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Unendliches Flachwasser @ Cagbalete

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#744
0703
2023
Di
7:20
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Auch nach 12 Jahren und einigen langen Reisen auf die Philippinen gibt es noch neue magische Kitepots für mich. Von Cagbalete wissen nur ein paar wenige Philippinische Kiter. Die kleine Insel hat vielleicht 500 Bewohner. Der Strom kommt nur abends aus dem Generator. Das Internet tröpfelt, und die Dusche ist in der Regel ein Eimer mit Schöpfkelle – wenn es Wasser gibt. Luxus ist hier ganz weit weg – und das Leben einfach und echt.

Da wirklich alles mit Bankas vom Festland herangeschafft wird ist die kleine Insel recht teuer. Für 30 € bekamen wir vor ein paar Jahren einen vermutlich nicht mehr existierenden deluxe Beachfront Bungalow in El Nido. Hier bekommen wir zunächst für das gleiche Geld gerade mal eine minikleine einfachste Nipa-Hütte, in die nur zwei Matratzen und das Gepäck passen.

Wir kommen aus zwei Gründen hierher. Der nach Osten extrem flach abfallende Strand verspricht den größten Flachwasser-Spot der Philippinen. Einzig Cuyo und Secret Island sind ähnlich geil – aber deutlich schwerer zu erreichen. Unendliche 2000 mal 250 m bis zum Riff bieten bei Ebbe spiegelglatte Speed- und Big Air-Pisten. Bei Flut kann es etwas kabbelig werden. Aber landeinwärts, auf dem Rücken der Riffwellen, gibt es immer perfekte Bedinungen für hohe Sprünge. Auch auswärts lassen sich die Riffwellen dank sideshore Wind perfekt als Kicker nutzen.

Der beste Wind der Philippinen bläst in den Visayas. Bevor er diese erreicht landet der Amihan aber genau hier auf Cagbalete im Osten der Hauptinsel Luzon an. Einzig Windguru kennt Cagbalete als Spot, versteckt unter dem Namen Cabalete. Die GFS13 Vorhersage stimmt ziemlich genau. Sie gibt uns an fünf von sieben Tagen guten Wind von 16 bis 25 Knoten, zumeist zwei bis drei Knoten mehr als auf Boracay.

Gleich am ersten Tag geben wir direkt von Jovens Beach Resort aus Vollgas. Das Starten ist bei NNO Winden etwas tricky. Der Strand liegt etwas in der Abdeckung. Guter Wind beginnt bei dieser Windrichtung meist ca. 20 bis 50 Meter vor dem Strand. Wir bemerken das zwar und starten korrekt im Wasser stehend. Aber schon „nur mal schnell“ das Board vom Strand holen geht beinahe ordentlich in die Hose. Mein Kite backstalled in einen zum Glück recht weichen Baum. Der leichte Kontakt bleibt ohne Folgen. Auch beim Anlanden schmieren unsere Kites mehrfach ab. Da es außer ein paar Korallenstücken wirklich keine Gefahren gibt bleibt auch das immer folgenfrei.

Das Kiten auf Cagbalete ist pure Magie. Wir sind die einzigen Bleichgesichter hier. Das türkise kristallklare Wasser wird an Intensität nur noch von Belizes Caye Caulker getoppt. Grüne Palmen über weißem Sand vor unendlichen Weiten. Abgesehen vom ca. 250 m weit draußen liegenden Riff gibt es keinerlei Felsen oder Seeigel. Das Wasser zischt ganz leise bei über 40 km/h Geschwindigkeit. Im Hintergrund grummeln die Wellen am Riff. Seevögel ziehen vorrüber. Cagbalete ist der Himmel zweier Kiter.

Nachmittags zirpen die Zikaden. Hunde dösen im Schatten. Am Strand gehen die Vögel Krebse angeln. Ihre Verwandschaft in den Bäumen imitiert perfekt das Geräusch alter Gartentüren im Wind. Abends besuchen uns Glühwürmchen. Der Mond leuchtet bleich über dem größten Spiegel der Philippinen. Die Ruhe ist vollkommen.

Unsere erste Unterkunft ist Jovens Beach Resort. Eine Bulldogge mit leeren Augenhöhlen bewacht den Eingang. Alles ist ein bißchen kaputt, das Essen einfach aber okay. Als einzige Gäste werden wir ein „Shining“ Gefühl nicht los. 400 m weiter im Süden finden wir die Philippina, deren Junge sich auf der Überfahrt hierher so beeindruckend übergab. Ihr gehört das viel schönere einfache Escaparde Beach Resort. Einige Philippinsche Gäste sorgen an der Karaoke Anlage für Stimmung. Die Familie ist unendlich gastfreundlich und Koch Jake zaubert aus einfachsten Zutaten wirklich tolle und abwechslungsreiche Menüs.

Nach zwei Tagen im Nichts ziehen wir für unsere letzten fünf Tage hierher um. Wirtin Jairah gibt uns sowieso schon einen guten Preis für eine einfache aber größere Nipa Hütte. Als wir um einen zweite Matratze bitten – da 120 cm Breite für zwei Männer unserer Größe doch etwas zu kuscheilg sind – bekommen wir ein Upgrade auf eine riesige achter Hütte mit privatem Bad und echter Dusche. Ganz dickes Danke dafür! Für 20 € am Tag gibt es drei Mahlzeiten als Room- oder Beachfront-Service.

Am dritten Tag auf Cagbalete kachelt sich der Wind nochmal richtig schön auf bis zu 25 Knoten ein. Ich habe schon nach der zweistündigen Morgensession und trotz drei Wochen auf den Philippinen ordentlich verbrannte Beine. Die sechzehnjährige Schwester der Wirtin hat bereits als Nachwuchstalent bei den Philippinischen Kitesurf Meisterschaften teilgenommen. Ich denke man wird noch von ihr hören. Heute fliege ich mit 95 kg gut angeballert am 10er XR in 7,6 m Höhe über das Wasser. Die kleine Schwester geht mit ihren 42 kg an einem Neuner raus. Das Wort „overpowered“ scheint es auf Tagalog nicht zu geben.

Zu Vollmond wie heute fällt das Wasser zur Ebbe sehr tief. Bis zum Riff hat man dann gute 200 m mit maximal 20 cm Wassertiefe. Nach der Mittagspause gehe ich in steigendem Wasser nochmal eine Stunde raus. Die Kinder im Wasser bejubeln jeden hohen Sprung – und freuen sich noch mehr über jeden Crash. Nach insgesamt drei Stunden am Wasser bin ich völlig alle. Kein Wunder. Die WOO sagt ich hätte heute nie zuvor erreichte insgesamt 600 Höhenmeter angehäuft.

An meinem Ozone brechen zwei weitere L-Konnektoren, diesesmal an der Front Tube. Das erhöht die Gesamtzahl der nicht selbst verschuldeten Schäden am Edge auf vier binnen eines Monats. Wenigstens fünf Kitetage habe ich deswegen verloren. Die Reparatur daheim würde ca. 350 € kosten. Es reicht. Ich schenke den Kite Anika, der Schwester unserer Wirtin. Bei ihrem Gewicht dürfte ihr der Kite den ersten Platz und 1000 $ im Twintip Race der Damen nächstes Jahr sichern – maximal 20 Knoten Wind vorausgesetzt. Ihre Freude ist der bestmögliche Abschied von meinen geliebten blauen Flügeln.

In zahlreichen Facebook Gruppen warne ich andere Kiter vor den Produktionsfehlern des Edge V8. Aus Europa kommt Beileid und Dank. Die US-Amerikaner reagieren ganz anders. Ein Kite der älter als vier Jahre ist sei generell „Schrott“. Meine ersten Struts platzten aber schon nach zwei Jahren. Der Kite wurde aktiv gerade mal vier Jahre dezent genutzt. Mein Hass auf die US- Kite-Snobs ist fast noch größer als der auf Ozone. Ich habe weder das Geld noch die Lust jedes zweite Jahr 4000 € in eine neue Kite Range zu investieren. Ich liebe einfach das Kiten und will meine Flügel eine vernünftige Zeitspanne gut nutzen.

Binnen einer guten Stunde richten die Philippinos hier den Kite im MacGyver Style wieder notdürftig her. Auch Austausch aller Konnektoren sollten sie später gut hinbekommen. Mit einer Flasche Gin schaue ich traurig der Dorfjugend beim Volleyballspielen zu.

Sebastian hat vor der Abreise seinen Job als Lehrer gekündigt. Aber das Lehren fehlt ihm wohl. Er bringt am nächsten etwas weniger windigen Tag dem kleinen Justin ein bisschen Kiten bei. Dieser strahlt bis zu den Ohren als er nach einer guten Stunde wieder an Land kommt. Die Philippinischen Gäste reisen ab. Aus der Anlage läuft stundenlang der gleiche Reggae Loop. Ab dem vierten Tag träume ich von ihm. Meine Bitte nach mehr Abwechslung wird mit 70er Jahre Rockschnulzen an leichtem Regen erfüllt. Hunde jagen Sebastian im letzten leichten Wind durchs endlose Flachwasser. Eine große Reise geht leise zuende…

Cagbalete Kitespot Pro:

  • unendlich viel Flachwasser
  • wenig bis gar keine andere Kiter
  • viel Platz und sideshore Wind
  • tolle Riffwelle und mehrere Sandbänke
  • vom Bett aufs Brett in jedem der 6 Resorts
  • zu Amihan häufig stärkere Windvorhersagen als auf den Visayas
  • unendliche Ruhe

Cagbalete Kitespot Contra:

  • bei Ebbe Tiefststand ist kiten nur schwer möglich
  • Strand liegt bei NNO 25 m in der Abdeckung
  • recht teure Insel
  • keinerlei Nachtleben
  • keine „echten“ Restaurants
  • Strom nur abends
  • öfters mal kein Wasser
  • Smart SIM geht fast gar nicht, Globe soll besser sein

 

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