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Big Boys Play @ Baby Bay!

K
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#773
0610
2025
Mo.
19:35
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Nach einem ganzen Jahr fast ohne Kiten brauche ich gut zwei Wochen Rehab in Dahab, um wieder fit zu werden. Über lange Zeit bekomme ich die Kante einfach nicht richtig ins Kabbelwasser der Lagune rein. Ich schreie sie an. Mit der Zeit werden die Sprünge endlich höher.

Mich fasziniert es, wie unendlich lange es dauert, mein Sprungbein umzustellen. Es ist doch so einfach: schnell anfahren, abfallen, Kante reinhauen, Kite zurück, Pop und Abflug. Immer das gleiche, seit 25 Jahren. Doch erst hier, fünf Jahre nach der Umstellung, komme ich mit meinem „neuen“ Sprungbein wieder auf knapp neun Metern. Mit dem alten Sprungbein war das und mehr überhaupt kein Problem. Ich arbeite hart daran, meinen alten Rekord zu knacken – und freue mich wie ein Kind über jeden genagelten Sprung.

Dahab 24/25

Obwohl ich mein „gutes“ altes Sprungbein fast gar nicht einsetze ist es schon zur Halbzeit meines Monats hier recht hinüber. Ok, ein paar Transitions gingen im recht bockigen und starken Wind in Dahab unerwartet auf über sechs Meter. Die harten Landungen im niedrigen Ostende der Lagune fuhren einige Male ordentlich in die Knie.

Der Wind macht selten Pause in Dahab. Ich mutiere zum Wind-Snob. Unter 18 Knoten nenne ich jetzt „Flaute“ und arbeite. Zwei mal baue ich zwar den 13er Edge auf – aber der Wind wird jedesmal binnen Minuten leicht fünf Knoten stärker und der 13er damit deutlich zu viel. Der XR 10 ist ohnehin mein Lieblingskite. Mein Sweetspot damit liegt zwischen 25 und 30 Knoten – und genau die gibt es gleich mehrfach. An manchen Tagen dreht der Wind erst sehr spät oder gar nicht auf Nordnordost. Solange er aus Nordnordwest kommt ist er deutlich bockiger. In der Lagune wird es dann mit überforderten Schülern und bei wegen Vollmond extrem niedriger Ebbe sehr eng.

An einem solchen Tag reicht es mir. Der Wind ist stark und gut – aber der Platz einfach zu wenig in der Lagune. Ich bin reif für die Baby Bay: where the big boys play. Die Baby Bay liegt am Ende der Halbinsel vor der Lagune in einer kleinen Bucht. Der Wind kommt hier erstens stärker und zweitens voll offshore über den Strand. Dahinter liegen zehn Meter feinstes Flachwasser. Hier verkehren nur lokale Kite-Freaks und Langzeit-Dahabibis. Ich bin mit meinem einen Monat hier sicher der Goldfisch. Keiner springt unter 5 mal 30 Meter – und einige wirklich gute auch mal Kiteloop-Boardoffs in über 15 m Höhe.

Im Sekundentakt hauen sich die Kiter hier über die stark befahrene Abschussrampe wirklich hoch hinaus. Die Vorfahrtsregeln sind britisch. Rechte Hand vorne fällt ab und weicht aus. Linke Hand vorne gibt Vollgas Richtung Abschussrampe. Bei zehn Kitern ist der Flachwasserbereich schon recht gut beansprucht. Aber jeder fährt rücksichtsvoll – und verzichtet auch mal auf einen Sprung, wenn der Platz gerade nicht reicht. Sehr angenehm. Die Big Airs springen in der Baby Bay alle nur nach links – meine Zuckerseite. Nach rechts kann man zwar direkt vor dem Richtung Lee felsigen Strand auch springen – aber die Landung erfolgt dann mitten unter badenden Ägyptern. Wo dich bei uns die Wasserwacht vierteilen würde kommt hier einfach ein „ahhhhh“ aus den Mündern. In Ägypten stirbt man anders.

Mit meinen 52 Jahren und 100 kg kann ich in der Baby Bay überraschend gut mithalten. Die heute erreichten 7,5 m sind sicher noch zu knacken, denn die Rampe ist wirklich ein absoluter Traum. Sie erinnert irgendwie an den Balneario in Tarifa. Nur etwas zugemüllter – und mit zwei Dingis als Rettungsbooten. Der nächste Stop im ablandigen Wind wäre erst im ca. fünf Kilometer entfernten Happy Life Village Hotel. Aber auch wenn die Boote mal nicht da sind gehen einige Dahabibis „Alhamdulillah“ Style raus. Ich habe eine gute Stunde massig Spass, bis ich mich auf den Rückweg in die Lagune und zu den Soul Kiters mache.

Um an die Baby Bay zu kommen hast du drei Optionen. Alle sind Kacke. Option eins ist teuer, Option zwei bedeutet einen grossen unsicheren Umweg, und Option drei ist einfach gefährlich. Die teure Variante ist mit dem Taxi. Ab Dahab Lighthouse kosten die drei Kilometer Fahrt wegen der Schotterpiste auf den letzten Metern nette 200 EGP, aktuell knapp vier Euro. Man kann aus der Lagune heraus auch um die Halbinsel herumkiten. Das ist die lange, aber auch nicht sonderlich sichere Variante. Das Ende der Sandbank liegt im Windschatten einiger Luxusresorts. Vor allem am Nachmittag und bei schwächer werdenden bockigen Winden ist der Rückweg wohl recht schwer. Mehrere Kiter sind schon abgetrieben.

Ich entscheide mich für den kürzesten aber auch definitiv gefährlichsten Weg. Am Südende der Lagune gehe ich direkt raus auf die Sandbank. Im Wasser davor liegen ein paar recht scharfe aber gut sichtbare Korallen. An Land gibt es direkt westlich der Lagune nur eine einzige kleine Stelle ohne scharfe Steine voller Scherben. Schaut euch den Weg unbedingt vorher ohne Kite an! Nach den Steinen geht man über 200 m Sand. Auch hier – aber vor allem bei den zu überquerenden zwei niedrigen Mauern – liegen wieder Glasscherben und auch ein paar senkrecht stehende abgeschlagene Flaschen. Auf der Meerseite muss man etwas upwind laufen, um zu einem Abschnitt mit weniger scharfen Steinen zu kommen – aber wirklich gut ist der Einstieg wirklich nur ganz am Ende der Baby Bay. Die Locals fahren vermutlich aus gutem Grund immer direkt mit dem Auto in hierher.

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