Die Reise führt uns weiter über Sardiniens wilden Westen nach Norden. In der Region Iglesias verwandelten über 2.000 Jahre Bergbau-Geschichte die Landschaft in einen Schweizer Käse. Ähnlich dem Ruhrgebiet fängt man gerade erst an, Geschichte in neue Arbeitsplätze zu konvertieren.
Unter rostbraunen Gebirgshängen besichtigen wir die Mine von Nebida. Danach geht es weiter nach Porto Flavia, ein beeindruckendes Stück Bergbaus unter belgischer Führung aus der Spätphase um 1920. Unser Schlumpf trollt sich mit uns begeistert durch tiefe dunkle Stollen. Die Galeria Henri in Buggeru ist leider geschlossen.
Wir suchen unsere Unterkünfte oft ohne große Recherche. „Lage passt, schaut gut aus“ reicht uns meistens. Daraus ergeben sich oft große Überraschungen. Auf den letzten 30 km zu unserem Tagesziel sehen wir kein einziges anderes Auto. Das Dorf Ales liegt verträumt in einer abgelegenen grünen Region Sardiniens, die ich noch auf keiner Reise zuvor besuchte.
Schafe äsen zwischen gelb blühenden Blumenteppichen. Vor der einzigen Dorfkneipe sitzen zwei rauchende Opas. Das Bed and Breakfast Dadanca liegt im noch kleineren Nebendorf Zeppara. Betreiber Luca ist ein weitgereister Schatz vor dem Herren. Im Haus seiner Oma zelebriert er Gastfreundschaft an gutem Jazz als Religion. Das Frühstück mit seiner selbstgemachten Orangenmarmelade, Mispeln und Ricotta-Zitronenkuchen ist einfach umwerfend.
Die kleine wandert mit uns satte dreieinhalb Kilometer auf eigenen Füssen durch den Korkeichenwald „Bosco di Fiaba“ mit seinen Fabelwesen. Blumen, Bienen und dutzende Vogelstimmen sagen singen ein Lied vom Frieden
Google Maps führt uns über 12 km Feldwege nicht zum geplanten Wasserfall, sondern auf den 812 m hohen Monte Arci. Als einziger Berg im weiten Umland ist die Aussicht gigantisch. 30 cm tiefe Auswaschungen, ein aufziehendes Gewitter und die Angst vor einem im Mietwagen verbauten GPS-Tracker gebieten jedoch irgendwann umzukehren.
Das nächste Restaurant Abas in Ales serviert Essen zu heute fast schon perversen Preisen. Das hervorragende Zweigangmenu mit Wasser und Spitzen-Wein bekommst Du hier für 20 Euro. In der Dorfkneipe nebenan kostet das große Ichnusa 2,50 €.
Das eine gute Stunde entfernte Mari Ermi bringt leider nur Regen und keinen Wind, und das Einkaufszentrum von Oristano die Gewissheit, dass mann auch für Drecksfrass in Plastik viel Geld zahlen kann. Google Maps passt sich den idiotisch niedrigen Geschwindigkeitsbeschränungen an. Wenn Du immer die erlaubte Höchstgeschwindikeit fährst erreichts Du Dein Zeil in der eineinhalbfachen Zeit.
Wir fliegen über einsame Straßen zurück in unser süsses Nirgendwo. Dieses mal finden wir den angepeilten Wasserfall von Su Riu Is Alonis und genießen eine eiskalte Dusche. Abends singen uns vier Käuzchen in perfekt aufeinander abgestimmten Terzen in den Schlaf.



















Frank Woelky, Jahrgang ’73. Kitesurfer seit 1998. Seit 2006 bringe ich Kitesurfen und Webdesign auf mehrmonatigen Reisen abseits ausgetretener Pfade unter einen Hut.