Malalison

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2019
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Nach neun Tagen hab ich genug vom überlaufenen Chinesen-Malle Boracay. Die Magie der Philippinen liegt ganz woanders. Durch im Wind wogende grüne Reisfeld-Meere und am Straßenrand trocknende Ernte geht es mit dem Bus zwei Stunden nach Süden. In Culasi nehme ich eine Banka auf die nahe der Küste Antiques gelegen kleine Fischerinsel Malalison.

Die Satellitenbilder versprachen Welle vor und Flachwasser hinter einer kleinen Sandbank direkt vor meiner Nipa Hütte am Strand. Der Rezeptionist meiner Unterkunft Casa Preta lieferte mir über Tage via Facebook gute Infos.    Bei der Ankunft entpuppt er sich dazu als der anscheinend auf den Philippinen gesetzlich vorgeschriebene warme Pol der Dorfgemeinschaft.

Malalison ist echt und einfach. Es gibt kein fliessend Wasser, nur Eimer und Kellen. Das Schild auf der Tür verkündet stolz „Comfort room“. Das Wasser tragen die Bewohner über einen Kilometer von der einzigen Quelle der Insel ins Dorf. Strom gibt es dank neuer Solarzellen erst seit 2015, 4G Internet seit diesem Jahr. Mein Weltadapter passt zum ersten mal seit Jahren nicht – die Hilfsbereitschaft der einzigen Garküche mit passendem Adapter umso mehr.

Die Alten dösen im Schatten der Bäume. Ziegen laufen frei durchs Dorf. Hähne krähen und Katzen knuddeln mit Hundewelpen. Kinder spielen im Wasser und Fischer bauen mit Handsägen an ihren Bankas. Die Jugend spielt auf dem Dorfplatz Basketball. Alle fünf Meter wirbt ein Schild gegen Drogen. Keiner will mit mir darüber reden. Zum Rauschen der Wellen schlafe ich kurz ein, bis mich ein heftiger Windstoß weckt.

Beim Aufbauen inspiziert eine Gruppe kleiner Kinder sehr genau meine Kites. Die Fischer warnen vor dem Wind. Durch die hohen und nur leicht neben der Amihan-Richtung Nord-Nord-Ost gelegenen Berge Antiques wäre ein starker Wechsel hier normal. Einer der Fischer hilft nach kurzer Einweisung beim starten. Ich kann seine Warnungen umgehend bestätigen.

Der Wind ist in meinern gerade mal 45 Minuten auf dem Wasser nicht nur stark wechselnd zwischen 17 und 27 Knoten – er dreht dazu auch noch alle zehn Minuten um bis zu 30 Grad. Auf der Luvseite der Sandbank gibt es nur minimalen Stehbereich – und die Wellen sind recht mächtig. Es dauert eine Weile ins tiefere Wasser zu kommen. Jetzt bei Flut ist alles gut – aber einige Korallenblöcke sind in den Wellentälern trotzdem dicht unter der Wasseroberfläche.

Dreht der Wind mal wieder mehr nach Osten, dann pfeifft er fast rechtwinklig über die Wellen, sprich: perfekte Ramps für große Sprünge. Einige Male reissen mich die Böen über die Wellen deutlich höher und weiter als gedacht. Ein paar Landungen versemmel ich viel zu nahe am Strand im heftigen Shorebreak. Die Kinder jubeln.

Mein Hauptgrund nach Malalison zu kommen war das Flachwasser im Lee der 40 m langen Sandbank. Ich fahre kurz rüber. Der Wind wird sehr schwach. 100 m weiter im Lee wurden vor der kleinen Bucht große Betonkreuze als Schutz vor den Wellen des winterlichen Habagat versenkt. Selbst bei Flut schauen von denen noch 30 cm aus dem Wasser. Auch weiter unten am Strand liegen zwischen einigen Bankas weitere Betonkreuze. Ankerseile zeigen von den Bankas Richtung Meer. Abtreiben ist keine Option.

Nur traue mich nur schnell ein paar hohen Sprünge im geliebten Flachwasser zu machen, dann ziehe ich zum anlanden wieder auf die Luvseite. Mein Helfer ist leider weg. Ich versuche den Kite selbst zu landen, aber der Wind bockt zu sehr. Beim zweiten Versuch dreht er mal wieder schlagartig, und eine Böe reisst ihn bei der Landung Richtung Lee – mitten auf einen aus dem Sand ragenden übersehenen kleinen Anker. Der 40 cm große Cut ist nicht schlimm – doch auf den 7.000 Inseln der Philippinen gibt es nur eine Handvoll Kite-Reparierer. Der nächste auf meiner Route ist vier Tage entfernt.

Windtechnisch ist Malalison wirklich russisches Roulette, und auch ohne Anker reichlich gefährlich – wenngleich traumhafte Auswahl an Bedinungen auf den beiden Seiten der Sandbank. Für Anfänger ist der Spot absolut ungeeignet. Am zweiten Tag freue ich mich nach elf Tagen nonstop guter Amihan über einen Tag Flaute. Mit einer kleinen Philippina als Guide Wandere ich über die Insel. Arbeite vom Paradiesbüro am Strand an mehreren Webseiten. Komponiere den Soundtrack für den nächsten großen Film, und schreibe von magischen Kitespots.

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Ein Kommentar

  • Woelky Karin schreibt am Freitag, 1.2.2019 um 13:14 Uhr:

    Wieder einmal alles toll beschrieben.

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