An der Grenze zwischen Bosnien und Kroatien schmelzen wir ein letztes Mal in 36°C eineinhalb Stunden im Stau wartend dahin. Zurück im Königreich des EU-Roamings suchen wir den vorletzten Stop der Reise aus.
Ende Juni drehen fast alle Campingplätze in Kroatien und Slowenien vollkommen durch. 50 bis 100 € am Tag für Zelt, zwei Erwachsene und ein Kind – ohne Auto und Strom – sind der Standard. Ein einziger Platz akzeptiert noch unsere ACSI Card für gemäßigte 25 €.
Der Zeltplatz direkt am Ufer der Kolca erweist sich als Volltreffer. Der Fluss ist voller Fische, Enten, Schwänen, Binsen und Seerosen. Etliche natürliche Wehre, Schatzinseln und kleine Wasserfälle formen Peter Pans Abenteuer-Badeplatz. Von einigen Schwingseilen, der Brücke und den Holzstegen am Ufer springen Kinder ins Wasser. Blaue Libellen schwirren um das klappernde Mühlrad. Der Untergrund ist hier Karst. Scharfkantige Felsen mit fiesen Löchern liegen im Fluss. Campslapic.hr wurde trotzdem zurecht mit Auszeichnungen geradezu überschüttet.
Ein letztes Mal bauen wir das Zelt ab. Auf unserem 40-tägigem Roadtrip haben wir in Albanien und Montenegro zehn Tage Appartments gemietet. Den Rest haben wir gezeltet. Bis auf ca. 500 km sind wir alles auf mautfreien kleinen Landstraßen gefahren. In Albanien sind die Autobahnen gratis und wirklich ratsam.
Süd-Slowenien ist das Schlumpfhausen des Balkans. Fast jeder hier ist Selbstversorger. Die Gemüsegärten sind klein aber sehr ertragreich. Die Gegend ist arm, und viele alte Häuser in den kleinen Dörfern reichlich kaputt. Unser letztes Bargeld geben wir in einem Dorfladen für zwei günstige Cappuccinos aus. Die Dorfältesten davor begrüßen uns auf Deutsch.
Reisende kommen hier selten durch. Fast alle nehmen die Autobahn. Die Maut von Bayern via Mittelmeerküste bis in die südliche Peloponnes wären um die 150 € pro Fahrt gewesen. Das hätte von unseren 35 mautfreien Stunden Gesamtfahrzeit aber gerade mal sieben Stunden gespart – und viele wunderschöne Routen und Eindrücke gekostet. Diese Abwägung machte uns die Entscheidung einfach. Ein guter Roadtrip will einfach Landstraßen.
Letzter Stop des Roadtrips ist der Wörthersee. Wir besuchen gute alte Kiterfreunde, die wir ohnehin viel zu selten sehen. Erstmals einen trotz Spartarif immernoch heftigen Eintritt zum Strandbad zu zahlen nennen wir jetzt lustiges Heimkommen. The best things in life are free – und Deutschland fährt nach Hause.
Die ganze Zeit habe ich der kleinen erzählt, dass man Heimat erst so richtig nach einer langen Reise zu schätzen weiss. Die Brezen. Die Freunde. Den Regen. Manchmal bist du richtig überrascht von der Heimat. Irgendwie scheint mir Google Maps jedes Mal die kleinstmöglichen und verwinkeltsten Straßen Bayerns nachhause zeigen zu wollen. Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur ein einziges von sicher einem Dutzend Malen aus Richtung Traunstein kommend die gleiche Strecke heimgefahren zu sein. Als würde Dir die KI sagen wollen: „Deine Heimat ist groß.“.



















Frank Woelky, Jahrgang ’73. Kitesurfer seit 1998. Seit 2006 bringe ich Kitesurfen und Webdesign auf mehrmonatigen Reisen abseits ausgetretener Pfade unter einen Hut.