Mindoro, Bislig Beach

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#667
0503
2019
Di
10:36
Tag
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Ich war super skeptisch vor meinem letzten Kitespot. So viel gute Berichte im Web findet man in der Regel nur wenn jemand massiv für Promo zahlt. Aber kitesuf-mindoro.com am Bislig Beach nahe Bulalacao ist wirklich das absolute Kiter-Paradies. Ich beschließe sofort meine ganze letzte Woche hier zu bleiben.

Die Unterkünfte in fünf Meter durchmessenden Safarizelten oder Bungalows am Strand ist ein Traum unter im Wind raschelnden Palmen. Die türkis strahlende 300 m breite Bucht am Bislig Beach weist genau Richtung Amihan und reicht gerade mal für 20 Kiter. Da das kleine Resort ohnehin auf weichen Tourismus und Nachhaltigkeit nebst Beteiligung des lokalen Magayan Stammes ausgerichtet wird es hier trotzdem nicht eng.

Der Empfang ist herzlich und die 15 Gäste mal wieder alle Soulsurfer, die genau am richtigen Ort zusammenkamen. Hinter den steilen Hügeln zum 15 km entfernten Dorf Bulalacao gelegen bist du hier am vermutlich schönsten Ende der Welt. Spatzen und Schwalben klauen Futter. Das Schwein „Cabrinha“ entsorgt Futterreste und darf dank Facebook Petition gegen Weihnachtsbraten wohl ein langes Leben führen. Die Haus-Ziegen laufen meckernd über die Wiese.

Am Riff 200 m vor dem Strand springen fliegende Fische mit dir um die Wette durch die Wellen. Nach sechs Wochen auf den Phlippinen ist für mich das allerschönste, dass es keine ab drei Uhr Morgens krähende Gockel-Geschwader gibt. Die drei Haushunde sind die vermutlich stillsten aller 7.000 Philippinischen Inseln. Bei Ebbe jagen sie Fische im flachen Wasser. Grillen zirpen. Vogelzwitschern. Wellenrauschen. Wind. Einschlafen nach 33h on the road.

Gleich am ersten Tag kommt der Amihan nach einem bis auf fünf Tage fast windstillem Februar zurück. Der 13er Edge ist gut angeblasen und der Kitespot am Bislig Beach, flankiert von grünen Dschungelhügeln zu beiden Seiten ein absoluter Traum. Wegen den steilen Hügeln direkt hinter dem Resort sollte man einen mörderischen Luvstau erwarten. Ist aber nicht so. Ich heize den Kite in recht laminarem Wind direkt über den kleinen Mangrovenhain am Strand.

Bei niedriger Ebbe kann man ca. vier Stunden um den Tiefstand nicht raus, dann schauen ein paar Felsen aus der Bucht. Neoprenschuhe sind ratsam. Strandnah gibts ein paar kleine Steine, am Riff auch Seeigel. Bei Flut kann man auf Boots verzichten. Über das Riff sollte man generell nur ca. sechs Stunden um die Flut fahren.

Wie so oft auf den Philippinen sind Gezeiten auch hier recht eigenartig. Die Stände von Ebbe und Flut schwanken beträchtlich in Höhe und Zeit. Zu meinem Aufenthalt war die Bucht dank genug Wasser eine ganze Woche meistens kitebar.

Zu jedem Gezeitenstand bauen sich in der Bucht an stets anderen Stellen nach links gut nutzbare kleine Kicker auf. Die mit undefinierter Richtung am Riff brechenden Wellen sind nicht gut nutzbar – aber haben angenehme Abstände. Direkt hinter dem Riff wartet schöne Dünung von bis zu eineinhalb Metern auf dich.

Schon vor sieben Jahren fiel mir mit Kiter-Freund Max beim vermutlich ersten Kite-Abenteuer in der Bucht von Bulalacao auf, dass der Wind hier anscheinend noch ein Stück stärker bläst als im ach so überbewerteten und überlaufenen Boracay. Auch am Bislig Beach bläst er anscheinend etwas stärker als auf Boracay und kann durchaus mal etwas bockig kommen – aber kein Vergleich zu den Hammerböen direkt hinter der Jetty in der Bucht von Bulalacao.

Der Sandstrand ist bei Flut recht eng zum starten. Direkt vor dem Resort stehen 20 m hohe Palmen, rechts ein Mangrovenhain und links Büsche mit reichlich Stacheln. Einige Kiter verkuppelten ihr Material erfolgreich mit der lokalen Vegetation. Da der Bislig Beach fast genau zum Wind ausgerichtet ist gibt es auch sicher bessere Orte zum lernen. Dank größtenteils gutem Untergrund und genug Stehbereich funktioniert das schulen trotzdem ganz gut. Die Angestellten sammeln fast jeden Tag massig vom Wind angetriebenen Plastikmüll ein, teilweise mehrfach. Hier sehen wir, was wir daheim verbocken.

Auf dem ersten Downwinder zur sieben Kilometer südlich gelegenen Insel Maasin verliere ich zweimal mein Brett in eineinhalb Meter Seegang. Wir landen an einem Strand, den ich schon zusammen mit Kiter-Freund Max 2013 für einen recht herben Kitespot gehalten hatte. Heftige Wellen brechen über große runde Steine. Die Anlandung läuft gut – abgesehen von der Tatsache dass ohne irgendeinen Kontakt die äussere Strut meines Edge zum weiten Mal auf dieser Reise platzt. Zum Glück ist zwei Tage später der lokale Segelmacher der PKA auf Durchreise und repariert sie sehr gut vor Ort. Das spart mir eineinhalb Tage Reise nach Boracay. Ich bin genug gereist.

Am zweiten Nachmittag geht es mit der Banka rüber zur zweieinhalb Kilometer im Luv gelegenen paradiesischen Fischerinsel Suguicay. Der zweite Downwinder mit vier anderen Kitern zurück zum Bislig Beach verläuft problemlos durch einen Meter Seegang, nachdem ich schon den ganzen Tag zuvor mit dem 10er in schönen 20 bis 25 Knoten massig Jodel-Sprünge serviert bekam. Alle fallen glücklich und sehr früh ins Bett.

Auch die nächsten Tage gibt es entweder Downwinder auf entlegene Strände oder auch mal einen ganzen Tag Banka auf ferne Inseln, alles zu leistbaren Preisen. An gerade mal zwei von meinen sieben Tagen am Bislig Beach war der Wind zu schwach zum kiten. Langweilig wurde es nie am schönsten Ende der Welt.

Am allerletzten der Odysee halben Tag kite ich zunächst am 13er Edge in 17 Knoten. Diesesmal platzt ohne irgendeine Schuld die rechte äußere Strut in der Luft. Fünfter Schaden dieser Reise – und ab sofort für mich eindeutig ein Konstruktionsfehler seitens Ozone.

Ich gebe den Edge als Totalschaden auf und baue den 10er XR auf. Damit gibts die letzten glücklichen Sprünge in schönen 22 Knoten bis direkt zur Abreise am frühen Nachmittag. Der Bislig Beach bringt meine Philippinische Kite-Quote auf 21 von 48 Tagen, wovon ich zehn Tage ganztägig auf Reisen war. Es war eine goldene Zeit.

In den Zimmerpreisen von Kitesurf Mindoro ist sehr gute und umfangreiche Vollpension beinhaltet. Alle Gäste essen zusammen an einer großen Tafel. Das Abendessen ist jeden Tag ein dreigängiges Schlemmermenü von bunten Speisen aus lokalem Anbau mit internationalem Pfiff. Preise für Getränke und alles weitere gehen voll in Ordnung. Gewicht wird hier trotz eher sporadisch passierenden ungesunden Nächten niermand verlieren.

Hier bist du weit weg von allem, und mitten drin im besten Wind der Philippinen. Ich vergesse das auch nach Renovierung noch unmögliche Boracay, verschiebe zu schwer erreichbare Spots auf meiner Topliste nach hinten. Der Bislig Beach ist meine Nummer eins unter binnen zwei Reisen und fünf Monaten bestimmt 30 aufgesuchten Kitespots der Philippinen. Ihr werdet bei der Abreise Pipi in den Augen haben.

Danke für alles!

Bislig Beach Pro

  • Viel Wind! Während die Kite Championship auf dem Luftlinie gerade mal xx km entfernten Boracay nur minimal Wind hatte sprangen wir auf Downwindern durch nette 22 Knoten
  • abgelegen, ruhig und trotzdem viel Stimmung
  • toller abwechslungsreicher Spot mit Flachwasser, Kickern und Riff
  • 8 verschiedene kitebare Inseln / Downwind-Spots in der Nachbarschaft
  • spitzen Essen
  • tolle Unterkunft
  • sehr hilfsbereites Personal und eine gute Chefin

Bislig Beach Contra

  • Startbereich etwas eng, viel Plastik-Treibgut
  • Wind meistens voll auflandig (max. 25° sideon)
  • Internet via Smart läuft seit diesem Jahr, aber an manchen Tagen geht so gut wie gar nichts
  • 15 km zum nächsten Dorf Bulalacao. Motorbikes kann man sich im Camp für 300 Pesos ausleihen
  • 10h Bus ab Manila ist nichts in Philippinischen Verhältnissen – trotzdem für viele immernoch viel zu viel. Flüge ins 1,5h entfernte San Jose gehen gibt es nicht jeden Tag.
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