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Kitespot My Hoa Lagoon, Phan Rang

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2024
Sa
13:34
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Die mehr als zweitätige Anreise nach Phan Rang war hart. Meine erste Unterkunft ist Vietnam Surf Camping ganz im Süden der Lagune. Die kleine Yurte am Strand ist einfach aber günstig. Am ersten Tag baue ich erst mal nur das Split zusammen und lasse von der Phi Kite School eine gerissene Bindung reparieren. Der Wind ballert mit bis zu 32 Knoten über den ca. 1500 mal 300m breiten Stehbereich. Von den fünf Kiteschulen aus sind bis zu 100 Fahrer am Wasser. Eng wird es selten.

Dass die Lagune von My Hoa / Phang Rang ab und an trocken liegt wusste ich. Morgens oder Nachmittags kiten: ich bin da flexibel. Aber es gibt hier meistens nur eine Flut am Tag. Das wusste ich nicht. Bei Ebbe ist das Wasser entweder auf den ersten 300m komplett weg oder viel zu niedrig für halbwegs sicheres Starkwind-Kiten. Sand und überall recht scharfe Felsen / Korallen wechseln sich engräumig ab. Eine größere sichere Landezone nur mit Sand gibt es nicht.

Ungefähr ab 50 Meter vor dem kleinen leuchtenlosen Leuchtturm im Süden wird das Wasser auch bei Flut mit durchschnittlich 30cm extrem niedrig und  der Untergrund gefährlicher. Kleine Kickerwellen laufen hier in gut nutzbaren Abständen rein. Ein paar der ersten Sprünge über sechs Metern versemmel ich hier. Meine Crahstechnik ist gut, flach wie ein Brett auf den Rücken. Der Kite trug noch. Trotzdem schlage ich bei jedem zweiten Crash bis auf die Steine am Grund durch. Sie sind scharf. Der Rücken hat schnell ein paar Kratzer.

Kurz hinter dem Leuchtturm wird das Wasser endlich tiefer, bei Flut im Schnitt ca. ein Meter. Aber die Wellen vor den großen Riffwellen laufen hier recht kabbelig und in engen Abständen rein. Man kann sie selten nutzen. Für wirklich gute Absprunggeschwindigkeit ist ihr Abstand fast immer zu gering.

100 m hinter dem Leuchtturm brechen dann die wirklich großen Wellen am äußeren Riff. An meinen ersten beiden Tagen waschen sie mich mehrfach mit meinen 7er und 10er. Gerade wenn sie sich mal auf zweieinhalb Meter Höhe eingeschossen haben, scheinen sie besonders eng zu laufen. Wenn Dich eine Welle erwischt wirst Du mindestens von ein bis zwei weiteren sauber gewaschen. Wenn Du wie ich das Brett bei Landung direkt vor so einem Monster verlierst können es durchaus mal fün bis zehn Wellen Waschgang werden. Das einzig gute: keine drückt mich je runter bis aufs Riff.

Am ersten Tag gehe ich zum eingrooven mit meinem 13 Jahre alten Core XR in 7m² raus. Die Sprünge gehen fast schon ungewollt auf 6,5m rauf. Tags ballert der Wind gut rund um meinem 10er Sweetspot bei ca. 27 Knoten. Die Sprünge vor dem äußeren Riff gehen jetzt gleich auf knapp 10m rauf. Der Asiatische Big Air Rekord aus Januar 2023 wurde genau  hier aufgestellt. Wenn ich mich recht entsinne schoss sich ein Local auf knapp 34m hoch.

In den Tagen darauf geht der Wind etwas runter – aber nie unter 18 Knoten. Schon vor Anreise rieten mir lokale Kiter den 12er daheim zu lassen. Ich fahre ihn, an einem der wenigen möglichen Tage mit unter 24 Knoten. Die Locals in meinem Camp nutzten letzte Saison einen 12er gerade zweimal. Ich treffe  liebe Freunde  von  Kitereisen vor langen Zeiten.

Eine schwere Fischvergiftung schickt mich satte fünf Tage auf die Matte. Erst nach mehreren Infusionen und massig Pillen geht es langsam wieder besser. Aber in der ersten Session danach bin ich den drei-Meter Monsterwellen definitiv nicht gewachsen. Sie fressen mich, immer und immer wieder. Auch die Tage darauf zittere ich mehr als ich fahre. Die Woo misst ständig Sprünge, die keine sind. Es waren einfach nur massig große, schnelle Wellen. Im November, wenn nordöstlich Sturmtiefs durchziehen, können sich die Wellen hier durchaus mal auf sechs und mehr Meter aufschaukeln.

Ich bin ziemlich down. Müde. Lustlos. Absolviere mit Müh und Not meine eine Stunde Kiten am Tag. Aber verliere schnell und erstmals in 25 Jahren die Lust zu kiten. Was kommt nach einem ganzen Leben Kiten? Ich habe keine Ahnung. Und Angst davor. In meinen bisher zwei Wochen hier habe ich viele schlimme Unfälle gesehen. Kein anderer schrieb davon, wie  gefährlich der  Spot in Phan Rang ist. Nicht nur wegen den starken Winden von gerne mal bis zu 45 Knoten. Der Untergrund schaut rtdz mal harmlos aus. Ist es aber nicht. Egal wo es dich schmeisst: weh tut es immer.

Gerade heute wollte ich endlich mal wieder gut boosten. Dem alten 7er traue ich nicht mehr. Also mit dem 10er bei guten 28-33 Knoten raus auf die heute mal nur eineinhalb Meter große Riffwelle. Gleich die zweite Ramp gibt mir eine ungewollte Rotation mit. Ich verreiße den Kite in über sechs Metern Höhe in die Powerzone und überlebe einen heftigen Einschlag auf die Seite. Der Kite invertiert. Ich löse aus und starte mit der Selbstrettung. Nach 100m permanentem Schleudergang in den Wellen nimmt mir ein lieber Kiter das Brett ab und bringt es zum Strand. Noch etwas später ein zweiter Instruktor den Kite. Danke, liebe Leute!

Der Marsch zurück zum ca. 250m entfernten Strand ist grausam. Ohne Schuhe zieh ich mir in den zahlreichen scharfen Korallen und Bruchstücken noch einige Schnitte zu. Ich verstehe, warum die Locals praktisch alles stehen. Stürzen ist in Phan Rang nie und nirgends eine Option. Nach einem kurzen Einrenken der Rippen gehe ich nochmal raus. Aber mit zwei Kilo Schiss in der Boardshort reiss ich einfach nix mehr…

My Hoa / Phan Rang Pro:

  • Hier blasen mit die stärksten und verlässlichsten Winde der Welt. Brasilien kann in Ausbeute, aber nicht in Stärke mithalten. Kapstadt kommt auf die gleichen Spitzen, aber hat definitiv deutlich mehr Flauten / Schwachwindtage. https://www.windguru.cz/478733 Icon 13 stimmte in meinem bisher zwei Wochen hier am besten.
  • Riesiger Stehbereich von ca. 1500 mal 300m. Stehen solle man trotzdem nirgends.
  • Eine Handvoll Restaurants und Bars direkt am Strand
  • Gute Auswahl and Unterkünften aller Klassen von 10 bis 40 € pro Person und Nacht
  • Sehr freundliche und hilfsbereite Mitkiter – kein Vergleich zur Kriegszone in Mui Ne
  • Massive Welle von bis zu drei Metern am äusseren Riff

My Hoa / Phan Rang Contra:

  • Bei Ebbe ist das Wasser oft komplett weg. Gezeiten vor Plaung checken ist vor der Urlaubsplanung ratsam: https://www.tide-forecast.com/locations/Phan-Rang-Thap-Cham/tides/latest. Es gibt meistens nur eine Flut am Tag – liegt sie in der Nacht geht mal eine Woche lang gar nichts.
  • Der gesamte stehtiefe Bereich ist durchsetzt von Sand und Felsen. Wirklich sicheres Crashen ist NIRGENDS  gegeben. Ein paar Felsen und Abwasserrohre schauen auch weiter raus.
  • Der Wind kann mit bis zu 45 Knoten wirklich extrem stark und auch bockig werden. Durchschnitt im Januar und Februar liegt bei satten 25 Knoten Grundwind. Das überfordert viele Anfänger.
  • My Hoa ist ein kleines Dorf. Für Nachtleben oder größere Shopping Trips muss man 15km nach Phan Rang
  • Internet gibts in allen Hotels umsonst, aber der Speed liegt in der Regel nie über 80kbit = 100kb / s. Achtung! Nicht Mbit! Eine eigene Simcard mit dem besten Provier Viettel oder Mobitel bringts auf bis zu 80 Mbit.
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2 Kommentare

  • Marco schreibt am Sonntag, 4.2.2024 um 8:30 Uhr:

    wies aussieht haben wir uns verpasst

    war auch in Phan Rang

  • Wilko schreibt am Samstag, 17.2.2024 um 19:38 Uhr:

    Cooler Bericht 😎🤙🏼 es sollte für mich wohl nicht sein. 🙏🏻

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