkrieg an der Grenze zwischen Italien und Slowenien. Der See glänzt silbern in der Sonne zwischen den weissen julischen Alpen. Nach der Abfahrt landen wir im kleinen Camp von Toprafting. Bunte Reisende voller Geschichten aus aller Herren Länder feiern unter dem Dach im aufziehenden Wolkenbruch.

Gleich in der ersten Nacht leckt unser Zelt. Unter den dicken Regenwolken ist es bitter kalt. Nach dem gerade absolvierten Fehmarner Kältetrauma habe ich meinen Winterschlafsack reaktiviert – aber Steffi hat nur einen kleinen Sommerschlafsack. Gleich am ersten Morgen brechen wir mit einem guten Chilenischen Guide auf eine dreistündige Canyoning Tour auf. Der halbstündige Anmarsch zum Einstieg führt zunächst steil den Berg hinauf – und am Ende Steil in den Canyon hinab. (mehr …)

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Mindoro, Bislig Beach

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#668
0503
2019
Di
10:36
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Ich war super skeptisch vor meinem letzten Kitespot. So viel gute Berichte im Web findet man in der Regel nur wenn jemand massiv für Promo zahlt. Aber kitesuf-mindoro.com am Bislig Beach nahe Bulalacao ist wirklich das absolute Kiter-Paradies. Ich beschließe sofort meine ganze letzte Woche hier zu bleiben.

Die Unterkünfte in fünf Meter durchmessenden Safarizelten oder Bungalows am Strand ist ein Traum unter im Wind raschelnden Palmen. Die türkis strahlende 300 m breite Bucht am Bislig Beach weist genau Richtung Amihan und reicht gerade mal für 20 Kiter. Da das kleine Resort ohnehin auf weichen Tourismus und Nachhaltigkeit nebst Beteiligung des lokalen Magayan Stammes ausgerichtet wird es hier trotzdem nicht eng. (mehr …)

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Libagau & Nabagat

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#667
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2019
Fr
23:24
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15 Kiter fahren vom Camp Kitesurf Mindoro mit dem Minivan ins Dorf und nehmen eine Banka auf die eine Stunde vor Mindoro gelegene Insel Libagau. Die Gischt schwappt aus knackigem Seegang erfrischend über das Deck. Vor der Insel ziehen wir die Banka zu Fuss über einige Seeigel-Nester hinweg durch die Untiefen der heute niedrigen Ebbe richtung Strand. Seesterne leuchten RGB im kristallklaren Wasser.

Die Insel Libagau schaut aus wie das ultimative Kiter Paradies: türkises Wasser, weisser Strand, blauer Himmel, grüne Bäume. Der Wind bläst mit guten 18 bis 22 Knoten sideoff über den nicht ungefährlichen Spot. Bei Ebbe ist das Wasser in der recht kabbeligen Bucht hinter der Sandbank im Südwesten der Insel sehr niedrig. Es gibt einige Felsen und Seeigel. Auch am Strand liegen ein paar scharfe Korallenstücke. (mehr …)

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Overload

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#666
2602
2019
Di
23:37
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4281
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Ich habe selten einen Overload auf Reisen, fast nie das Gefühl dass es einfach zuviel ist. Heute habe ich meinen Meister gefunden. Den letzten nonstop Nachtbus ab Pagudpud verpasse ich für ein gutes Schnitzel. Die Konkurrenz holt den Bus bis Laoag wieder ein. Ich haste im Trike durch die Stadt und springe in der letzten Minute in den Nachtbus nach Manila.

Selbst vor fünf Uhr Morgens ist der Verkehr wieder absoluter Wahnsinn. Taxi zum nächsten Bus zwei Stunden runter nach Batangas, rauf auf den Speed Cat nach Mindoro. In Calapan gibt es nur noch Minivans. In meinen quetscht der Blockwart 18 Fahrgäste, vier auf jeder Bank und vor allem die letzte Bank – meine – hat zehn Zentimeter negative Beinfreiheit. (mehr …)

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Pagudpud

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#665
2402
2019
So
8:13
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4279
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Der windigste Spots Asiens liegt ganz im Nordwesten der Philippinischen Hauptinsel Luzon. Pagudpud ist wieder eine ganz andere Welt. Das Markos Regime schickte in den 70ern zahlreiche Menschen hier zur Devisenbeschaffung nach Hawaii. Heute sind sie ein gutes Stück reicher als der Rest der Philippinen. Die Häuser sind massiv gebaut, manche richtige Schlösser und vor vielen stehen recht dicke Autos.

Ich quartiere mich in einem günstigen Homestay ein. Meere aus grünen Reisfeldern erstrecken sich vom Dorf bis zu den hohen Bergen im Süden. Der Saud Beach ist so ziemlich der idyllischste Tropenstrand, den ich jemals sah. Zum Amihan liegt er leider voll in der Windabdeckung der Küstenlinie. (mehr …)

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Lustiges aus einem sauberen Land

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#664
2002
2019
Mi
9:15
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Früh morgens sitzen Phlippinos wie hypnotisiert im Wartesaal der Fähre nach Batangas vor den blutigen Nachrichten im Fernsehen. Hier haben nur gute Menschen farbige Gesichter. Die Gesichter der Gewaltverbrecher werden entfärbt. Es wirkt wie eine dieser schwarzweissen Kunstfotografien aus den frühen Neunzigern mit einem einzigen farbigen Element – nur umgedreht.

Je blutiger die Nachrichten sind, desto ruhiger werden die Philippinos. Du spürst förmlich ihren Puls. Jede Blutlache bringt minus zehn BPM. Vorschulkinder kichern begeistert zu brutalsten Zombie-Metzlern aus komfortablen Kojen der elf Stunden dauernden Starlines Fähre. Zwei Tage lang bin ich mit Schiffen, Bussen, Minivans und Trikes auf dem Weg in das stärkste Windgebiet Asiens am abgelegenen Nordzipfel der Philippinen. (mehr …)

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PKA Kite Championship Lakawon

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#663
1702
2019
So
23:47
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Lakawon hatte ich schon zuhause auf meine Spotliste gesetzt. Ein recht luxuriöses Resort belegt eine kleine Paradiesinsel voller Palmen umgeben von türkisem Flachwasser. Mit der Banka geht es von Sicogon nach Estancia, mit dem Minivan nach Concepción und dann mit zwei weiteren großen Bankas zwei Stunden rüber ins nächste Kiter-Paradies fünf Kilometer nördlich von Negros.

Die nächsten vier Tage finden hier die Philippinischen Kitesurf-Meisterschaften in Airstyle, Hangtime und Race statt. Mehr als 50 Kiter aus aller Herren Länder kämpfen um den Thron. Das eigentlich verbotene Importbier und etliche Flaschen Rum werden professionell mit dem Traktor auf die Zimmer verteilt. Der Phillippinische Howard Hughes schmeisst eine lustige Runde „Wer hat Angst vor Duterte?“ nach der anderen. (mehr …)

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PKA @ Sicogon

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#662
1302
2019
Mi
4:58
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Vor einigen Wochen schlugen mir die guten Leute von Hangin Kite auf Boracay vor, die Philippinische Kitesurf-Meisterschaft auf Sicogon zu besuchen. Dank gerade mal acht Stunden Verspätung der Fähre von Cuyo zurück nach Antique geht der Plan auf. Mit einem Spanischen Lehrer und einer Hamburger Wettkampfteilnehmerin rase ich im Speedvan zweieinhalb Stunden von Iloilo nach Estancia.

Am nächsten Nachmittag geht es mit einer Banka voller Wettkämpfer eine dreiviertel Stunde rüber nach Sicogon. Austragungsort ist das noble Huni Resort. Der Infinity Poll fliesst direkt in den endlosen weissblauen Horizont über dem Spot. Dank Zimmern jenseits der 100 € Grenze quartieren wir uns im etwas günstigeren Balay Kogon ein. Der Pfad dorthin ist momentan noch so schmal, daß dich nur Motorräder über zwei Kilometer dorthin bringen können. (mehr …)

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Cuyohuuuuu!

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#661
0602
2019
Mi
16:51
Tag
4261
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Manchmal erscheint es, als ob Ziele umso wertvoller würden, je schwerer sie zu erreichen sind. Cuyo gehört voll in diese Kategorie. Gerade mal 100 km Luftlinie von meinem zweiten Kitespot Malalison entfernt in der Palawan See gelegen dauert die Anreise nette 27 Stunden. Banka aufs Festland, Trike, sechs Stunden Backfisch-Bus ohne Klima durch zahlreiche von der letzten Regenzeit noch nicht behobene Bergrutsche hinter San Jose nach Iloilo.

Da niemand zuverlässig sagen konnte, wann die Fähre nach Cuyo ausläuft komme ich vorsichtshalber sechs Stunden früher an. Sie läuft fast pünktlich aus und kommt dank genug Farbe auf 40 Jahre altem Stahl auch durch drei Meter Seegang nach 14 Stunden in einem Stück auf Cuyo an. Gemessen an den 29 Stunden Seekrankheit durch einen Sturm zweier Schweden für den eigentlich acht Stunden dauernden Trip von der anderen Seite aus war mein Schiff das reinste Speedboat. (mehr …)

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Malalison

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#660
3001
2019
Mi
9:27
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Nach neun Tagen hab ich genug vom überlaufenen Chinesen-Malle Boracay. Die Magie der Philippinen liegt ganz woanders. Durch im Wind wogende grüne Reisfeld-Meere und am Straßenrand trocknende Ernte geht es mit dem Bus zwei Stunden nach Süden. In Culasi nehme ich eine Banka auf die nahe der Küste Antiques gelegen kleine Fischerinsel Malalison.

Die Satellitenbilder versprachen Welle vor und Flachwasser hinter einer kleinen Sandbank direkt vor meiner Nipa Hütte am Strand. Der Rezeptionist meiner Unterkunft Casa Preta lieferte mir über Tage via Facebook gute Infos.    Bei der Ankunft entpuppt er sich dazu als der anscheinend auf den Philippinen gesetzlich vorgeschriebene warme Pol der Dorfgemeinschaft. (mehr …)

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Re:racay oder Borawhy?

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#659
2701
2019
So
2:16
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4251
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Boracay ist seit meinem letzten Besuch vor sieben Jahren kaum wiederzuerkennen. Das einzige was bleibt ist die Dichte der Bebauung und der Menschenmassen – obwohl ca. 25% aller Gebäude als illegal deklariert und abgerissen wurden. Boracay hat gerade mal drei Monate nach der Wiedereröffnung noch bei weitem nicht die Buchungszahlen von zuvor erreicht.

Als der Philippinische Präsident Duterte Boracay 2018 besuchte nannte er die Insel eine „Kloake“. Damit lag er gar nicht so falsch. 2012 kiteten wir am Bulabog nach jedem mittleren Regenguss Slalom zwischen schwimmender Kacke und Kondomen. Weite Teile der Insel rochen wie Misthaufen. Mit der halbjährigen Komplettsperrung und Generalsanierung ist zumindest das heute passé. (mehr …)

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Eine Nacht in Manila

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#658
2001
2019
So
2:52
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Die Sonne geht hinter dem Wolkenmeer über China auf. Darunter kriecht der Smog zäh durch Wolkenkratzer-Schluchten eines Landes, das ich weder sehen will noch kann. Die Flughäfen in Changsha und Guangzhou schreien in Sätzen aus kilometerweiter Fußmärsche und einer unglaublichen Anzahl an Kontrollen, Stempeln durch leeren Riesenhallen Chinas Größe in die Welt. Seine Mundschutz-Hipster atmen schwer gefilterte Luft durch ihre Beats Kopfhörer. Bei den Hosen reichte ihr Geld nur noch dreiviertel.

Touchdown in Manila nach 26 Stunden on the road. Durch Staub und volle Straßen mit dem Taxi gen Moonwalk und rein in den Trubel. Nichts hat sich geändert seit meinem letzten Besuch vor sieben Jahren? Von korrupten Polizisten würde ich Dank Duterte nicht mehr abgezockt werden – doch einmal mit dem Auto durch den 13-millionenfachen Wahnsinn von Manila zu fahren reicht eh für sieben Leben. (mehr …)

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Al Andalus

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#655
2008
2018
Mo
11:48
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Die guten Reisefreunde sind schon längst wieder zuhause. Dankbarkeit öffnet die Augen. Magie ist nicht planbar. Sie passiert. Nach fünf Stunden komme ich in Almeria an. Checkin in einer stockfinsteren klimatisierten Hochhauswohnung hinter drei verschlossenen Türen pro Laufmeter Flur. Es duftet nach Räucherstäbchen, und schon bei der zweiten Kontaktaufnahme findet der dichte Hausherr kaum seine Hosen hinter der Tür.

Ab an den ersten Strand, Costacabana, eine grausame Urbanizacion im Nichts vor dem Flughafen. Der Wind passt. Die einzige Familie am Strand hilft beim Starten. Drei junge Töchter kommentieren jeden noch so kleinen Sprung mit euphorischem Jubel. Er verstärkt sich, als ich jede am Kite einzeln durchs Wasser ziehe. Auch der Papa mit riesen Zahnlücke will zuletzt mit. Alle Töchter wollen ein Autogramm, mit Herzerl, „meiner besten Freundin“, auf einen Stein, und an der Küste zieht die Wärme abgelegener Philippinischer Inseln vorüber. (mehr …)

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Oh Europe, Where Art Thou?

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#653
1208
2018
So
6:12
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Eine Dachterrasse in Lissabon. Halb sechs Uhr morgens. Ich sollte schlafen. Doch vor einem Monat habe ich mich wohl in Frankreich unter ein Nest von Prozessionsspinner-Raupen gesetzt. Jetzt juckt der ganze Körper wieder höllisch. Also kratze ich. Bis auf’s Blut. Auf einmal kommt mir der politische Kommentar eines dieser Facebook-Freunde, die man eigentlich gar nicht kennt so vor, als hätten wir Deutschen uns kollektiv um 1928 in ein Nest gesetzt. Wir kratzen immernoch. Also schreibe ich.

Ich bin Autist. Ich bin Reisender. Das was ihr Heimat nennt ist für mich meistens nur ein Ort, an dem mich in meiner eigenen Sprache kaum einer versteht – sollte es überhaupt etwas geben, über das wir zusammen sprechen wollten. Ich polarisiere, verschrecke, und manchmal schaffe ich es sogar Frauen über 3.500 km mit einem mir selbst unbegreiflichen magischen Spruch wegzuzaubern. Auf Reisen spricht jeder eine andere Sprache. Nicht verstanden zu werden ist hier Alltag für jeden. Reisen ist meine einzige Heimat. (mehr …)

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km 16.371: Buenos Aires / Going Home

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#647
2401
2018
Mi
16:23
Tag
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Nach drei Monaten mit mehr als 16.000 km über Land und Wasser geht meine bisher größte Reise in Tango Town Buenos Aires zu Ende. Ich ziehe ein letztes Mal zu Fuss viele Kilometer weit in abgelegene Gebiete. Am Rande von La Boca wirkt die dritte Anwohner-Warnung, ich möge doch bitte meine Spiegelreflex verstecken. Die Straßen sind verbarrikadiert und die Gestalten lassen tatsächlich das erste mal seit Jahren meine Alarmglocken bimmeln.

Buenos Aires überrascht mich mit der breitesten Allee der Welt, tausend Statuen, großen Parks voller Kautschuk-Bäume und einer wunderbar quirligen Mischung aus aller Herren Länder. Die Mansarden-Paläste versetzen dich ins Paris des frühen 19. Jahrhunderts, die entgegen dem Verkehr linksläufige U-Bahn nach London. In drei Tagen steige ich nur ein einziges mal in die richtige Richtung ein. (mehr …)

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