Von Olympia geht es weiter über kleine Straßen im Landesinneren der Peloponnes nach Patras. Die Roro-Fähren nach Andirrio sind recht schnell be- und entladen. Wir erwischen diesemal leider die „rückwärts rauf“ Fähre. Hier dauert alles deutlich länger – bei fünf Zentimetern Abstand zum nächsten LKW.
Unser Weg ist heute sehr weit. Wir nehmen erstmals ein großes Stück Autobahn. Ab Ioannina wird die Autobahn A2 recht spektakulär. Sie besteht hier fast nur noch aus Brücken und Tunneln. Auf bis zu 1.050 m Höhe führt sie tief ins Pindos Gebirge.
Skiresorts liegen an der Strecke. Wir kommen in die Wolken. Vor dem Bau der A2 musste man über den 1.700 m hohen berüchtigten Katara-Pass fahren. Würde ich auch gerne machen. Aber selbst mit heute größtenteils Autobahn sitzen wir fast sieben Stunden im Auto. Ich bin super stolz auf unseren Schlumpf. Sie verliert auch an langen Reisetagen fast nie ihre gute Laune. Sie ist eine großartige Reisende.
Auf der Passhöhe endet die A2. Es geht über Landstraße im LKW-Convoy gefangen über 60 km runter in das auf 250 m Höhe gelegene Kalambaka. Der Campingplatz Meteora Garden bietet einen Pool mit Panoramablick auf die Sandsteinfelsen von Meteora. Wir bauen das Zelt auf, hüpfen in den Pool und stürmen abends gleich ein erstes mal Meteora.
Unerwarteterweise gibts zu den heute noch bewohnten sechs Klöstern von Meteora eine gute Straße. Die braucht es auch. Zu den Panorama-Hotspots bringen große Busse zum Sonnenuntergang hunderte Besucher. Einige Stellen hier sind dichter belegt als die Sonnenfelsen einer Robbenkolonie. Aber leere Stellen zu finden ist auch jetzt noch möglich.
Wir hatten keinerlei Ahnung, was uns erwartet. Der Roadtrip mit Kind und im Schnitt allen zwei bis drei Tagen einem neuen Campinplatz ist sehr anstrengend. Ich komme kaum mit dem schreiben nach. Oft planen wir den nächsten Stop erst am Vorabend. Für weitere Vorbereitungen wie Einlesen in Geschichte bleibt meistens keine Zeit. Die natürliche Folge sind Überraschungen.
Die höchsten und steilsten Felsen von Meteora haben keine Klöster. Hier wird nur geklettert. Das Dorf am Fusse der Sandsteinfelsen heisst Kastrati. Zusammenhang? Gute Kletter wurden Mönche. Der gescheiterte Rest eröffnete als Eunuchen Herbergen im Tal.
Die Spitzen mit den ab dem 14. Jahrhundert gebauten Klöstern oben drauf liegen recht weit voneinander entfernt. Hätte man eigentlich erwarten sollen. Welcher Eremit will schon permanent die Echo-Rufe der Nachbarn hören? Der kleine Schlumpf findet heraus, dass das Echo hier oben an manchen Stellen zwei mal zurückkommt. Wenngleich die Klöster gegen 15:30 für Besucher schliessen, so tragen die Mönche sicher trotzdem ganztags Ohropax. Ausserdem haben sie furchtbar dünne Wadeln unter den Kutten. Jedes Meteora Kloster verfügt heute über einen Aufzug oder eine Seilbahn.
Wir besichtigen nur das grosse Meteoron Kloster von innen. Schon am frühen morgen ist es recht voll. Eine große Gruppe reicher Chinesen in Vollverschleierung stellt einen neuen Rekord auf: sie schaffen alle sechs Klöster in unter zwei Stunden.
Wir sind heilfroh, gleich nach der Ankunft am ersten Tag auf den Berg gefahren zu sein. Die Felsen glühten rot im Sonnenuntergang. Am zweiten Tag ziehen Wolken auf. Wir versuchen die kleine für eine Wanderung zum verlassenen abgelegenen Kloster von Υπαπαντής zu verführen. Doch heute hat sie einfach mal überhaupt keinen Bock und bleibt mit Mama am Pool.
Ich gehe zweieinhalb Stunden um die Felsen von Meteora wandern. Der Pfad führt durch einen Wald mit knorrigen moosbewachsenen Eichen. Vögel singen. Unmengen Bienen summen überall. Das Kloster liegt einsam in einer Felswand. Kein Mensch ist hier. Leichter Regen setzt ein. Was vorher einfach nach vielen Kräutern roch explodiert jetzt als Regeneintopf in der Nase. Ich bin glücklich.
Nach gut zwei Wochen geht unsere Zeit in Griechenland zuende. Wir fahren erfüllt und erschöpft weiter über hohe Berge Richtung Albanien und Heimat…
























Frank Woelky, Jahrgang ’73. Kitesurfer seit 1998. Seit 2006 bringe ich Kitesurfen und Webdesign auf mehrmonatigen Reisen abseits ausgetretener Pfade unter einen Hut.