Der Weg soll weiter unser Ziel sein. Daher wollen wir die Peloponnes auf kleinen Landstraßen von Norden nach Süden duchqueren. Bei Diakopto verlassen wir die Küste und fahren durch die Schlucht von Voraikos steil bergauf ins Landesinnere.
Die Felswände glühen rot in der Morgensonne. Ab der dritten Haarnadelkurve mutiert der Berg zum Gugelhupf. Die Absturzhöhe beträgt wenigstens 50 m. Absicherungen gibt es gar keine – genausowenig wie das erste Mal in Griechenland Verkehrstoten-Gedenkstätten. Vermutlich liegen sie einfach 200 m tiefer im Canyon.
Wir sehen keine Autos, nur verschlafene Gebirgsdörfer, Natur pur und über mehr als einen Stunde nur einen einzigen Menschen. Der alte Ziegenhirte gibt uns in Zeichensprache zu verstehen, dass die Straße weiter im Süden komplett gesperrt ist. Es gab keinerlei Hinweisschilder. Nicht mal Google Maps weiss was davon.
Frustriert fahren wir von über 750 m Höhe wieder 25 km Serpentinen zurück ans Meer. Die Autobahnen in Griechenland sind gut in Schuss, tödlich langweilig und schweineteuer. Eine Stunde „Zeitersparnis“ kostet satte 20 € plus mehr Sprit. Wir rauschen vorbei am Kanal von Korinth, an Mykonos und Sparta.
Nach gut vier Stunden erreichen wir unser Ziel Gythion Bay Camping. Der Luxus-Campingplatz mit Pool und Surf/Kite Storage liegt direkt am Mavrovouni Strand. Meeresschildkröten legen hier jede Nacht ihre Eier. Tagsüber kocht die Sonne dann Schildkröteneier. Der Sand glüht am sechs Kilometer breiten Strand. Schildkröten, Schwimmer, Kiter und Windsurfer leben fast vollkommen ungeregelt im Einklang.
Sowohl der aus Westen über die Berge blasende Meltemi als auch südlicher Wind scheinen thermisch verstärkt zu werden. Meisten wird der Wind gegen 14.00 Uhr stärker. Der Meltemi aus Westen war am ersten Tag extrem löchrig. Spitzen um 25 Knoten sind durchsetzt von 5 Knoten Löchern.
Vier Kilometer weit draußen am Meer fällt mir in einem Loch der 10er XR ins Wasser – und kommt auch mit allem Frontline-Ziehen einige Minuten lang nicht mehr hoch. Mein Puls umso mehr, denn eine kurze Peilung sag: ich werde am Kap vorbeitreiben. Als er endlich wieder zieht geniesse ich schnell noch das Panorama zurück zum Strand. Auf dem gut 2.400 m hohen Profitis Ilias bei Sparta liegen noch letzte Schneereste. Hier unten hat es 30`°C. Das ist weltweit einmalig, denn sowohl in Hood River als auch Vancouver kitest du garantiert auch im Hochsommer nur mit Neo.
Auf den letzten 100 m vor dem Strand hört der Wind fast vollstândig auf. Amis würden den Wind „holy“ nennen. Ich sag einfach „scheisse“. Zwei Athener Brüder bestätigen das.
Der Schlumpf tobt mit vielen anderen Kindern jeden Tag stundenlang im Pool. Sie ist im Himmel. Das Restaurant serviert richtig geile Speisen zu guten Preisen. Die Taverne daneben noch mehr. Ich frage mich, wie sie das machen. Essen kostet im großen Supermarkt in Griechenland dieses Jahr locker 1/3 mehr als in Deutschland.
In Spanien zahlst du bei jedem Essen erst mal zwei Euro fürs Besteck. In Griechenland gibts zu hervorragendem und günstigen Essen in mancher Taverne noch gratis Wasser, Brot, Nachtisch und nen Ouzo oben drauf. Das ist eine Gastfreundschaft und Leistung, die mir gerade wegen dem seit dem Ukrainekrieg kaum bezahlbarem Leben der Griechen selbst einfach unerklärlich ist. Aber es macht unglaublich viel Hoffnung, dass die Welt an manchen Orten eben doch noch ein kleines bisschen in Ordnung ist.
Der letzte Tag bringt nochmal 16 Knoten laminaren Südwind. Ich ziehe kilometerlange Bahne durch die Bucht und blicke auf Profitis Ilias. Das ist der Südpol unseres Roadtrips. Ab jetzt beginnt ganz langsam die Heimreise…





















Frank Woelky, Jahrgang ’73. Kitesurfer seit 1998. Seit 2006 bringe ich Kitesurfen und Webdesign auf mehrmonatigen Reisen abseits ausgetretener Pfade unter einen Hut.