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Im Warpo Sardo nach Cagliari

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#763
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2025
Di.
22:36
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Sardische Tempolimits kannst du nicht begreifen. Du kannst sie nur ignorieren. Auf der langen Fahrt zurück in den Süden zum letzten Stop unserer gut zweiwöchigen Reise über 1.850 km wird das mal wieder fast schmerzhaft deutlich.

Sardische Tempolimits sind Dadaismus in seiner reinsten Form: komplett sinnbefreit. Eine höhere Macht hat sie der Legislative aus großer Höhe direkt ins Hirn geschissen. Dazwischen lag ein Gewitterzelle. Die Kacke gefror darin. Durch ihre nunmehr härtere Konsistenz wurden im Hirn der sardischen Legislative beim Einschlag leider irreparable Schäden im Gefahrenzentrum verursacht.

Eine gute breite Landstraße im sardischen Nirgendwo, frequentiert von zwei Autos pro Stunde. Ein Schild warnt ACHTUNG! BODENWELLE! Tempolimit: 30 km/h. Wie die Surfer am Dropin wartest du jetzt auf die Welle. Du wartest. Und wartest. Kriechst. Schaust. Dann wartest du mal. Aber. Die. Welle. Kommt. Nicht. Sie kommt NIE!

Was aber kommt? Schilder. Unglaublich viele Schilder. 30km/h. Jeden Kilometer. ACHTUNG! BODENWELLE. Jetzt aber. Wirklich? Über geschlagene 30 km! Auf einer acht Meter breiten Landstraße mit wenigen milden Kurven.

Die Folge? Wirklich keiner hält sich an irgendein Limit. Selbst elektrische Rollstühle rasen lange Kondensstreifen hinter sich herziehend auf der Autobahn an dir gen Horizont vorbei. Irgendwann erschrickst du noch nicht mal mehr ob deren Überschallknall.

Szenenwechsel. Eine wirklich schmale kurvige Gebirgsstraße. Hier darf mann dann auf einmal die vollen 90 km/h fahren. Theoretisch. Bei Haarnadelkurven vom Radius einer Kloschüssel im Abstand von 50 m ist das leichter gesagt als getan. Plötzlich reimt sich Reisezeit auf Relativitätstheorie.

Nebenbei sei noch bemerkt, dass die sardische Legislative zwar vor AUSNAHMSLOS JEDEM inexistenten Schlagloch schon 15 Lichtjahre vorher warnt. Doch wenn sie das einmal NICHT tut, so kannst du dir absolut gewisslich sein, dass du binnen maximal 30 Sekunden im nächsten Schlagloch vom Ausmass eines Grand Canyon einen Achsbruch erleiden wirst.

Spass beiseite. Alles nur Quatsch. Hatte einen massiven Unterzucker auf Rückreise von Sardinien seit sechs Uhr Morgens. So. Halber Liter Cola und gut ists…

NICHT. Autobahn nach Cagliari. Baustelle. Tempo 30, claro. Keiner hält sich dran, claro. Auch ich fahre über einige Kilometer fast 70. Kommt ein Truck von hinten mit Tempo locker 100. Fährt bis auf einen Meter auf. Lichthupe. Claro. Wenn mich jetzt ein Carabinieri aufhält und mich fragt warum ich rase, kann ich ehrlich antworten „Um das Leben meiner Familie zu schützen.“. So. Fertig. Abwischen!

Cagliari ist groß, steil, schön und voller Kultur. Das Fenster unserer Zimmers blickt direkt auf eine im zweiten Weltkrieg halb zerbombte Basilika aus dem sechsten Jahrhundert. Wir wohnen gerade mal einen Kilometer vom Zentrum entfernt mitten in der ParkWarZone. Ich bin heilfroh, als ich den Mietwagen einen Tag vor Abflug nahe dem Flughafen abgebe. Der Vermieter schaut mich ob der 1.850 km binnen zwei Wochen noch nicht mal mit dem sonst häufig hochgeschätzten Dackelblick an. Warp Sardo fordert eben seinen Zoll.

Der Zug bringt mich ratzfatz für fast nix zurück ins Zentrum. An den Fenstern fliegen letzte Flamingos vorbei. Eine letzte Tour durch die wirklich beeindruckende Altstadt mit ihren engen Gassen zwischen ehrwürdigen sechsstöckigen Gebäuden. Das Ristorante da Sarah verzaubert uns mit zwei opulenten Drei-Gänge-Menüs für wenig Geld. Unser Schlumpf findet das Wort „Cozze“ lustig. Und futtert Miesmuscheln bis zum Platzen. Zwei Menüs gewinnen haushoch gegen drei Menschen…

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