Am dritten Tag brauch ich den Roller endlich mal nicht nur, um mehr Geld abzuheben. Ich fahre in den Norden der Insel. Sansibar ist hier richtig tropisch grün. Mir fällt auf, wie sehr mich die eintönig flache Waldlosigkeit in Paje bedrückte. Der Weg führt durch Zuckerrohrfelder und Gewürzplantagen im dampfenden Dschungel. Eine Gewürzfarm-Führung mit Verkostung von frischem Ingwer, Zimt, Muskat, Pfeffer, Nelken, Maracuja, Sternfrucht und Vanille heitert mich weiter auf.
Die Sansibaris im Norden wirken glücklicher als die im trockenen Armenhaus Südsansibars. Schlumpfige Schulkinder in blauweissen Uniformen wandern über die Straßen ärmlichster Dörfer. In einem knalle ich mit 80 km/h auf einen leicht zu übersehenden hohen Bremshügel. Den Abflug kann ich vermeiden. Einen weiteren Platten fünf Kilometer weiter im tiefsten Urwald nicht. (mehr …)
…einfach mal Geld abheben
Sansibar ist fast wie eine Weltreise vor 100 Jahren. Ich lasse das Meeresrauschen vor meiner Strandhütte den Tinitus verprügeln und ergebe mich den Gegebenheiten. Davon gibt es sehr wenig, in jeder Beziehung. Seit drei Tagen bin ich komplett offline, der Wind genauso. Die Zeit will genutzt werden. Ich miete einen Roller.
Die Ausgabe nebst dank Bestechung blanko vorbereiteter lokaler Fahrerlaubnis vollstreckt sich in der Geschwindigkeit eines von der Nasenspitze fallenden Schweröl-Schweißtropfens. Nach zweieinhalb Stunden breche ich auf. Der Arsch der Welt befindet sich gerade mal 15 km hinter Paje. Tiefstes zentralafrikanisches Hinterbuschland. (mehr …)
Der Sansibar Blues
Ich sitz morgens im Schatten und blas nach oben Richtung Brille. Das ist das einzige, was gegen permanentes Beschlagen nach einem heftigen Gewittersturm in der Nacht zuvor hilft. 34°, 95% Luftfeuchte, Windstille. Positiv: Die Sansibarischen Moskitos sind alle Nichtschwimmer, und schwimmen ist das einzige was in dieser Luft geht.
Das Dach meiner Palmblatthütte in der Demani Lodge hat ein Leck. Zum Glück genau über meinem Kopf. Spart die Morgendusche, und selbige ist nicht immer verfügbar. Nach einer halben Stunde bin ich zwar sauber – weiterschlafen geht so aber leider auch nicht. Das Bett zerfällt beim Wegschieben. Der Zusammenbau in der Dunkelheit des Stromausfalls gestaltet sich dermassen anstrengend, daß ich erst nach insgesamt 14h wieder aufwache. (mehr …)
Von Milchmädchen & Schokoburschen
Am Strand von Santa Maria entlangschlendernd zähle ich jetzt schon das 57. Milchmädchen/Schokoburschen-Pärchen des Tages. Es gibt hier deutlich mehr Kinderschokolade-Paarungen als Single Malt. Weisse Fickinger sind kaum zu finden. Die schwarzen Burschen sind knackig, die weissen Mädels willig, und die Hormone laufen Amok.
Als weisser Mann bist du hier ungefähr so sexy wie ein pissgelber Grottenolm mit Rückenpelz, so gefragt wie Krätze als Brotaufstrich zum Frühstück, so beliebt wie wie ein Ofen-sprengender Mitbewohner auf Meth – und stehst auf der Liste der bedrohten Arten sowieso ganz oben. Genau so müssen sich die Dinosaurier nach dem Kometeneinschlag gefühlt haben. (mehr …)
Morning Session
Santa Maria schläft um sechs Uhr morgens. Die Nacht davor in der Reggae Rooftop Bar war mal wieder blutig. Windfinder gab 16 bis 18 Knoten für fünf bis acht Uhr. Bei bisher drei guten Kite-Tagen binnen zwei Wochen ist klar was zu tun ist: mit vier Stunden Schlaf schlendere ich sauber restalkoholisiert durch die dunklen Strassen und suche das erste wache Taxi.
Im Licht der Scheinwerfer zum Mitu Kitebeach strahlt das Salz der Salinen hell auf. Am Strand bin ich ganz allein. Die orange-schwarz gestreifte Tiger-Dogge knutscht verschlafen mit einer Glückskatze. Ein kleiner Schwarm Strandläufer spielt fangen mit den Wellen. Weisse Sanddühnen strahlen golden in der hinter Wolken über Afrika aufgehenden Sonne. Darüber schaut der Mond den Wellen zu. An manchen Tagen ist Kiten Religion. (mehr …)
Drachentöter / Banderl-Träger
Seit dem letzten Besuch in Ägypten hat sich einiges geändert. In meinem Lieblingshotel gibt’s jetzt Handschellen. Noch an der Rezeption werden unsere Hände mit einem roten Plastikband dekoriert. Bei knapp 30° ist dieses Depperlband unversteckbar. Weisse Haut alleine reicht nicht. Sollte das die Rache für die gelben Sterne unserer Großväter sein?
„Na und?“ denkt der eine. Für mich ist das eine Katastrophe. Ich bin jetzt als Reise-Gockel – nicht bio – gebrandmarkt. Und zwar aus dem Grand Resort. Wo man ohne Depperlband einstmals gute Aussichten beim Handeln hatte, verfügt jetzt jeder Taxifahrer über das ultimative K.O.-Argument: 5-Sterne-Gockel sind zum rupfen da. Egal wie günstig das Hotel gerade ist. (mehr …)
Salam Marokko!
Marokko hat sich seit meinem letzten Besuch vor 15 Jahren um einiges geändert. Es ist jetzt noch jünger. An manchen Orten und zu bestimmten Zeiten hört man Bollywood-Techno genauso laut wie das „Allah u akbar“ von den Spitzen der Minarette. Welten verschmelzen. Das letzte Mal waren noch alle Frauen verschleiert. Jetzt nicht mehr, vor allem die jungen sind zum Teil schon fast aufgebretzelt wie Kölner Türkinnen Samstag Nacht.
Hammelkeulen hängen in der Sonne. Tausend Gewürzsäcke leuchten am Straßenrand. Hausfrauen handeln den besten Preis für Nana-Minze aus. Bettler sitzen vor dem Eingang der Moschee. Essaouira ist wie eine Zeitmaschine. Unglaublich alt, neu, stinkend und duftend, eng und weitläufig. Mittelalter-Marktplatz im hier und jetzt. (mehr …)
Endlich! Kitesurfen in Essaouira
Nach neun Tagen Warten kommt endlich der Wind in Essaouira an. Noch nie hab ich irgendwo solange auf Wind gewartet. Er kommt mächtig. Morgens noch gemütliche 12, Nachmittags mit 15 bis 24 Knoten, Böen gut drüber. Alles was ich gelesen hat simmt: Der Wind ist ordentlich bockig. Nicht so schlimm wie bayerische Seen, aber recht ungemütlich.
Die Dromedare stehen am Strand. Ab und zu knallt der Kite eines Schülers zwischen sie rein. Schulung sollte hier eigentlich verboten sein. Recht heftige Wellen, heute nur ein Meter, aber davon viele. Der Wind schwankt im fünf-Sekunden Takt leicht um 400%. Bei solchen Bedingungen sorgen Kiteschulen nur für bleibende Erlebnisse der dritten Art. Sobald der Bodydrag mehrheitlich in der Luft stattfindet gibt er wenig Sicherheit. (mehr …)
Gorges du Dadès
Harter Tag, wieder eine weite Strecke. Erster Stopp: Agdz. Eine große Gruppe junger Marokkaner demonstriert lautstark gegen die Lebensmittelverteuerung. Nachdem die armen Amis keine Lust mehr haben, in Edelmetalle, Gold und Uran zu spekulieren, versauen sie jetzt auch noch den ärmsten der Armen das Leben mit ihrer Gier. Ich hoffe, es wird eines Tages zurückschlagen.
Auf dem Weg nach Ouarzazate gibt es einen Wasserfall. Das Schild zu den Cacades de Tizguin finde ich schnell, die Piste ist grober Schotter durch vulkanischen Fels. Dann geht es durch große Löcher und gröberen Schotter. Einige tiefe Überspülungen, mit 30% abfallende enge Serpentinen in ein enges Tal. Unten bin ich zum ersten Mal seit langem soweit, mir einzugestehen, daß das vielleicht zu viel war. (mehr …)
Sandsturm in der Sahara
Motorhead spielen nicht direkt nach Marianne und Michael. Genauso wenig geht das letzte Grün vor der Sahara direkt in reine Sanddünen über. Nach dem Grün kommt die Steinwüste. In ihr verteilen sich erste Inseln aus Sand. Die letzten Flüsse laufen im Nichts aus. Noch zwei Bergrücken, dann sehe ich in der Ferne nur noch flimmernde Sanddünen. 52 Tage bis Timbuktu.
Auch das davor gehört für die Touareg schon zur Sahara. Große Kasbahs verkunden alte Karawanengeschichte. Die Temperatur steigt auf knappe 40 Grad. Das ist recht wenig, erklärt mir eine Teerunde im Schatten einer Kasbah. Schon bald wird es hier bis zu 55 Grad heiss. Alle halbe Stunde kommt ein Auto vorbei, fast nur Jeeps, kaum Touristen. (mehr …)
Der Touareg
Fünf Tage Dauerflaute sind mehr als ein Kitesurfer ertragen muss. Ich miete ein Auto und breche noch vor Morgengrauen auf. Die Straße nach Marrakech führt von diesigem Mad Max über Toskana ohne Zypressen in die grüne Kornkammer vor dem hohen Atlas. Wegen des Bombenanschlages in Marrakech sind die Polizeikontrollen dezeit ähnlich dicht wie im goldenen Dreieck – nur die Bewaffnung ist etwas dezenter.
Nach nur einer Stunde Fahrt erlegt mich ein Polizist mit der Laserpistole. 20km/h zu schnell. Mein deutscher Führerschein rettet mich wie schon in den USA vor Strafe. Wir haben anscheinend weltweit Narrenfreiheit wenn’s ums rasen geht. Wenig später folgt mir die Polizei mit Blaulicht, und diesmal wird mein Magen unruhig. Sie überholen. Umsonst. (mehr …)
Eine Woche Flaute
Für Kiter ist nichts schlimmer als Flaute. Alle werden miesmutig, manche kriegen Krätze. Eine zu bemitleidende radikale Splittergruppe schlägt Wellenreitern die Schädel ein. Ich bastel Pläne, in die Sahara zu fahren. 750km oneway, Autos gibt’s grad nur von lokalen Vermietern und teuer. Nach einer abgebrochenen Kofferraumklappe bei meinem letzten Aufenthalt vor 15 Jahren ist mein Vertrauen allerdings etwas angekratzt.
Ich fühl mich wie in einem Buch von Garcia Marquez. Welches genau hab ich vergessen. Es ist heiss und schwül. Bei den allabendlichen Gelagen in der Piratenhöhle beschlagen meine Brillengläser, wenn’s draußen regnet. Mein sechser-Hamsterkäfig wurde umgebaut zur Käfighaltung, bin jetzt alleine drin. Ich warte arbeitend auf den hoffentlich in sechs Tagen ankommenden Höllenwind. (mehr …)
Essaouira
Essaouira ist ein alter Portugiesischer Handelsstützpunkt. Wolken drücken die Schwüle nach unten, verstärkt durch die komplette Abwesenheit von Wind. Wer sagt, die wichtigste Ingredienz von 1001 Nacht seien Helden, ist ein Bulimiker. Das einzig wichtige sind Gestank und Himmelsdüfte. Am Morgen wache ich in einem fensterlosen 12m² Sechsbettzimmer auf. Bei der Rückkehr vom Bad erblasse ich vor Neid: So werde ich niemals alleine stinken können.
Die Dachterrasse im vierten Stock gibt den Blick frei auf hunderte Innenhofhäuser. Aussen und vor allem oben recht kaputt, aber innen weiss getüncht. Katzen liegen auf Müllhaufen. Die Medina ist ein unglaubliches Labyrinth. An 202 gezählten Ecken finde ich zwei rechte Winkel. Offener Gulli, tödlicher Gestank. Am nächsten Eck Nana-Minze, dann Fischmarkt und Gewürzberge. (mehr …)
Reisen und Rauchen
Es gibt Dinge, die gehen einfach gar nicht zusammen: George Bush und Intelligenztests. Dieter Bohlen und Groove. Helden in Strumpfhosen. Meer und Flaute. Andere sind absolute Dreamteams: Pommes und Ketchup, Weisswein und Wasser, Ray Liotta und kaputte Mafiacharaktere oder Reisen und Rauchen.
Auf Reisen rauche ich immer viel. Pflege einer uralten Tradition. Damals, in der Eurasischen Steppe: Ein Zweibeiner wittert Rauch. Rauch sagte schon damals: „Geh auf Reisen, oder deine Klöten brennen gleich!“ Also noch schnell das Startgewicht verringern und auf zu neuen Zielen. Ich steh auf dem Aussichtsdeck des Flughafen Nürnberg. Der Rauch zieht den Jets hinterher. (mehr …)
Kitesurfen in Ägypten
Die Vorhersagen zum Kitesurfen in Ägypten waren eine ganze Woche schlecht. Wir hofften auf zwei gute Tage in Hurghada. Gut, das heisst wenigstens Zwölf Knoten Wind. Es kam anders. Ganz anders. Nach einem Tag Ent-Jetlaggen ist die Vorhersage für den nächsten Tag gut. Um sieben Uhr morgens stehen wir als die ersten am dicht bebauten Strand des Grand Hotels in Hurghada.
300 fest montierte Sonnenschirme im Meterabstand. Ein breiter Schwimmbereich, 20m Platz zum Kitesurfen. Direkt im Lee ein Steg und Restaurant. Draussen auf dem Wasser massig verankerte Boote, Bojen und bockiger Wind. Tobi verschläft, also gehe ich als erster raus. Nicht fein. Wäre Viktoria Regensburg Kitesurferin, würde sie diese Slalomstrecke lieben. (mehr …)
Revolution in Ägypten
In Ägypten herrscht seit Beginn der Revolution Ausverkauf. Auch nach anscheinend erfolgreich verlaufenem Ausgang ist kein Ende in Sicht. Eine Woche 5 Sterne Hotel gibt’s mit Flug für 260 Euro. Ich frag mich was besser ist: Wegbleiben und den Leichenschmaus nobel auslassen oder hinfliegen und wenigstens den verbliebenen 20% der Ägypter die Arbeit sichern.
Wir brauchen Sonne. Wir brauchen Wind. Wir entscheiden uns für letzteres. Ab Linz und Wien brechen wir spät Nachts auf nach Ägypten. Wir gehen ungecheckt durch die Passkontrolle am Flughafen. Es gibt einen Recall, aber einfach sitzenbleiben bemerkt auch keiner. Hurghada schaut in der Nacht von oben aus wie ein Weihnachtsbaum. Aber das täuscht. Ich war schon vor fünf Jahren hier. (mehr …)
Kitesurfen auf Boa Vista
Oben ohne im Ramadan
Sharm el Sheikh liegt im Bermudadreieck zwischen Las Vegas, dem gelobten Land und Geisterstadt. Welche Ecke die nächste ist entscheide jeder individuell. Vor 2000 Jahren führte Moses sein Volk auf der Suche nach dem gelobten Land durch den Sinai. Heute jagen jeden Morgen um zwei Völkerscharen auf den Mosesberg. Zu finden gibt es nichts außer der eigenen Klaustrophobie mitten in der Wüste.
Wir wollten selber hin, alleine. Doch Mubarak verkauft sein Land als Märchen aus Tausend und einer Nacht. Räuber heißen heute Islamisten und warten direkt hinter dem letzten Checkpoint auf ungläubige Individualtouristen. Folge: Es gibt kaum Mietwagen, den Dornbusch vor dem Katharinenkloster werde ich nicht anzünden, und niemand wirft den ersten Stein. (mehr …)
Kitesurf-Schule Sharm el Sheikh
Erst am dritten Tag komme ich endlich zum Kiten in Sharm el Sheikh. In der Naama Bay weht praktisch nie Wind, und wenn einer geht stehen immer noch Schirme und Schlümpfe dicht an dicht, gefolgt von etlichen Booten. Zum Kiten fährt man in Sharm el Sheikh 20km gen Norde nach Nabq. Das kostet mit dem blauen Minibus ca. 1,30 € und dauert 20 bis 30 Minuten.
Sucht man im Internet nach Kitesurf Sharm el Sheikh spuckt Google nur eine Seite aus: Colona Watersports, gerade übernommen von Kitejunkies. Sie liegen am Strand vor dem Regency Plaza in Nabq. Am Tag eins komme ich an und stelle fest: Flaute. Zum ersten mal seit einer Woche. Wieder nach Naama. (mehr …)
Schlümpfe im Urlaub
Sinai. 41 Grad. Perfekter Halt. Drei-Wetter Taft. Genau so wäre der Spruch, hätte eine heimtückische Friseuse der Lady aus der 80er-Jahre-Werbung nicht irgendwann in den 90ern still und heimlich eine Überdosis Gard gesetzt. Hitze und starker Wind empfangen uns auf der Treppe aus dem Flugzeug in Sharm el Sheikh. Ich strahle mitten in der Nacht.
An unserem Hotel in der Nama Bay angekommen ist diese Freude leider schon wieder verflogen. Nur 10 km südlich herrscht absolute Flaute. Wir wollen noch schnell ins Meer hüpfen, aber die Hotelstrände sind abgriegelt, und die Wächter des öffentlichen haben massiv was gegen Nachtbaden einzuwenden. Drei Uhr. Ab ins Bett. (mehr …)









































Frank Woelky, Jahrgang ’73. Kitesurfer seit 1998. Seit 2006 bringe ich Kitesurfen und Webdesign auf mehrmonatigen Reisen abseits ausgetretener Pfade unter einen Hut.