Der weltweit größte unabhängige Kitereisen-Blog - 240 Kitespots - 784 Reiseberichte

Roadtrip26: Kroatien

R
Post
#781
3105
2026
So.
21:20
Tag #
6932
92
views

Von Grado aus geht es über Triest und Slowenien auf kleinen Landstraßen bis nach Nin ins Herz Kroatiens. Die Kleine geniesst die Reise in vollen Zügen. Nin wird häufig als der windigste Kitespot Kroatiens bezeichnet. Zu unserem Besuch ist er das leider überhaupt nicht der Fall.

Lange Flaute ist egal, denn unser schöner kleiner Campingplatz in Zlaton hat einen Pool. Der Schlumpf ist überglücklich, die Nachbarn gut und das Bier kalt. Wenige Meter runter zum Meer versinkt die Sonne im Feuerwerk zum Sundowner.

Das von Meer und Salinen umgebene Nin ist wohl die älteste Stadt Kroatiens. Ausser einem Turm ohne Kirche und einem Stadttor merkt man davon jedoch rein gar nichts. Die Massen strömen durch ein kleines Dorf und zahlen jeden Preis für teures Nichts.

Der Haupt-Kitespot liegt direkt vor Nin an der Bucht. Zu beiden Seiten der 600 m langen Sandbank gibt es wenigstens 80 m breite Stehbereiche. Die Jungs von der Kiteschule sind nett und hilfsbereit. Kiten darf man ab der Mitte der Sandbank. Davor ist der Platz für Badende reserviert.

Die einzige Gefahr ist eine lange Linie von Felsen ca. 80 m weit draußen auf der Seeseite. Ich schaue einem Kroaten am 12er beim Abtreiben zu. Überlege, mit welcher Waffe man den 21er Soul abschiessen und seine Freudenschreie zum verstummen bringen könnte. Bei der Zero Forecast für volle zwei Wochen brauche ich dringend einen Ausgleichssport.

Wir schwingen uns in die wirklich beeindruckende Altstadt im nahen Zadar. Auf drei Seiten vom Meer umgeben bietet es einen wirklich urkomischen Mix aus altkommunistischen Plattenbauten zwischen Barock, Romanik und venezianischer Geschichte.

Nach vier Tagen folgt der heftigste Abschnitt der Reise. Trotz einmal 100 km Mautstraßen rund um Split brauchen wir bis Dubrovnik satte acht Stunden. Ab Makarska ist die Küstenstrasse die schönste Steilwand-Achterbahn der Welt. Tiefblau, alte Dörfer und rasende Motorradfahrer bringen uns über 180 km bis zum Flussdelta des Neretve mit seinen Obstgärten und Weinbergen.

Durch die Erschaffung eines Meereszugangs für die Osmanen im heutigen Bosnien-Herzegovina rund um Neum im Jahre 1718 wurde Dubrovnik zur Exklave. Auf meiner letzten Reise waren noch zwei langwierige Grenzübertritte nötig. Heute reist man über die neue Pelješac Brücke und autobahnähnliche Schnellstraßen bequem und schnell bis 50 km vor Dubrovnik.

Dubrovnik liegt an einer 45° steilen Bergflanke. Die Natur bestimmt die Architektur. Neue Häuser haben fast ausschliesslich Flachdächer auf Straßenniveau. Darauf parken Autos. Kein Quadratzentimeter ist ungenutzt. Die Abschlepper an den Bushaltestellen sind Akkordarbeiter im Park-Krieg mit Gebühren von bis zu 120 € am Tag. Einzig in Cannes zu Festivalzeiten kann man noch teurer in Europa parken.

Wir rauschen schnell 15 km weiter nach Plat, da uns 80 € am Tag für einen Campingplatz in Dubrovnik (ohne Strom) dann doch etwas zu herb sind. Das schöne Laguna Autocamp liegt in einem steilen terrassierten Olivenhain. Wir haben direkten Blick auf die 100 Stufen tiefer gelegene türkisblaue Adria. Die ganze Familie ist glücklich mit dem kleinen Strand. Der Schlumpf singt „Irgendwann bleib i dann da“. Heftige Bergwinde lassen in der Nacht unser Zelt knattern.

Der Bus bringt uns am nächsten Morgen recht fix für wenig Geld nach Dubrovnik. Keiner von uns war je hier. Aber Game Of Thrones. Und auch deswegen bis zu fünf Ozeanriesen voller Terror-Touris täglich. Wegen denen überlegt Dubrovnik, eine generelle Eintrittsgebühr einzuführen. Das muss man schon verstehen, denn die jeweils 40 € Eintritt für Burg und Stadtmauer sind einfach nicht kostendeckend.

Kugel Eis 3,50€. Döner 17,90 €. Parkticket verloren 450 €. Liegeplatz im Hafen 700 €. Ich hatte mehr erwartet. Der Rest? Schöne weisse Altstadt. Vor jedem Haus steht ein Fahnenträger mit seiner Ohrwurm-tragenden Gefolgschaft. „Das Wand. Dort Fenster. Da Tür.“ Fasziniert verstehe ich, warum für die „Free“ walking tours in Dubrovnik weltweit einmalige 50 € als Führer-Trinkgeld pro Person angeraten werden…

roadtrip26-kroatien-01
roadtrip26-kroatien-09
roadtrip26-kroatien-08
roadtrip26-kroatien-07
roadtrip26-kroatien-05
roadtrip26-kroatien-06
roadtrip26-kroatien-03
roadtrip26-kroatien-02
roadtrip26-kroatien-04
roadtrip26-kroatien-10


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Rate it!