Ein Local bat mich, nichts über Cape Drepano zu schreiben. Ich mache es trotzdem, denn keiner der gelesenen Berichte sagte auch nur ansatzweise, wie gefährlich der Spot ist. Für wenigstens 95% aller Kiter ist Cape Drepano definitiv nichts.
Wir reisen früh von Lefkada ab und kommen dank einigen mautfreien Kilometern Autobahn recht zügig nach Süden voran. Den Rest fahren wir die alte Nationalstrasse bis Andirrio. Menschenleere Geisterdörfer neben der Autobahn erzählen vom Verlust aller Einnahmen.
In Andirrio nehmen wir die alle 20 Minuten ablegende Autofähre auf die Peloponnes. Der Schlumpf jubelt beim Anblick der doppelt so teuren Brücke. Nach weiteren 30 Minuten Landstrasse kommen wir im schönen aber teuren Tsolis Camping an.
Der Zeltplatz liegt in einem terrassierten Hain mit Panoramablick auf den Golf von Korinth. Es gibt keinen anderen oder gar näher an Cape Drepano gelegenen Campingplatz in der Umgebung. Nach 20 Minuten Anreise sind wir bei guter Vorhersage mittags die ersten am Spot. Der letzte Teil des Weges ist eine Schotterpiste mit ein paar tiefen Löchern. Wir setzen auf.
Cape Drepano ist sowas wie „herbe Industrieromantik“. Die Rio Andirrio Brücke liegt gerade mal sechs Kilometer westlich im Luv hinter der 100 m langen Kiesbank. Direkt dahinter liegt ein abgesperrtes großes Zementwerk, vor dem auch heute große Schiffe beladen werden.
Östlich Cape Drepano schloss 2005 eine Fabrik für Asbestzement. Rund 80% von mehreren hundert Arbeitern dort starben und sterben noch immer qualvoll an Krebs. Noch heute finden wir Eternit-Bruchstücke am Strand von Cape Drepano. Gebunden in Zement ist der Asbest zwar nicht gefährlich. Aber auch Eternit zerfällt irgendwann. Das ehemalige Fabrikgelände ist stark belastet und liegt zum Glück im Lee von Cape Drepano. Ein wohliges Gefühl stellt sich bei mir trotzdem nicht ein.
In Cape Drepano gibts einen großen unbefestigten Parkplatz, an dem wohl ab und an auch wild gecamped wird. Zwei mitten am unbeschatteten Kiesstrand stehende Duschen funktionieren. Ein Dixie stinkt zum Himmel. Zwei Matten mit ingesamt zehn mal drei Metern dienen dem Aufbau. Mehr gibt es nicht.
Legendär wurde Cape Drepano in den letzten Jahren und vor allem unter Pro Kitern vor allem aus zwei Gründen: 300 Windtage im Jahr mit wegen Düse und etwas Thermik durchaus mal 25 und mehr Knoten. Zweitens wegen einem in weitem Umkreis einmaligen kleinen Flachwasserbereich.
Der Stehbereich beträgt nur fünf Meter. Der Startbereich ist mit maximal sieben Metern bis zu Betonbänken und parkenden Autos sehr eng. Zudem liegt etwas Gestrüpp und auch etwas gebrochener spitzer Bambus rum.
Wir gehen kurz auf die Sandbank raus. Die einsetzende Flut verstärkt die ohnehin schon leicht drei km/h Strömung noch weiter. Es fühlt sich an, als würde man in einem Gebirgsfluss stehen. Weiter draußen im Golf von Korinth soll die Strömung noch stärker sein.
Der Wind in Cape Drepano bläst in der Regel side offshore. Wenn du es hier verkackst, dann verkackst du es auf jeden Fall richtig. Sogar die Cracks brauchen ab und an Fremdhilfe um ihre Boards wiederzubekommen. Gegen die Strömung kann man nicht anschwimmen. Als einziger Notausstieg liegt ca. 800 m weiter ein kleiner Strand voller Schirme und Liegestühle. Bis dahin steht der wald bis direkt an die Küste.
Bei Flut wird die Kiesbank auf der gesamten Länge überspült. Dahinter wird dann aus Flachwasser richtig fiese Kabbelwelle. Einzig auf den letzten 20 m in der kleinen Bucht bleibt das Wasser flach.
In Cape Drepano fahren nur Freaks und Pro Rider. Ich bin mal wieder der Goldfisch im Haifischbecken. Oder mit fünfeinhalb Metern in 24 Knoten das Big Air Baby. Krasseste Tricks fliegen im Zehn-Sekunden-Takt in 10+ m über den kleinen Strand. Wir staunen alle ordentlich. Das Kiten hier ist ein einziges Startrampen-Karussel.
Dickes Danke an wirklich alle Locals. An solchen Spots zeigt sich oft die dunkle Seite des Kitesurfens, auch wenn du dich gut einreihst. Je besser der Fahrer, desto größer das Arschloch. In Cape Drepano überhaupt nicht. Alle waren freundlich und rücksichtsvoll.
Kitespot Cape Drepano pro:
- Je nach Tiedenstand kleiner oder größerer Flachwasserbereich
- 300 Wintage im Jahr mit gerne mal 25 und mehr Knoten
- Einfach Zuschauen macht schon riesig Spass
Kitespot Cape Drepano contra:
- Sehr enger Start-/Landeplatz mit ein paar spitzen Bambus-Bruchstücken
- Windrichtung sideoff
- Starke Strömung
- Kaum Stehbereich
- Schwieriger/kein Notausstieg
- keinerlei Rettungsboot
- Kaum Infrastruktur
- Heftige Schotterpiste auf den letzten Metern
- Altlasten aus Asbestzement-Werk




















Frank Woelky, Jahrgang ’73. Kitesurfer seit 1998. Seit 2006 bringe ich Kitesurfen und Webdesign auf mehrmonatigen Reisen abseits ausgetretener Pfade unter einen Hut.