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Roadtrip26: Albanien gegen Trump

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#783
0706
2026
So.
22:17
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Die Einreise von Montenegro nach Albanien geht eigentlich recht schnell. Eigentlich. Man muss nur aufpassen, nach maximal fünf Sekunden nachzurücken. Sonst schiebt sich einer vor. Da sich zusätzlich auch noch massig Biker vordrängen dauert es dann doch fast eineinhalb Stunden. Auf den letzten 100 m vor der Grenze kommen auf jeden abgefertigten zwei Vordrängler. Lautes Pöbeln steigert sich fast zu einer Schlägerei. Dann öffnet die zweite Spur.

In Nordalbanien sind die Straßen ganz wunderbar Kacke. Tiefe Schlaglöcher, Staus und idiotischste Geschwindigkeitsbeschränkungen ziehen an Unmengen von Verkehrstoten-Schreinen in Größe vollwertiger Mausoleen vorbei. Zwei Italienische Hells Angels schaufeln uns den Weg durch einige Polizeikontrollen frei. Montenegrinos Fahne ist Rot. Rot ist Gebot. „60“ bedeutet „mindestens 60 km/h“. Der Fahrstil ist hier noch einen Tick herber als in Montenegro. Wir sind im Wilden Osten.

Ab der Mitte Albaniens werden die Straßen deutlich besser – und münden zuletzt in freie gute Autobahnen. Wir rauschen mit insgesamt sechs Stunden Fahrtzeit recht schnell durch bis in den Süden. Unser Ziel ist Vlora. 1912 wurde hier sie Albanische Unabhängigkeit proklamiert. Heute ist Vlora eine kleine Großstadt mit einem schönen Strand. Die Preise sind niedrig. Ein Kilo gute Kirschen kosten gerade mal 2,40 €.

Der Wind frischt erstmals auf atemberaubenden 12 Knoten auf. Das ist der höchste Wert der letzten 2.200 km. Aber trotzdem zu wenig. Der Strand liegt nur wenige hundert Meter neben unserer Privatunterkunft in einem unasphaltierten Wohngebiet. Alle Grundstücke sind von hohen Mauern mit Glasscherben und Toren umgeben. Ganz so sicher scheint Albanien doch noch nicht zu sein.

Wir sehen viele dicke matt lackierte Mercedes mit schnieken Felgen. Manche Menschen sind hier sehr reich, doch die meisten noch immer bitter arm. An den Ausfallstraßen warten Tagelöhner auf Arbeit. Die Reichen sind sicher nicht mehr alle Angehörige der legendären Albanischen Koks-Mafia. Heute sitzen die Mafiabosse anscheinend in der Regierung Albaniens. Seit Tagen protestieren in der Hauptstadt Tirana bis zu Hundertausend Menschen gegen den Verkauf eines direkt ans Naturschutzgebiet von Vlora angrenzenden Küstenstreifens für die touristische Erschliessung durch den Trump-Clan. Die Antikorruptionsbehörde hat Konten eingefroren – und der Ministerpräsident Rama bekommt einiges an Druck seines mündigen Volkes zu spüren.

Zuerst erfahren wir von den Protesten aus den Medien. Trumps Schwiegersohn und seine Tochter Ivanka wollen zusammen mit Israelischen Investoren ingesamte 6 Milliarden Dollar in Albaniens „Entwicklung“ pumpen. Selbstverstänflich „in Einklang mit dem Naturschutz“ und „mit Respekt für die Albanische Bevölkerung“. Flamingos und zahlreiche Zugvögel sind in diesem Natuschutzgebiet zuhause – oder auf Zwischenstop.

Doch die Albanische Bevölkerung will weiterhin seine Strände frei nutzen können. Sie wünscht keine Vernichtung von Naturschutzgebieten. Und sie hassen Trump. So wie wir. Albanien demonstriert lautstark. Kommentar unseres Schlumpfes: „Wenn Trump bei uns wohnen würde, dann würde ich ihm sein ganzes Geld wegnehmen“. Eigentlich wollten wir heute nur das alte Kloster von Zverec besichtigen. Dann fragen wir uns: „Wo fahren die alle hin? Muss ein schöner Strand sein.“. Der Strand, den wir nach einer halben Stunde Schlaglochpiste erreichen ist in der Tat sehr schön. Wunderschön.

150 Albaner protestieren lautstark gegen acht Kilometer Luxusresorts, die genau hier unter der Regie von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Israel entstehen sollen. Selbst wenn der Bauherr nicht der Teufel in Person wäre, und auch wenn ich noch so viele Naturschützer als notorische Blockierer deklassifiziere: Wir sind hier. Wir sehen Natur pur. Auch wenn wir die Flamingos wegen zu grottigen Pisten nicht erreichten. Schlumpf dazu „Das ist wunderschön hier.“. Kinder und Betrunkene sagen immer die Wahrheit.

Die Rückkehr von der Demo krönt mich endgültig zum King Of The Dirt Road des Balkans. Vor. Zurück. Staub. Schlagloch. Milimeterabständen zum Gegenverkehr an Engstellen. Die Undercover-Agenten der Albanischen Regierung in ihren dicken Mercedes erkennt man am Fahrstil. Niemand kriecht furchtsamer unter der Last seiner Schuld.

Nette Berliner landen mit ihrer Tochter eine Faust aufs Auge. Der Schlumpf ist endlos glücklich. Wir ebenso, denn Schlumpf plus Schlumpf im Meer ist gleich Urlaub für die Eltern. Zwei Tage lang schwelgen wir im leistbaren Luxus des Saint Tropez Beach Clubs, bevor wir früh morgens am dritten Tag weiterziehen.

Der Weg wird lange – aber wunderschön. Anfangs folgen wir dem Fluss Shushica durch das bis zu 2.000 m hohe Ceraunische Gebirge. Alle halbe Stunde kommt mal ein verlassenes Dorf. Ab und an ein kleine Milchtransporter. Schafe rechts, Schäfer mitten auf der Straße. Wilde Wälder und unberührte Natur pur. Warum denke ich auf jedem Roadtrip ach so oft „hier muss ich mal länger her“? Über den gut 1.000 m hohen Llogara-Pass geht es wieder runter über Meere aus rosa Oleander an die Albanische Adriaküste. Ab hier ist über 80 km schon 30 km/h fast rasen. Ein weiterer Pass und runter in die Tiefebene vor der Griechischen Grenze. Dann sind wir da.

Nach gut 2.500 km fast nur Landstraße erreichen wir unser Ziel Griechenland. Der Schlumpf jubelt. Wir singen „Irgendwann bleib i dann da“…

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