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Ich bin dann mal weg…

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#761
0805
2025
Do.
23:17
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Spoiler: dieser Reisebericht hat rein gar nichts mit Hape Kerkeling, dem Jakobsweg oder Selbstfindung zu tun. Aber verdammt viel mit Selbstdefinition.

Die bunten mittelalterlichen Häuser von Bosa bezaubern ganz ohne behördliche Verbote von Klosteinfarben. Vermutlich haben sogar blinde Italiener bei der Farbwahl ihrer Häuser einen verlässlicheren guten Geschmack denn Deutsche   bei Schuhen im allgmeinen.

Das am Weg liegende Castelsardo hat sich seit meinem letzten Besuch vor ein paar Jahren ganz schön verhipstert. Die  Öl-auf-Holz-Werke im „Kunstmuseum“ der Burg kommentiert die Kleine bezaubernd  kurz und treffend mit „bäh“.

Am Tagesziel Badesi, der Citta del vino, kommen wir erst Abends an. Badus Appartments upgradet uns auf ein Top Panorama Appartment. Vom Balkon kann man fast in den 80 cm tiefen Kinderpool springen. Vor dem Badfenster wächst ein Zitronenbaum.

Unsere kleine Frostbeule springt erstmals noch am Abend in einen recht kühlen Pool. Als Danke  bekommt sie tags darauf die heilige Dreieinigkeit.  Morgens baden wir in leichtem Regen in den heissen Thermalquellen am Fluss von Coghinas. An manchen Stellen tritt das Wasser schmerzhaft heiss an die Oberfläche. Der Fluss dampft in mildem Regen.

Mittags geht es weiter zum nahen Kitespot, der Lagune von Valledoria. Der Wind reicht mal wieder nicht. Ich freue mich, den vermeintlich in Chia gestorbenen Schweizer Foil-Kiter lebendig vor seinem Monstercamper wiederzusehen. In der Lagune tobt die kleine weiter im Wasser.

Abends bekommt der Schlumpf eine weiter Runde baden im Hotelpool. Dass viele Kinder aus anderen Ländern ihre teils minutenlangen Erzählungen gar nicht verstehen ist ihr völlig egal – und amüsiert mich köstlich. Es bringt mich dazu über den Sinn von Worten zu sinnieren – und Fragen nach Weg und Ziel zu stellen. Der wahre Himmel der Kleinen ist jedoch drei Tage nonstop Pasta aus der einzigen eigenen Küche der Reise.

Am letzten Tag in Badesi verspricht nur das gut eine Stunde entfernten Porto Pollo etwas Wind. Hier war vor vielen Jahren mein Kiter-Einstieg in Sardinien. Wenngleich ich bockige Winde und Wellen aus allen Richtungen nicht sonderlich mag, so ist doch zumindest der Wind von Porto Pollo normalerweise der stärkste von ganz Sardinien.

Heute leider nicht. Die versprochenen 26 Knoten Spitze kommen nur alle paar Minuten mal kurz durch. Das reicht nicht für den aufgebauten 10er Core XR. Auf eine weitere Notgeilkite an 13m²  habe ich einfach keine Lust. Die Kleine zeltet glücklich unter dem Kite. Wir schauen anderen Schweizer Kitern beim familieninternen Kiteabschuss-Turnier zu.

Abends will ich ein kleines Problem am Blog richten: die Mobilversion funktioniert nicht mehr. Ein anderes Theme behebt den Fehler auch nicht. Nach zurückschalten auf das eigene Theme fehlt auch noch die ganze Sidebar. Kein Problem. Schnell Datenbank leeren und eines der zahlreichen Autobackups vom Server importieren. So zumindest der einfache Plan.

Dann beginnt das Desaster. Keines der zahlreichen Datenbank-Backups auf meinem Root-Server bei Vautron ist vollständig. Alle 750 Reiseberichte aus 18 Jahren sind futsch. Panik. Zittern. Kalter Schweiss. Hektische Analyse und Suche nach Lösungen sowie ein Nachtspaziergang bringen nichts bis früh morgens um vier Uhr.

Wenn ich ein Lebenswerk habe, dann der Blog unter kitesurf-reisen.eu. Hier stecken leicht 1.500 Arbeitsstunden drin. Vielleicht auch das doppelte. Ich schreibe einzig um der Freude willen und seit jeher ohne irgendwelche  Profitabsichten. Anderen helfen und unterhalten sind die einzigen Ziele. Mein Blog ist mir heilig.

Ohne Kind war einfach die Vorstellung schön, dass irgendwas von mir bleibt, wenn ich weg bin. Jetzt mit Kind ist das anders. Ich fing an, davon zu träumen, wie sie ihren Kindern unsere gemeiname Geschichte vorliest. Wie sie mich sieht. Etwas, was mein eigener Vater nie zuließ.

Daraus wird jetzt nichts mehr. „Ich bin dann mal weg“, sagt der Blog hier und heute. Ich weine sehr selten. Heute Nacht bringt mir das herzlich wenig.

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