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Die Sterne über der Wüste Sinai

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#757
0810
2024
Di.
23:20
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Einen der letzten windstillen Tage vor der Abreise nutzen wir für eine Jeep- und Wandertour in der Wüste Sinai. Im Hotel zahlt man für so einen Trip leicht 40 und mehr Euro. Wir haben gebucht über Masha in der Facebook Gruppe Dahab Digital Nomads. Bei fünf Leuten kostet der Ganztagestrip inclusive Abendessen am Feuer unter dem Sternenhimmel in der Wüste Sinai gut 20 Euro. Was Ihr sehen wollt könnt ihr selbst bestimmen.

Los geht es zur heftigsten Mittagshitze. Auf der Müllkippe vor Dahab brennt der Plastikmüll in bestem Mad Max Endzeit-Stil. Überall hier draußen liegt der Plastikmüll herum, für den wir Reisende zu einem großen Teil verantwortlich sind. Wasser im Glas gibt es nirgends zu kaufen. Aktivisten rufen einstweilen zum Beach Cleanup in Dahab auf. Was soll das bringen? Einige Menschen sehen weniger Müll An Hotspots? Und kümmern sich überall noch weniger…

Im Hotel wird alles sauber getrennt, um danach auf der Müllkippe gemeinesam unter freiem Himmel verbrannt zu werden. Praktisch jedes bessere Hotel hat einen Pool mit Süsswasser auf fossil betriebenen Meerwasserentsalzungsanlagen. In der Wüste! Was kann man besser machen? Gar nicht mehr Reisen wäre wie nur noch im unverpackt-Laden einkaufen. Beides ist keine Lösung. Die Lösung kann nur sein, für die breite Massen einen radikal besseren Standard zu erreichen. Plastik muss weltweit verboten werden. Ich brauche keinen Pool und dusche gerne mit Salzwasser. Bis dahin regiert Hilflosigkeit.

Der Jeep mit seinen zwei Querbänken bringt uns durch etliche Militärkontrollen ca. 80 km ins Landesinnnere nach Norden. Wir wurden aufgefordert unsere Pässe mitzunehmen. Auf dem ersten Teilstück geht es über asphaltierte Straßen. Dann biegt der beduinische Fahrer ab in die Wüste. Der weiche Wüstensand wird schnell tief. An einigen Steigungen brauchen wir mehrere Anläufe.

Der erste Stop ist der Colored Canyon. Eine Öltonne voller Plastikflaschen ist die lokale Müllverbrennungsanlage. Auf dem Weg zum und auch überall im Canyon liegen Zigarettenstummel. Wie egal muss einem Schönheit sein, um derart hirnlos den kompletten Planeten zuzumüllen? Der Colored Canyon ist relativ einfach und kurz zu durchwandern. Roter Sandstein wurde in einmaligen Formen vor uralten Zeiten durch Wasser geformt. Ein paar Stellen sind etwas enger, manchmal muss man klettern.

Die heftigste Mittagshitze verbringen wir im fast schon kühlen Schatten des Canyons. Am Ausgang des Canyons verkauft eine alte Beduinenfrau im Schatten eines Dornbusches kleine Schmuckstücke für wenig Geld. Unserer Fahrer holt uns ab und bringt uns zum nächsten Ziel.

Der White Canyon ist deutlich größer, tiefer und länger. Schon der Einstieg ist recht happig. Über gut zehn Meter geht es an einem Seil und einer Leiter senkrecht runter in den schneeweissen Canyon. Enge Stellen, breitere Bereiche und vereinzelte Büsche lösen sich ab. Überall sind Tierspuren zu finden. Niemand außer uns ist hier. Einige Bereiche sind schon etwas heftiger zu durchklettern. Nach einer guten dreiviertel Stunde unter bis zu 50 Meter hohen Wänden kommen wir an einem altem trockenem und unüberwindbar hohen Wasserfall an.

Jetzt klettern wir wieder seitlich aus dem Canyon heraus und folgen dem unteren Lauf des alten Flusses zur Nomad Oase. Das Echo meiner Jodler von den Felswänden ist gigantisch. In der Oase leben heute noch zehn Menschen. Ein Mobilfunkmast verkündet die Zivilisation. Zwei Beduinenfrauen verkaufen wieder lokale Kunst für wenig Geld. Wir pflücken frische Dattel aus einer Palme und trinken guten Tee. Eine Katze schnurrt sich auf meinem Schoss in den Schlaf. Der Halbmond geht hinter rot glühenden Bergen im Sonnenuntergang auf.

Wir wandern nochmal eine gute halbe Stunde über einen alten Kamelpass. Auf den letzten Metern vor der Anhöhe gehen mir auf Kilometer acht ohne Wasser fast die Lichter aus. Im ersten Canyon hatte ich das Wasser dabei – und nicht gebraucht. Jetzt fehlt es. Die Sonne geht hinter den Bergen unter.

Unsere Beduinen entfachen ein Feuer und grillen für uns. Teppiche werden ausgebreitet, Tee wird serviert. Die Grillen im Busch nebenan legen mit ihrem Konzert los. Dann ziehen die Sterne über der Wüste Sinai herauf. Trotz dem hellem Halbmond funkeln hunderte von ihnen um die Wette. Ganz still geht eine wunderbare Reise mit guten Freunden zu Ende.

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