Der größte unabhängige deutsche Kitereisen-Blog - 277 Kitepots - 713 Reiseberichte.

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Das große Zittern

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#474
0903
2012
Fr
16:38
Tag
1736
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Die weiteren Bestrahlungen verlaufen besser. Mir wird nicht mehr schlecht, an die Geräusche der Maschine gewöhne ich mich. Nach der dritten Bestrahlung folgen einige weitere Untersuchungen. Da ein Lymphknoten nahe an der Niere liegt wird ein Funktionstest gemacht. Danach folgt ein Lungen-CT, um zu sehen, ob es sonst noch was gibt. Bisher gibt’s nur ein aktuelles Abdomen-CT.

Ich bitte die Schwester gleich um mündlichen Befund. Der Sekundenzeiger der Wanduhr kreischt bei jedem Ruck. Eine halbe Stunde später frage ich nochmal. Die Tür zum Befundungsraum geht auf. Zwei Ärzte blicken vom Schirm rüber zu mir. Eine Ärztin meint, Befunde gingen prinzipiell nur an die überweisende Station. Ich hab eine ganz schlechte Vorahnung. Sie hält den ganzen Tag, während ich mich mit Arbeit ablenke. (mehr …)

Strahlenkrankheit für Anfänger

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#473
0603
2012
Di
22:28
Tag
1733
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Habt ihr eine Ahnung, wieviel Geld BMW ausgibt, um den perfekten Sound für schließende Türen zu kreieren? Ich weiss es nicht, aber nach der letzten Reportagen denke ich: Unmengen. Das ist so krank. Als ob Türen beissen oder sonstwie Angst machen könnten. Heute ist meine erste Bestrahlung. Ich liege im Keller des Uniklinikums auf einem kalten Tisch.

Ein radioaktiver Kopf rotiert um mich herum. Der Sound des Motors geht noch: leises surren, rattern, stop. Der Sound des Öffnungmechanismus für das Strahlenfenster dagegen ist ein Meisterwerk psychoakustischer Ignoranz. Ridley Scott zermatscht ein kleines Alien in Zeitlupe. Sein hohes Todeskreischen ergänzt meine Bestandsangst perfekt. Da hilft auch das Lächeln der Schwester nix. (mehr …)

Fortschritt

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#472
0203
2012
Fr
4:21
Tag
1729
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Ein halbes Jahr nach meiner Operation habe ich nach der großen Philippinen Kite-Odyssee meine zweite Nachuntersuchung. Sie gibt mir ungeahnte Möglichkeiten, eigenartige Sichtweisen kennenzulernen. Wenn Krebs nach einer OP ohne weitere Therapie die Lymphknoten befällt, dann nennen Mediziner das „Fortschritt“. Denken aus der Sicht der Krankheit.

In meinem Schädel spuken irritierende Bilder tanzender Krebszellen. Sie singen „Geschichte wird gemacht, es geht voran“ oder jaulen im Mondschein zu Westernhagens „Ich bin wieder hier“, während mein Arzt sagt, ich hätte jetzt sogar eine höhere  Lebenserwartung als jemand, der nicht regelmäßig auf Tumore gecheckt wird. (mehr …)

Website gehackt mit Iframe Exploit!

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#471
2102
2012
Di
17:52
Tag
1719
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In den letzten Wochen wurden nach 13 Jahren als Webdesigner gleich mehrere meiner Kundenhomepages gehackt. In Ermangelung irgendwelcher ernstzunehmender Treffer und Abhilfe via Google poste ich hier mal die genauen Symptome. Der Hack erfolgt anscheinend mittels eines gestohlenen FTP-Passworts. Die Verbindung kam laut FTP-Log immer von der IP 46.203.98.175 in der Ukraine – vermutlich ein Zombie PC.

Der Angriff dauerte immer wenige Minuten. Die Dateien wurden anscheinend von hand heruntergeladen und mit einem bösen verschlüsselten Javascript versehen wieder hochgeladen. Betroffen sind meistens die Dateien index.html bzw. index.php in Gambio Shops oder auf wp-blog-header.php in WordPress. (mehr …)

Salamat! Danke!

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#470
0802
2012
Mi
16:08
Tag
1706
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Meine Kite-Odyssee über die Philippinen bot alles was, was das Reisen gut macht: gute Menschen, gute Orte und gute Wege. Vielen Dank an alle die dabei waren: Uli, Dave, Miri, Max, Chris, Jules, Joanna, Maou, Bente, Davide, Marc, Cynthia, Michael, Marina, Charlhs, Harold, Goran, Vanisi, Björn. Salamat an alle guten Philippinos auf dem Weg, die immer halfen wo’s nur ging.

Am letzten Tag geht’s zu Metzel-Movies im Bus von Batangas nach Manila zurück. Das Hostel hat meine Reservierung vergessen. Egal. Sechs verlorene Sonnenbrillen am Markt nachkaufen. Was bleibt? Schwere Arme, viele Blasen, 10.000 Bilder und gute Geschichten. Auf meinen alten Schuhen steht „Frank faster“. Das hier sind die besten von fast 100 Geschichten: (mehr …)

Puerto Galeras Dauerstecher

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#469
0802
2012
Mi
7:36
Tag
-2747
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Wir schwingen uns in den Minivan nach Roxas und verabschieden uns am Pier. Max schifft zurück nach Boracay. Ich fahre weiter Richtung Manila. In Calapan schmeisst mich der zweite Minivan raus. Trike zum Markt und mit den Jeepney nach Puerto Galera. Dort zockt mich das letzte Mal ein Trike-Pirat ab. Fünf Euro für fünf Kilometer. Ich verabschiede ihn mit den Worten „Thanks for ripping me off, fucker.“ Er schaut blöd, mir tut’s gut.

Für die 210 Kilometer von Bulalacao nach Sabang / Puerto Galera benötige ich nur drei Trikes, zwei Minivans, einen Jeepney und sieben Stunden. Die Wartezeit war nie mehr als zehn Minuten. Man sollte den ganzen Vorstand der Deutschen Bahn auf Bildungsurlaub hierher schicken. In Punkto Koordination könnten sie viel lernen. In Punkto Geschwindigkeit weniger. (mehr …)

Religion und Videoke

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#468
0702
2012
Di
12:33
Tag
1705
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Wenn Religion Opium für das Volk ist, dann ist Videoke Crack für die Philippinos. Kein Droge macht schneller süchtig, wirkt stärker und produziert krassere Filme. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben? Pah! Auch die tiefe Gläubigkeit der Philippinos kennt ihre Grenzen. Sie heisst Videoke. Dafür lassen sie alles liegen und stehen.

Die Videoke-Anlage ist in jedem guten Philippinischen Haushalt wichtiger als Klo oder Herd, sie ist in etwa dem indischen Hausaltar gleichzusetzen. Ich sah primitivste Bambushütten mitten im Dschungel – mit dicksten Videokeanlagen. An solchen Plätzen wird häufig sehr gut gesungen. Sobald die Anlage an einem öffentlichen Ort steht sinkt das Niveau in der Regel drei Meter unter bodenlos. (mehr …)

Kitesurf-Finale Philippinen

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#467
0602
2012
Mo
9:02
Tag
1704
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In den letzten drei Monaten bin ich an zehn verschiedenen Spots der Philippinen gekitet. Hört sich erst mal nicht viel an. Aber jeder Philippino sagte „Dieses Jahr spinnt das Wetter. La nina.“. Der sonst ab Mitte November einsetzende Nordostwind Amihad kam erstmals am 30.12.. Bis dahin hatte ich abgesehen von einer kleinen Session in El Nido auf Palawan sieben Wochen Flaute.

Wer auf den Philippinen Flauten nicht übersteht, muss Reisen hassen. Die Philippinen bieten viel mehr als nur Wind: unglaublich freundliche und interessierte Menschen, grandiose Landschaften, gutes Essen, hartes Trecking, entspanntes Inselhoppen und guten Rum. Videoke lasse ich bewusst aussen vor. Auch wenn man lacht ist’s irgendwann nicht mehr lustig. (mehr …)

Eine fast tödliche Kitesafari

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#466
0502
2012
So
12:31
Tag
1703
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Bipin kommt morgens vorbei. Er hat ein Bangka für eine Kitesafari auf die Inseln ganz im Südosten Mindoros organisiert. Die Überfahrt dauert fast eineinhalb Stunden und ist sehr rauh. Wir erwarten starken und beständigen weil über offenes Meer ankommenden Wind an verlassenen tropischen Traumspots, an denen noch nie jemand gekitet hat. Erster Stopp ist die äusserste Insel Masin.

Auf der Westseite liegt ein Fischerdorf an einem Korallenstrand, davor Seegrasplantagen. Die Menschen sind freundlich. Sie haben noch nie Langnasen gesehen. Der Nordost-Wind wird durch die Insel abgeblockt. Wir gehen auf die andere Seite. Der Wind hackt. Shorebreak gut ein Meter auf große spitze Felsen. Es gibt Kiter, die gehen an solchen Spots raus. Wir nicht. (mehr …)

„I mag’s gern a bissle überbauerd“

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#465
0402
2012
Sa
12:00
Tag
1702
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Das ist der Satz des Tages. Max trägt ihn dezent angeschwäbelt vor. Wir stehen am Pier. Messen den Wind. 15-25 Knoten. Die letzte Nacht war wieder lang und gut, der Hangover genauso. Gegen Mitternacht spielte ich eine Runde Schach gegen einen Philippino. Auf einmal beugt er sich über die Bank und kotzt wie ein Wasserspeier. Bis dahin dachte ich, ich hätte gut gespielt.

Mein Zustand sagt Neuner-Kite, aber selbst den lasse ich erst mal eine Stunde am Strand liegen. Max ist sofort mit dem Siebener draußen. Dann kommt er zurück mit dem Satz des Tages und baut den Zwölfer auf. Ich komme mit 20kg mehr Gewicht und dem Neuner schon in den dritten Stock, stehe gut im Saft. Ihm ist’s nie genug. (mehr …)

Bulalacao Big Air

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#464
0302
2012
Fr
14:20
Tag
1701
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Wir wachen recht angeschlagen auf. Ein Eimer Wasser. Wach. Zum Frühstück gibt’s totgegrillten Tunfisch mit Spiegeleiern. Die liebe Tucke kümmert sich rührend – obwohl selbst gut angeschlagen. Der Wind ist noch nicht da. Aber die Vorhersage auf Windguru lag fast immer richtig bisher. Für Bulalacao gibt sie seit einer Woche für heute und die nächsten Tage Hackwind.

Ich verliere eine Partie Schach gegen Max. Ein kleiner Regenschauer zieht durch. Danach kommt der Wind. In der Felipa Lodge II spürt man fast gar nichts. Ich gehe ein Stück nach Norden. Ein verlassenes Pier. Das Wasser in der zwei mal vier Kilometer großen Bucht von Bulalacao ist niedrig – doch gekrönt von weissen Wellen. Der Wind hackt jetzt mit brachial bockigen 10-30+ Knoten. (mehr …)

Die letzte Passage

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#463
0202
2012
Do
22:10
Tag
1700
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Unsere letzte gemeinsame Passage auf den Philippinen ist wie das Reisen hier immer war: anstrengend und abenteuerlich. Früh morgens fahren wir mit dem Trike durch strömenden Regen zum Magdiwan Pier. Die 50 m lange RoRo-Fähre der Montenegro Lines wird in schwerem Seegang von großen Brechern erschüttert. Die Gischt spritzt bis auf’s Promenadendeck in fünf Metern Höhe. Das Gehen erinnert an Oktoberfest nach vier Maß.

Max hat zwei Tage am Guting-Guiting nichts ordentliches gegessen. Im Romblon Deli ordert er gleich zwei Pizze zu 45 cm. Danach ein billiges Zimmer und ausschlafen. Heute geht’s nicht mehr weiter. Abends verdrücken wir den Rest der Pizza und schlürfen den letzten Gin-Tonic auf Romblon. Wir haben seit Tagen keinen einzigen Reisenden gesehen, Touristen sowieso nicht. (mehr …)

Mount Guiting-Guiting

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#462
0102
2012
Mi
11:47
Tag
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by Mad Max. Mt. Guiting-Guiting, the toughest Mountain of the Philippines – dieser Berg fasziniert mich, seit ich ihn das erste Mal auf Boracay bei gutem Wetter vor über einer Woche gesehen hab, und das sind über 100km Entfernung. Die Tour erstreckt sich über drei Tage, ich will alles zusammen in zwei Tagen machen.

Ein tougher Zeitplan und vielleicht etwas Übermut? Wird sich herausstellen. Guiting-Guiting bedeutet soviel wie Schere. Der Gipfel, der spitz wie eine Schere aus dem Umland in den Himmel sticht hängt allerdings im Nebel. Nach unserer sonnigen Mopedtour die letzten Tage könnten wir allerdings Glück haben mit dem Wetter. Ich nehme Franks Angebot gerne an und verfasse den Bericht über den Berg, nachdem sich unsere Wege für zwei Tage getrennt haben. (mehr …)

Von kleinen Dörfern

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#461
3101
2012
Di
22:47
Tag
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Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Meine Kindheit dort war irgendwas zwischen langweilig und grausam. Erst als ich in die große Stadt zog wurde das Leben besser. Jetzt bin ich dort glücklich. Und trotzdem: auf allen meinen Reisen sind mir immer wieder die kleinen Dörfer der Himmel auf Erden. Magdiwan ist ein solches kleines Dorf.

Vor der Schule spielen die Jungen Basketball. Eine große Aufschrift ziert den Eingang: „Elementary School“. Direkt dahinter eine Wand: „You are entering a drug-free Zone“. Der Marktplatz. Es gibt wenig zu kaufen, aber vielleicht gerade deswegen genug. Die Trike-Fahrer dösen in der Sonne. Ich rüste meinen Sonnenbrillen-Bestand auf. Der Wind luscht heute. Es stört nicht. Ruhe im Dorf. (mehr …)

Das Baumhaus am Magdiwan Beach

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#460
3001
2012
Mo
14:02
Tag
1697
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Aus Schlechtem wächst immer Gutes. Erstens bissige Texte über blöde Menschen, direkt darauf dann etwas Gutes. Zuerst zweifle ich an dieser Regel. Das Bike von Soder-Schedl musste ich gestern reparieren lassen. Aber: eine Australische Filippina bekam beim Vermieter mein Klagen mit. Sie bietet mir das Baumhaus ihrer Sommerresidenz an, direkt am Strand von Magdiwan.

Ihre Angestellten sind nett bis zum Umfallen. Das Baumhaus ist ein Traum und kostet fast nix. Die Dusche ist im Freien am nach Norden ausgerichteten Strand. Da ich noch am Morgen auf der Rückreise vom Sa Agoho in heftigen Regengüsse einige Flüsse duchqueren bzw. entlangfahren musste, ist klar was als nächstes kommt, oder? Nach Regen kommt hier immer guter Wind! (mehr …)

Touring Sibuyan

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#459
2901
2012
So
22:45
Tag
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Ich hatte das kaputte Bike gestern einfach am Straßenrand stehen lassen. Heute morgen steht es wieder vor der Tür. Kommentar: „Läuft!“ Ich sag „Nein, das Ding ist kaputt, der Motor geht immer wieder aus, und irgendwann geht gar nix mehr. Ich will nicht schon wieder schieben!“. Aber die Vermierter bleiben hart. Letztendlich schwinge ich mich wieder auf die angeschlagene Zweirad-Flak. Wir fahren auf der Westseite Sibuyans nach Süden.

Schon bald hört die betonierte Straße auf. Die Schotterpisten führt durch grünen Dschungel, links hohe Berge und rechts das blaue Meer. An der ersten kernigen Steigung stottert der Motor wieder. An der nächsten geht er aus. Ich fang einfach an zu schreien, laut und lang. Ein Philippino kommt angelaufen. Und hilft mir sofort. Sie haben nichts und geben alles, immer. (mehr …)

Sibuyan Soder-Schedl

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#458
2801
2012
Sa
21:56
Tag
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Sibuiyan ist eine Insel voll ab vom Schuss. Mitten in den Visayas, aber schwer zu erreichen. War schon immer so. In der letzten Eiszeit abgeschnitten von allen anderen Teilen der Philippinen gibt es hier heute viele endemische Arten. Manche sind schwer zu finden, andere unübersehbar. Heute schreibe ich über eine dieser Lebensformen: den Sibuyan Soder-Schedl.

Er quatscht den ganzen Tag ausnahmslos gequirlten Bockmist. Dem ersten Vertreter dieser Gattung trafen wir schon Tags zuvor im Romblon Deli. Wir fragten nicht nach seiner Meinung. Er sagte sie uns trotzdem. Natürlich lagen wir mit der unseren vollkommen falsch. Auf der Fähre am nächsten Morgen macht er das nochmal ganz klar. Ich mime Seekrankheit, um dem Schwall seiner Worte zu entkommen. (mehr …)

Jeepney-Surfen

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#457
2701
2012
Fr
23:13
Tag
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Ich liege auf dem Kitebag am Rande einer wenig befahrenen Straße und schaue in den Himmel. Hinter einem großen Ficus ziehen Wolken vorbei. Neben mir sitzt die lokale Mopped-Gang im Schatten des Palavers. Kücken fiepen, Hennen gackern, Hähne schreien. Kinder lachen, Mädchen singen, Männer streiten. Ein Schwein grunzt. Der Wind raschelt in den Blättern der Bäume.

In der Schule nebenan unterrichten die Lehrer. Im Dorf spielt ein Radio philippinische Evergreens. Ein Hund bellt. Die ausgebüchste Ziege frißt die Blumen vor der Kirche. Der Polizist schmeisst einen Stein nach ihr. Vögel zwitschern. Das Reisfeld wiegt im Wind. Eine Frau hängt Wäsche auf. Den Jeepney hört man Dank seines Motors lange bevor man ihn sieht. Alles ist: gut. (mehr …)

Breaking the waves

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#456
2601
2012
Do
19:39
Tag
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In der Nacht regnet es kurz, dann wird der Wind immer stärker. Böen fegen durch’s offene Fenster. Um sieben klingelt der Wecker. Ich schaue auf’s Meer. Die Ebbe hat ihren Tiefststand erreicht. Zusammen mit der Mondphase ist der Wasserstand in der Bucht jetzt viel zu niedrig. Erst um zehn Uhr ist er akzeptabel. Ich baue den Neuner auf und gehe raus.

Sogar in der Bucht sind die Wellen jetzt bis zu 1,5 m hoch. Der Wind ist brachial bockig und sehr stark. Gegen Mittag messe ich am Stand Low 15 Knoten, Mitte 20, Böen 30. Traummaße für jeden Kiter – aber es gibt keinerlei Sicherheit mehr. Nach nur 50 Minuten am Wasser mit gigantischen Sprüngen und heftigem Wellen-Rodeo krieche ich fix und alle an Land. (mehr …)

Kaiserkiten zum Zweiten

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#455
2501
2012
Mi
23:34
Tag
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Der besoffene Portugiesische Vorarbeiter von 5000 Mann auf einer Baustelle in Hongkong bringt uns am letzten Abend in Charlhs Bar Freidrinks ein. Anscheinend will der Keeper ihn nicht mehr – wie zwei Abende zuvor – das Mikrofon des Sängers klauen lassen. Wir erfahren nicht mehr, ob sein Plan aufgeht. Drei Wochen auf Boracay waren einfach genug. Wir landen halbwegs zeitig im Bett.

Früh am Morgen brechen wir nach Tablas auf. Sogar zum Verlassen Boracays wird eine satte Ökosteuer erhoben. Kacke im Meer verrotten lassen ist einfach oberöko. Wir fahren ein letztes Mal vorbei am Bulabog. Von draussen schaut er noch voller aus. Ich bin unendlich froh, endlich wegzukommen. Sitze in zwei Meter Dünung am Sonnendeck auf meinem Kitebag und halte Ausschau. (mehr …)

…und das Beste zum Schluss

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#454
2401
2012
Di
12:49
Tag
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Der beste Wind auf Boracay war oft unter Wolken – oder gleich im strömenden Regen. Wir sind wasserfest. Aber in der Sonne kiten ist trotzdem geiler. An unserem letzten Tag auf Boracay scheint sie wieder – und der Wind bläst konstant mit knackigen 18 bis 25 Knoten. Als ich mich um elf auf den Weg zum Bulabog mache, ist Max schon einige Zeit mit seinem Siebener draußen.

Vier Tage in Folge Vollgaskiten war viel. 20 Blasen an den Händen. Steifer Nacken von den vielen Wellen bei hoher Geschwindigkeit. Die Arme sind lang von den vielen Sprüngen und im rechten Handgelenk eine Sehnenscheidenentzündung. Ich setze mich hin, Frühstücke und genieße das Schauspiel auf dem Wasser. Einige Kiter legen heute derbste Sprünge hin, Kiteloop Doublebackflip mit Grab in 10m Höhe. (mehr …)

Heizwasser!

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#453
2301
2012
Mo
13:49
Tag
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Dank der Mondphase ist die Ebbe heute richtig niedrig am Bulabog. Zehn Meter Strand sind Rekord. Zusätzlich kommen keinerlei Wellen über’s Riff. Das Wasser stinkt noch übler als sonst, aber es ist absolut flach. Heizwasser für 140 Kiter bei 14-20 Knoten. Wir kiten nonstop vom Frühstück bis zum Abendessen.

Hört sich gut an, oder? Frühstück war allerdings wegen meinem zweiten Silvester auf Boracay die Nacht zuvor erst um drei Uhr. Max macht hinter dem Riff eine ca. sechs Kilometer weite Kitereise bis nach Panay über’s offene Meer. Ich heiz mich in der Bucht bis zur Glückseeligkeit. Die Sonne geht hinter Boracay unter. Panoramakiten. Max kommt erst in der Dunkelheit wieder an Land.

Boracays alternative Kitespots

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#452
2201
2012
So
22:28
Tag
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Wir wollen weg vom überfüllten Bulabog Beach, nehmen uns ein Trike und fahren an den Ilig-Iligan Beach im Nordosten Boracays. Dann einem halben Kilometer laufen über den letzten Hügel. Weisser Sand ohne Dreck, aufgegebene Resorts und Restaurants und absolute Leere. Unglaublich. Ein kleines Paradies, drei Kilometer nördlich der Müllhalde von Bulabog.

Max ist wieder sofort draußen, dank 25 m breitem Strand heute ohne Palmenkontakt. Wir wollen abwechselnd kiten. Nach Nordwest decken ein paar kleine Inseln den Wind etwas ab. Im Südosten ist der Strand von Korallenfelsen begrenzt, dahinter befinden sich Buchten eines abgeschotteten Golfclubs. Abtreiben ist keine gute Idee. Ich bleib als Baywatch mit Kamera am Strand. (mehr …)

Hangover Hangtime

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#451
2101
2012
Sa
18:06
Tag
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Gute Tage folgen meist auf böse Nächte. Wir setzen uns zur Happy Hour an Charlhs Bar. Als wir aufstehen ist es kurz vor drei Uhr Nachts. Der Hangover am nächsten Morgen ist mindestens genauso grandios wie die Nacht davor. Der Wind zurück, die Schonzeit vorüber. 45 Minuten Schlaf pro Rum Cola müssen reichen. Waren ja einige.

Schon vor Mittag ist der Balabog Beach heute voll: Am Wasser sind 120 Kiter unterwegs und der komplette Strand dank erstem Wind seit einer Woche voller Meermüll: Treibholz, Fischernetze, Plastikflaschen, Tüten, massig Seetang und Glasscherben. Boracays Heiligkeit zerbröselt endgültig zu Staub. Was bleibt ist schön starker Wind von 15-25 Knoten. Sonst nichts. (mehr …)

Die müden Massen

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#450
1901
2012
Do
23:01
Tag
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Überall: Masse. In ihren Ausmassen um ein Vielfaches geringer als zu Silvester. Dafür um ein Vielfaches träger. Wo noch vor ein paar Tagen Wölfe um steppende Bären tanzten ächzen jetzt Chilloutsäcke unter der Masse müder Leiber. Zur endlosen Wiederholung dieses Anblicks von Bar zu Bar zu Disco dröhnt mir „You are not alone“ im Schädel.

Auch ich bin unendlich müde vom Nichtstun. Nichtstun, das heisst fünf Tage Flaute mit 10 Stunden Arbeit am Tag überbrücken. Im Bett. Sobald ich das Bett verlasse, werde ich müde. Wir schauen uns „Into the Wild“ an – Boracay ist dafür der unpassendste aller vorstellbaren Orte. Chris McCandless strebte danach, die Dinge beim Namen zu nennen. Meine wertvollen Ziele ertrinken einstweilen im 50 cm tiefen Fischteich Boracays. (mehr …)