Auf der Reise nach Norden in den Una Nationalpark durchqueren wir das Livno Karstfeld. Es ist mit 65 mal bis zu zehn Kilometer das größte periodisch überschwemmte Karstbecken der Welt. Die Landschaft erinnert stark an die zentrale Ebene der Neuseeländischen Südinsel: unendlich flach, weit und jetzt im Sommer trocken. Nur der alle viertel Stunde entegegenkommende uralter Lada Jeep sagt dir, dass du woanders bist.
Genau hier verlief die hart umkämpfte Frontlinie im Bosnienkrieg von 1991 bis 1995. Das Livno Becken ist kaum bewohnt. Auf vier im Krieg zerstörte oder einfach aufgegebene Häuser kommt ein eventuell noch bewohntes. Die Serben wurden im Krieg fast vollständig vertrieben.
Im südlichen Teil des Livno Beckens sind ausnahmslos alle kyrillisch Namen auf den Ortsschildern von nationalistischen Bosnischen Kroaten übersprüht worden. An fast jedem Haus hängt eine Kroatische Flagge. Der Krieg ist hier nicht vorbei. Doch wir fahren nach Una. Una heisst auf Spanisch „eine“.
Nationalismus und Gesetzestreue scheinen ein Dreamteam zu sein. Ausnahmslos jedes Dorf südlich des Livno Beckens hat feste Blitzer. Das ist einmalig, und genauso die Tatsache, dass keiner mehr rast. Erst im menschenleeren Livno Becken zünden wir wieder den Afterburner.
Über ein paar kleine Pässe geht es auf und ab bis zu einer eigenartigen Straße, die über gut 30 km ohne irgendein Haus einfach durch den Wald geht. Am Ende führen ein paar Serpentinen ins Una Tal. Es ist klein, grün und dünn besiedelt. Der Campingplatz Aqualand hat gerade mal fünf Stellplätze und ein gutes kleines Restaurant. Unser Zeltplatz für gerade mal 15 € liegt im Schatten der Bäume direkt am Ufer der eiskalten und fischreichen grün-blauen Una. Das andere Ufer gehört schon zu Kroatien.
Zum Ende unseres weiten anstrengenden Roadtrips fahren wir nochmal richtig runter. Das Kanu schreit nach Freiheit. Auf zwei Flusswanderungen paddeln wir durch wunderschöne Natur einen Kilometer bis zur nächsten natürlichen Staustufe flussaufwärts und den Wasserfällen von Buk drei Kilometer flussabwärts. Die Una steht fast vollkommen still. Enten, rülpsende Frösche, Reiher und blaue Libellen. Singvögel en masse. Ein Waschbär springt vor Steffi ins Wasser.
Die Luft glüht in knapp 40°C. Das 13°C kalte Wasser der Una ist hochwillkommen. Kaum bist du im Fluss, berührst du immer wieder die Fische mit den Händen. Wir schwimmen ein paar Mal rüber nach Kroatien. Fliegenfischer ziehen weiter oben am Fluss dicke Brocken an Land. In der Nacht hören wir einen Adler. Selbst Braunbären und Wölfe gibt es hier noch.
Hauptattraktion ist der Una Nationalpark mit seinen knapp 25 m hohen Wasserfällen von Buk am Nordende des Tales. Die acht Euro Eintritt sind gemessen an den 40 € Raubritter-Zoll der nahen Plitvicer Seen zwar leistbar. Aber ich frage mich trotzdem, mit welchem Recht ein Mensch dem anderen die Schönheiten der Welt vorenthalten darf. Ich zahle gerne für Instandhaltung von Wegen . Aber nicht für etwas, das jedem gehören sollte.
Vom Buk Wasserfall aus klettern wir etwas auf einem Trail am Flussufer nach Norden. Zu sehen gibt es wenig. Der Pfad läuft permanent steil bergauf und -ab durch den Wald. Ich mutiere selbst zum Wasserfall. Auf dem Rückweg erspähen wir etlich Rafts direkt an der Abbruchkante des großen Wasserfalls. Die Guides schmeissen die Rafts runter. Am Ende springen sie selbst kopfüber knapp 25 Meter in die Tiefe. Vergesst die Brückenspringer von Mostar! Die wirklich harten Burschen springen hier, und zwar ohne Trinkgeld!
Das erste mal auf diesem großen Roadtrip schaffe ich es , einen Bericht unmittelbar zu schreiben. Um 4:50 morgens. Wie schaffte ich das damals auf der Weltreise? Fast jeden Tag nach Reisen und Arbeit verfasste ich einen frischen Bericht…













Frank Woelky, Jahrgang ’73. Kitesurfer seit 1998. Seit 2006 bringe ich Kitesurfen und Webdesign auf mehrmonatigen Reisen abseits ausgetretener Pfade unter einen Hut.