Der größte unabhängige deutsche Kitereisen-Blog - 274 Kitepots - 709 Reiseberichte.

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Ifugao-Slacklining in Banaue

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#393
1611
2011
Mi
14:52
Tag
1622
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Noch vor dem Frühstück machen wir eine kleine Wanderung zu den hängenden Särgen von Sagada. Die Ifugao beerdigen ihre Leute hängend in Felswänden oder in einer der zahlreichen Höhlen. Beim Frühstück lernen wir zwei nette Backpacker aus Holland und Italien kennen. Sie bewunderten schon gestern meine Park-Fähigkeiten. Daher halten sie mich jetzt für einen sicheren Fahrer. Wir nehmen sie mit nach Banaue.

Es regnet weiter in Strömen. Der Weg führt über einen derben Feldweg 500m tiefer ins Tal. Die Achse scheint zu überleben. Es klart kurz auf, die ersten Reisterrassen erscheinen zwischen Nebelschwaden. Dann ist die Straße wegen einem Landslide komplett gesperrt. Ein Bagger schaufelt ein paar Tonnen auf einen Truck, dann geht’s weiter. (mehr …)

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Wolkenrallye nach Sagada

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#392
1511
2011
Di
23:47
Tag
1621
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Die heutige Strecke erfordert kein Navi. Schleichen Sie 20km im Stau aus Baguio heraus. Folgen Sie 100 km geradeaus den Serpentinen entlang nach Sagada. Auf der ganzen Strecke gibt’s tatsächlich keine einzige geteerte Abfahrt und keine Gerade. Der „Highway“ führt hinauf in die Wolken auf bis über 2200 Meter. Die Temperatur sinkt auf 12 Grad.

Es schüttet in Strömen. In den Wolken beträgt die Sichtweite teilweise nur 50m. In Kombination mit den plötzlich auftauchenden durch Erdrutsche ein paar hunder Meter tiefergelegten Straßenhälften recht kurzweilig. Grandiose Spannung kommt auf, wenn die Straße komplett abgerutscht ist, und die Umleitung 50m höher als unbefestigte Schotterpiste mit freiem Blick nach unten in der Steilwand hängt. (mehr …)

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100 Islands National Park & Baguio

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#391
1411
2011
Mo
23:58
Tag
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Alles was Lonely Planet empfiehlt ist komischerweise kurz daurauf vollkommen überlaufen und doppelt so teuer. Der 100 Islands National Park toppt das. Die Hütten auf der äußersten Insel kosten jetzt vier mal soviel wie noch vor zwei Jahren. Also Bye-bye Robinson, hello daytrip. Der ist mit 17 Euro für ein paar Stunden Privat-Boottrip zu einigen der über hundert Inseln okay.

Die Inseln sind vom Meeresboden angehobene Korallenbänke, vollkommen grün überwuchert und an allen Rändern unten vom Meer angenagt. Manche schauen aus wie Schildkröten, aber die meisten wie versteinerte Hippie-Atompilze. Mein Kitezeug kommt mit auf die kleine Bangka. Wind bleibt leider weg. Aber der Trip ist auch so spitze. (mehr …)

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Chicken oder Ficken?

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#390
1311
2011
So
23:55
Tag
1619
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Um sechs Uhr morgens brechen wir auf. Bis dahin habe ich bereits drei Stunden vergeblich versucht, mein Handy als Laptop-Modem zu nutzen. Globe blockiert das Handy, sobald es am Laptop hängt. Nichts frustet Webdesigner mehr, als keine Verbindung zu haben. Das Omen eines Tagesmottos klopft an die Tür.

Wir fahren zum nahgelegenen alten Sommerhaus der Marcos. Noch geschlossen – und wirklich komplett wolkenverhangen. Wir rollen wieder runter in den Vulkankrater des Taal-Sees. Keine Straße in ganz Talisay führt ans Ufer für ein schönes Frühstück. Wir essen im Auto. Stopp an einem Einkaufszentrum. Eine halbe Stunde später macht es auf, und zwei nette Angestellte vergeuden eineinhalb Stunden vergeblich damit, mein Handy mit neuer Smart Simcard ins Internet zu schleudern. (mehr …)

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11 Millionen Gründe

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#389
1211
2011
Sa
23:23
Tag
1618
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Es gibt 11 Millionen Gründe, Manila auf Anhieb zu hassen. Manila ist groß, schwül, laut, schmutzig, und schlimmer als die Fickinger von Pattaya. Mitten in der Nacht kommen wir am Hostel an. Die Karaokeshow nebenan erreicht qualitativ fast semiprofessionellen Level, lautstärketechnisch deutlich mehr. Vier Stunden schlaf später fließe ich dezent gejetlagged durch die morgendlichen Straßen.

Nach drei Minuten will die erste Hure ’ne Zigarette. Dann ’ne Massage. Ich hab heut keine Lust zu massieren. Und ihr Angebot ist zu niedrig. Ich lehne ab und lasse sie etwas dämlich schauend zurück. Ich will eine Simcard und weg aus Manila. Schnelles Frühstück im Hostel, wieder raus und Mietwagen abholen. Der Taxifahrer braucht 15 Minuten für die 5 km Luftlinie, ich mehr als 1,5 Stunden zurück. (mehr …)

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Angst vor Drachen

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#388
1111
2011
Fr
10:58
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Manche Dinge gehen einfach gar nicht zusammen. Oder kennst Du einen Junkie mit Spritzen-Phobie? Ich nicht. Ich bin Kiter. Seit heute hab ich Angst vor Drachen. Dumm gelaufen. Mein erster Randkontakt mit China. Ich bin stark eingeschüchtert.

Der Check-In bei China Air in Frankfurt dauert weniger als fünf MInuten. Ein 30kg schwerer Kitebag kommt tatsächlich umsonst mit. Bei Condor kostete 1kg mehr 40 Euro. Der Sitzplatz im Flieger ist gigantisch. Mit über1,93m stosse ich nicht an die Lehne des Vordermanns. Wenn bei deutschen Airlines selbiger nach hinten geht, hilft bei mir üblicherweise nur noch jodeln. Zum Abendessen gibt’s Tai Chi-Übungen. (mehr …)

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Liebe Continentale Lebensversicherung,

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#387
0311
2011
Do
14:27
Tag
1609
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Wir waren jetzt 10 Jahre zusammen. In dieser Zeit habe ich mich mit monatlichen Beiträgen von 35,79 € um fürsorglichst Dein Wohlergehen bemüht. Binnen 10 Jahren kamen über 4700 € zusammen. Am Ende waren noch 3600 € übrig. Ich bin enttäuscht. Ich dachte, unsere Beziehung würde ewig halten, und wir wären beide gut füreinander. Aber das war leider ein Trugschluss. Du hast immer nur genommen, ich gegeben.

Klar, keiner weiss, wohin die Kurse an den Börsen gehen. Jeder kann sich mal verspekulieren. Ich hab mich ja selber auch verspekuliert. Aber satte 25% Prozent auf eine Frist von 10 Jahren mit einigen Tiefs und vielen langen Hochs zu verbrennen ist eindeutig eine reife Leistung, für die ich Dir meinen Respekt zolle. (mehr …)

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Die Philippinen Kite Odyssee

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#386
0211
2011
Mi
15:32
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Das war ein hartes Jahr. Viel Arbeit, viel rauf und runter, viel passiert. Die Bäume haben die Blätter verloren, der Nebel zieht durch Regensburg und meine Webdesigner-Hände sind chronische Lutschfinger-Eiswürfel. Der letzte Monat war ein Arbeits-Marathon mit einem guten Dutzend abgeschlossenen neuen Websites und genausoviel Stunden Arbeit täglich. Zeit zu reisen.

Ich war dieses Jahr viel unterwegs. Fuerteventura,  Ägypten, Marokko, Dänemark und Rhodos. Aber das war alles kein echtes Reisen. Der Unterschied zwischen Reisen und Urlaub lässt sich vor allem an einer Sache festmachen: Dem Gefühl, an einem Ort wirklich zu sein, sprich: die Länge der Reise. Den Trip selber basteln und auch Tiefdruckgebiete als Teil des Weges annehmen. (mehr …)

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herbst

Kitespots Wismar

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#385
2708
2011
Sa
10:05
Tag
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Wismar ist nicht berühmt als guter Kitespot, hat aber einiges zu bieten: erstens wenigstens ein halbes Dutzend gute Kitespots im Umkreis von 40 km. Zweitens eine schöne Altstadt mit viel Geschichte und dank seiner kleinen Hochschule auch etwas Nachtleben abseits vom Musikantenstadel. Drittens gutes Essen und eine große Auswahl an günstigen Unterkünften ab 15 € pro Nacht – in Tourist Info am Hauptplatz nachfragen.

Die Kitespots rund um Wismar habe alle gemeinsam, dass das Meer sehr flach abfällt. Teilweise sollte man auch 300 m weit draußen jeden Sprung stehen – Bruchlandungen bei 20 cm Wassertiefe sind nicht lustig. An manchen Kitespots nehmen die Gemeinden unverschämte Gebühren für Parken und Strandbenutzung – aber es gibt genug kostenlose freie Kitespots. (mehr …)

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rerik

Es gibt viel zu tun

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#383
2108
2011
So
10:08
Tag
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Die Todesangst endet so schnell wie sie kam. Am Freitag erhalte ich bei der letzten Untersuchung in der Ambulanz des Krankenhauses die Nachricht, dass mein Hodenkrebs ein reines Seminom Typ 1 war, d.h. geringste Metastasenwahrscheinlichkeit. In den nächsten fünf Jahren muss ich alle drei Monate zur Nachkontrolle mit CT und Röntgen plus Blutwerte. Danach gelte ich als geheilt.

In der Ambulanz empfängt mich Dr. Achmed- oder besser Ach! Med! – schon eine Stunde nach Termin. Er spricht so gut deutsch, dass er fast alle meine Fragen versteht. Manche ist er sogar gewillt zu beantworten, auf andere (Kann ich mit Ernährung was tun?) lächelt er nur gelangweilt. Ich bin alles andere als rechts. Aber wenn’s um mein Leben geht, erwarte ich arroganterweise wirklich perfekte Beratung – in meiner Muttersprache. (mehr …)

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Hoffnung

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#382
1308
2011
Sa
12:44
Tag
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Die Visite am Morgen ist ähnlich herzerweichend menschlich und grundlegend aufklärend wie die am Vortag. Zumindest schafft der Oberarzt schon mal ein paar zusammenhängende Sätze und hält mir dann zwei Bögen wegen Risiken beim CT zur Unterschrift hin. Lesen lassen hält er für überflüssig. Nach zwei Litern Kontrastmittel schau ich in die Röhre. Ich habe wieder höllisch Angst. Das Ding zerlegt mich in Scheiben, das erste mal in meinem Leben. Es wird alles sehen.

Caro kommt später vorbei und sagt, dass bei der Mittagsbesprechnung mein CT nicht vorlag. Vielleicht weil’s so viel zu befunden gibt? Lange kommt kein Arzt, lange schwimme ich. Das CT-Ergebnis ist die wichtigste Prognose für mein Leben. Uli kommt. Dann endlich nach vielen Stunden: der Oberarzt. (mehr …)

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Operation „Klöten flöten“

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#381
1108
2011
Do
23:52
Tag
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Ich schlafe überraschend gut in der Maschine. Meine OP ist die erste heute, die Fahrt dorthin ein Shoot-Em-Up Game von 1985, Zaxxon in weiss-gelb. Die Landschaft des fremden Planeten bewegt sich nicht von oben nach unten sondern andersrum. Ich erwarte die Angriffswellen der Aliens, aber das OP-Bett wird nicht angegriffen.

Der Narkosearzt ist ein Meister der falschen Fragen. Wie geht es Ihnen? Kein Kommentar. Was wird bei Ihnen heute gemacht? Der rechte Hoden entfernt. Warum nicht beim Chefarzt? Weil meine private Krankenkasse anscheinend die Leistungen stark gekürzt und gleichzeitig die Gebühren binnen fünf Jahren um 40% erhöht hat. Kann ich nicht wechseln? Sicher, mit Krebs nimmt dich jede Private zu besonders günstigen Konditionen. (mehr …)

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Warten in der Maschine

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#380
1008
2011
Mi
23:49
Tag
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Am nächsten Morgen gehe ich in die Maschine. Die Sonne erhebt sich. Ich halte ihr mein Gesicht auf dem Weg nach Osten entgegen. Ich bin ruhig. Meine Aufgabe ist: gehen. Am Empfang bin ich eine halbe Stunde zu früh. Andere Patienten sitzen auch schon da. Die mit dem schweren Weg haben Begleiter. Ich bin froh, alleine hier zu sein.

Nur 48 Stunden nach der ersten Diagnose und satten 15 Minuten Gespräch mit Ärzten hatte ich reichlich Zeit, mich über verschiedenste Quellen selber zu beunruhigen. Ich bin sehr dankbar, als auf einmal eine alte Freundin vor mir steht. Früher war sie Schreinerin, jetzt ist sie Ärztin im PJ. Vielleicht kann sie mir mal ’ne neue Klöte schnitzen. Sie ist der erste Arzt, der mich beruhigt. Die anderen bisher waren emotional drei Grad unter Cyborg. (mehr …)

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Volle Kanne

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#379
0908
2011
Di
23:47
Tag
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Ich schlafe kaum. Uli geht um sechs Uhr in den Frühdienst. Ab da kann ich nicht mehr schlafen. In der Nacht hat sie mich immer wieder umarmt. Ohne das wäre ich gar nicht eingeschlafen. Wie sollte man sowas allein durchstehen können? Ich stehe auf und schau in einen grauen Morgen. Wenigstens verjagt das Licht die Angst.

Organisation zu einer Zeit, zu der ich seit Jahren nicht gearbeitet habe: Steuerberater bescheid geben. Nächste Vorannmeldung könnte länger dauern. Ein Kunde hat Probleme mit angeblich zu schlechter Bildqualität in seinem Online-Shop. Ja, der hat echt Probleme. Ein paar Faxe ans Finanzamt, lange bevor es öffnet. Dann die volle Kanne: Einlesen in den blauen Ratgeber Hodenkrebs. Wenig später verfluche ich die dank www überall verfügbare Information. (mehr …)

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Aus heiterem Himmel

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#378
0808
2011
Mo
23:46
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Wenn’s wohl irgendeine für jegliche Tumordiagnose treffende Beschreibung gibt, dann wohl die eine: „Aus heiterem Himmel.“ Insofern ist meine Diagnose „Hodentumor“ heute nichts ungewöhnliches. Erst dreht sich alles ein bisschen, wenn du von der Liege im abgedunkelten Ultraschallraum aufstehst. Du gehst rüber ins Arztzimmer. Der macht dir sofort einen Termin beim Urologen, schaut etwas betroffen und gibt dir dann noch eine paar erste Infos.

Ich hab Glück. Judith ist rein zufällig beim gleichen Arzt heute. Eben hatten wir noch über eine SMS von gestern Nacht gelacht. Ich zieh sie aus dem Wartezimmer. „Rauchen geht in Ordnung“ hatte der Arzt gesagt, also stecken wir uns zwei Kippen an. Ich schau nach oben. Sturmwolken zerreissen einen blauen Horizont. (mehr …)

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Danke, Pflegenotstand!

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#377
2207
2011
Fr
3:43
Tag
1505
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Mich kotzt der Pflegenotstand in Deutschland langsam mächtig an. Bis vor wenigen Monaten war er mir ziemlich egal. Aber jetzt hab ich eine Krankenschwester zur Freundin. Dummerweise auch noch eine, die deswegen eine wurde, weil sie sich wirklich sorgt. Die Auswirkungen werden allmählich ziemlich drastisch, sogar für mich als liebend gerne nachts arbeitenden Webdesigner.

Der Pflegenotstand in Deutschland kam nicht überraschend. Er ist mehr sowas wie ein 200-Meter Tsunami in Zeitlupe. Alle mutieren auf einmal zu surfenden Erdmännchen, stehen staunend an der Küste und wachsen ihre verstaubten Surfboards. Als hätten sie noch nie ’ne Welle gesehen. Als könnte man gerade diese sicher noch stilistisch korrekt abreiten. 200 Meter links neben dem nächsten AKW. (mehr …)

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Lindos, nachts / Hellas, quo vadis?

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#376
0606
2011
Mo
15:26
Tag
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Schon bei meinem ersten Besuch in Lindos sind mir die unzählbaren Kneipen in alten Kapitänshäusern aufgefallen. Aber wir hatten keine Zeit für eine Nachtschicht. Diesesmal haben wir keine Zeit für Sehenswürdigkeiten, wir sind hier nur für’s Nachtleben hergekommen. Check-In im Hotel, runter in die Altstadt und rein in die Nacht!

Wie fing die Krise in Griechenland eigentlich an? Noch nicht mal die Griechen konnten mir das erklären. Bestechnung, Überbürokratisierung und ein gutes Maß an Verschwendungssucht waren sicher mit dabei. Aber wie zum Teufel kann man in derart kurzer Zeit ein ganzes Land so dermaßen heftig gegen die Wand fahren? (mehr …)

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Kitesurfing Rhodos: Fanes & Prasonisi

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#375
0406
2011
Sa
22:57
Tag
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Kitesurfing auf Rhodos wird eigentlich erst im Juli richtig gut. Bei uns war’s dieses Jahr schon Anfang Juni der absolute Hammer. Ich war an vier von sieben Tagen draussen. Möglich wären noch zwei mehr gewesen, wär mir da nicht eine blöde Grippe zwecks ständigem Wechsel zwischen Kitesurfing und Klimaanlage im Auto dazwischengekommen.

Am ersten Tag begrüßt mich der Wind mit gemütlichen zehn Knoten in Fanes. Zum Glück ist der 19er dabei, das reicht. Fanes ist ein guter Kitesurfing Spot auf Rhodos: nicht weit weg von Rhodos Stadt, meist recht leer (maximal 20 Kitesurfer), und das hervorragende kleine Hotel Delfini direkt am Strand. (mehr …)

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Salam Marokko!

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#374
2305
2011
Mo
21:42
Tag
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Marokko hat sich seit meinem letzten Besuch vor 15 Jahren um einiges geändert. Es ist jetzt noch jünger. An manchen Orten und zu bestimmten Zeiten hört man Bollywood-Techno genauso laut wie das „Allah u akbar“ von den Spitzen der Minarette. Welten verschmelzen. Das letzte Mal waren noch alle Frauen verschleiert. Jetzt nicht mehr, vor allem die jungen sind zum Teil schon fast aufgebretzelt wie Kölner Türkinnen Samstag Nacht.

Hammelkeulen hängen in der Sonne. Tausend Gewürzsäcke leuchten am Straßenrand. Hausfrauen handeln den besten Preis für Nana-Minze aus. Bettler sitzen vor dem Eingang der Moschee. Essaouira ist wie eine Zeitmaschine. Unglaublich alt, neu, stinkend und duftend, eng und weitläufig. Mittelalter-Marktplatz im hier und jetzt. (mehr …)

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Endlich! Kitesurfen in Essaouira

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#373
2105
2011
Sa
1:07
Tag
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Nach neun Tagen Warten kommt endlich der Wind in Essaouira an. Noch nie hab ich irgendwo solange auf Wind gewartet. Er kommt mächtig. Morgens noch gemütliche 12, Nachmittags mit 15 bis 24 Knoten, Böen gut drüber. Alles was ich gelesen hat simmt: Der Wind ist ordentlich bockig. Nicht so schlimm wie bayerische Seen, aber recht ungemütlich.

Die Dromedare stehen am Strand. Ab und zu knallt der Kite eines Schülers zwischen sie rein. Schulung sollte hier eigentlich verboten sein. Recht heftige Wellen, heute nur ein Meter, aber davon viele. Der Wind schwankt im fünf-Sekunden Takt leicht um 400%. Bei solchen Bedingungen sorgen Kiteschulen nur für bleibende Erlebnisse der dritten Art. Sobald der Bodydrag mehrheitlich in der Luft stattfindet gibt er wenig Sicherheit. (mehr …)

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Gorges du Dadès

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#372
1705
2011
Di
23:37
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Harter Tag, wieder eine weite Strecke. Erster Stopp: Agdz. Eine große Gruppe junger Marokkaner demonstriert lautstark gegen die Lebensmittelverteuerung. Nachdem die armen Amis keine Lust mehr haben, in Edelmetalle, Gold und Uran zu spekulieren, versauen sie jetzt auch noch den ärmsten der Armen das Leben mit ihrer Gier. Ich hoffe, es wird eines Tages zurückschlagen.

Auf dem Weg nach Ouarzazate gibt es einen Wasserfall. Das Schild zu den Cacades de Tizguin finde ich schnell, die Piste ist grober Schotter durch vulkanischen Fels. Dann geht es durch große Löcher und gröberen Schotter. Einige tiefe Überspülungen, mit 30% abfallende enge Serpentinen in ein enges Tal. Unten bin ich zum ersten Mal seit langem soweit, mir einzugestehen, daß das vielleicht zu viel war. (mehr …)

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Sandsturm in der Sahara

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#371
1605
2011
Mo
22:36
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Motorhead spielen nicht direkt nach Marianne und Michael. Genauso wenig geht das letzte Grün vor der Sahara direkt in reine Sanddünen über. Nach dem Grün kommt die Steinwüste. In ihr verteilen sich erste Inseln aus Sand. Die letzten Flüsse laufen im Nichts aus. Noch zwei Bergrücken, dann sehe ich in der Ferne nur noch flimmernde Sanddünen. 52 Tage bis Timbuktu.

Auch das davor gehört für die Touareg schon zur Sahara. Große Kasbahs verkunden alte Karawanengeschichte. Die Temperatur steigt auf knappe 40 Grad. Das ist recht wenig, erklärt mir eine Teerunde im Schatten einer Kasbah. Schon bald wird es hier bis zu 55 Grad heiss. Alle halbe Stunde kommt ein Auto vorbei, fast nur Jeeps, kaum Touristen. (mehr …)

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Der Touareg

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#370
1505
2011
So
20:18
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Fünf Tage Dauerflaute sind mehr als ein Kitesurfer ertragen muss. Ich miete ein Auto und breche noch vor Morgengrauen auf. Die Straße nach Marrakech führt von diesigem Mad Max über Toskana ohne Zypressen in die grüne Kornkammer vor dem hohen Atlas. Wegen des Bombenanschlages in Marrakech sind die Polizeikontrollen dezeit ähnlich dicht wie im goldenen Dreieck – nur die Bewaffnung ist etwas dezenter.

Nach nur einer Stunde Fahrt erlegt mich ein Polizist mit der Laserpistole. 20km/h zu schnell. Mein deutscher Führerschein rettet mich wie schon in den USA vor Strafe. Wir haben anscheinend weltweit Narrenfreiheit wenn’s ums rasen geht. Wenig später folgt mir die Polizei mit Blaulicht, und diesmal wird mein Magen unruhig. Sie überholen. Umsonst. (mehr …)

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Eine Woche Flaute

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#369
1305
2011
Fr
21:21
Tag
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Für Kiter ist nichts schlimmer als Flaute. Alle werden miesmutig, manche kriegen Krätze. Eine zu bemitleidende radikale Splittergruppe schlägt Wellenreitern die Schädel ein. Ich bastel Pläne, in die Sahara zu fahren. 750km oneway, Autos gibt’s grad nur von lokalen Vermietern und teuer. Nach einer abgebrochenen Kofferraumklappe bei meinem letzten Aufenthalt vor 15 Jahren ist mein Vertrauen allerdings etwas angekratzt.

Ich fühl mich wie in einem Buch von Garcia Marquez. Welches genau hab ich vergessen. Es ist heiss und schwül. Bei den allabendlichen Gelagen in der Piratenhöhle beschlagen meine Brillengläser, wenn’s draußen regnet. Mein sechser-Hamsterkäfig wurde umgebaut zur Käfighaltung, bin jetzt alleine drin. Ich warte arbeitend auf den hoffentlich in sechs Tagen ankommenden Höllenwind. (mehr …)

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Essaouira

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#368
1105
2011
Mi
21:57
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Essaouira ist ein alter Portugiesischer Handelsstützpunkt. Wolken drücken die Schwüle nach unten, verstärkt durch die komplette Abwesenheit von Wind. Wer sagt, die wichtigste Ingredienz von 1001 Nacht seien Helden, ist ein Bulimiker. Das einzig wichtige sind Gestank und Himmelsdüfte. Am Morgen wache ich in einem fensterlosen 12m² Sechsbettzimmer auf. Bei der Rückkehr vom Bad erblasse ich vor Neid: So werde ich niemals alleine stinken können.

Die Dachterrasse im vierten Stock gibt den Blick frei auf hunderte Innenhofhäuser. Aussen und vor allem oben recht kaputt, aber innen weiss getüncht. Katzen liegen auf Müllhaufen. Die Medina ist ein unglaubliches Labyrinth. An 202 gezählten Ecken finde ich zwei rechte Winkel. Offener Gulli, tödlicher Gestank. Am nächsten Eck Nana-Minze, dann Fischmarkt und Gewürzberge. (mehr …)

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