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Schafft die festen Schulferien ab!

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Was kommt eigentlich nach einem Leben voller Reisen? Kleine Reisen? Heimreisen? Gar nicht reisen? Eine Eiszeit? Oder einfach weiter reisen? Auf einer kleinen Reise zu einem guten alten Kiter-Freund hinter der Schwäbischen Alb bemerke ich, dass ich das gesamte Jahr gerade mal 1:40h Kitesurfen war. Das ist der niedrigste Wert seit einem Viertel Jahrhundert – und deutlich zu wenig für ein gutes Leben sowie eine gesunde Körperspannung.

Doch mein Vater ermahnt zur Übernahme von Verantwortung. Also machen wir vier Tage Familien-Kurzurlaub mit Zelt in Baden-Württemberg statt einer Solo-Flugreise mit den Kites. Die kleine jubiliert mit den drei Kindern unserer Freunde. Wir eruieren in kurzen und trotzdem viel zu langen Nächten gemeinsam mit den Freunden, was an familientauglichen Kiterzielen zur Ferienzeit noch leistbar übrigbleibt.

Warum kann nicht jede Familie mit schulpflichtigen Kindern einmal im Jahr zwei bis drei Wochen abseits der Ferien Urlaub machen? Mit etwas Kontrolle und digitalem Lernen sollten kaum Wissenslücken entstehen. Meinetwegen mag selber schulen, wer das kann.

Doch was macht Deutschland? Es erstattet gerade eben erst Anzeige gegen zahlreiche Familien, die mit ihrem schulpflichtigen Kind drei Tage vor Ferienbeginn in den Urlaub fliegen. Hallo? Drei Tage! Eine typische letzte Schulwoche vor den Sommerferien: Montag Minigolf, ausgefallen. Dienstag Freibad, ausgefallen. Donnerstag um 9:30 Uhr Schicht im Schacht. Werte Paragraphenreiter: was ist in eurer Kindheit eigentlich an den letzten drei Schultagen vor dem Beginn der Sommerferien so verdammt schief gelaufen? Waren es die drei Schulaufgaben? Oder doch einfach nur ein gemütlich recht Unterrichts-befreit ausklingendes Schuljahr?

Das Baden-Württembergische Schulministerium hat gerade bemerkt, dass 20 Jahre lang 1.400 Vollzeit-Lehrstellen aufgrund eines „IT-Fehlers“ nicht neu besetzt wurden. Man muss die Polizei am Flughafen Stuttgart schon verstehen: Wenn schon die Lehrer nicht da sind, dann sollen doch bitte wenigstens die Schüler vor Ort die Freistunden vor den Sommerferien absitzen! Die Eltern hätten einfach durch die Vorverlegung ein paar hundert Euro – und oft mal schnell 50% auf vier Tage – sparen können.

Schule ist vor allem für die sozialen Kontakte wichtig. Aber eben auch für das gemeinsame lernen. Sich helfen. Füreinander dasein. Das habe ich als Lehrer für Medien nach Corona recht heftig lernen dürfen. Etwas derart komplexes und sich fortlaufend weiter entwickelndes wie die schulische Bildung sollte nicht in ein rigoroses zeitliches Korsett wie Schulferien gezwängt werden. Meine Argumente?

Feste Ferienzeiten sorgen für konzentrieren Tourismus. Sie sind per se maximal umweltschädlich und unverträglich. Feste Ferienzeiten machen daheim und in der Ferne nichts als Probleme. Gerade mit den immensen Preissteigerungen nach Corona und gerade in Deutschland haben schlechter verdienende Familien heute oft einfach keine Möglichkeit mehr, irgendwie den Familienurlaub zu doppelten und dreifachen Preisen zu stemmen. Warum sollten die nicht ein paar hundert Euro extra übrig haben, wenn sie ein paar Tage früher abreisen und im Urlaub abseits der Schulferien das online Lernen ihrer Kinder drei Stunden täglich betreuen? Ach ja: wann kommt endlich der Livestream aus dem Klassenzimmer?

Reduktion von Klassengrößen. Gerade heute, wo praktisch jeder Lehrer zunehmend über zu hohen Anteil an förderbedürftigen Schülern aus anderen Ländern klagt würde eine temporäre Reduktion der Klassengrösse über angekündigte und genehmigte Abstinenzen die Lage entschärfen. Die Lehrer könnten sich besser um weniger Schüler kümmern und diese mehr fördern.

Zusammen lernen! Die Ferien sind die einzige Zeit, in der die Eltern Zeit hätten, gemeinsam mit ihren Kindern zu lernen. Aber die Schule ruht nun mal in den Schulferien. Nur bei einem Familienurlaub abseits der Schulferien könnten die Eltern sich zielgerichtet und „live“ in die Bildung der Kinder einbringen. Ich würde das gerne tun. Aber glaubt auch nur einer von euch wirklich, das Kind würde sich in den Schulferien über zusätzlichen elterlichen Lernsupport freuen? Sicher nicht! Das ginge nur zu Unterrichtszeiten, also abseits der Schulferien.

Also, wertes Deutschland? Warum genehmigen wir (wenigstens den guten Schülern) nicht zwei bis drei Wochen Ferien abseits der Schulferienzeiten? Bei Schulaufgaben darf natürlich keiner fehlen. Hausaufgaben müssen digital eingereicht werden. Die Eltern müssen garantieren, dass Ihre Kinder auch in den „Ferien“ weiter lernen und betreut werden. Was ist so verdammt schwer an ein bisschen Flexibilität?

In knappen 35 Grad verbringen wir drei Tage Camping-Ferien an einem kleinen See, auf Bergen, in einer Höhle und auf einem Bauernhof. Nachts rauschen die Perseiden unter unseren Freudenschreien über den Sternenhimmel. Aus dem Plan, die obere Donau mit unersem neuen Kanu zu befahren wird mangels Wasser leider nichts. Wenigstens bricht das tagelang angekündigte Mords-Gewitter erst auf der Rückfahrt in der Holledau über uns herein.

Ich arbeite. Freue mich über den Heimatbesuch weltreisender Freunde. Biete mich online als Kitereisen-Planer an. Ich träume vom Reisen und suche irgendwelche Flüge in windige Kite-Spots, die noch irgendwie leistbar sind. Doch auch abseits der Schulferien bleiben dieses Jahr alle Flüge einfach viel zu teuer. Preissteigerungen von leicht 50% plus gegenüber dem Vorjahr sind bei Flügen in den Sinai heute der Standard. Aber für einen 3,5h Flug ohne Wasser bin ich einfach nicht bereit, das gleiche zu zahlen, wie vor zwei Jahren für einen 16h Flug auf die Philippinen mit gutem Essen…

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